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Talsperren im Einzugsgebiet der Apfelstädt

Woher haben sie ihr Wasser? Welchem Zweck dienen sie? Welchen Beitrag leisten sie zum Stützen des sommerlichen Niedrigwasserabflusses in der Apfelstädt?

Trinkwasser für 750.000 Menschen

Das obere Einzugsgebiet des Flusses Apfelstädt wird seit mehr als 100 Jahren intensiv für das Bereitstellen von Trinkwasser genutzt. Zur 1906 in Betrieb gegangenen Talsperre Tambach-Dietharz kommen die beiden großen Trinkwassertalsperren Ohra und Schmalwasser hinzu. Ursprünglich im Verbund arbeitend, sind die drei Talsperren die entscheidende Wasserressource für Mittelthüringen, mit der die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) rd. 750.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt - mehr als ein Drittel der Thüringerinnen und Thüringer.

Mit dem gesunkenen Trinkwasserbedarf, die Versorger verzeichnen in den zurückliegenden drei Jahrzehnten einen Rückgang um X Prozent, kann der Bedarf derzeit allein aus der Ohra-Talsperre gedeckt werden. Die Talsperre Tambach-Dietharz versorgt regional den Gothaer Raum . Die Talsperre Schmalwasser, mit deren Bau Mitte der 1980er Jahre begonnen wurde und die Anfang der 2000er-Jahre in Betreib ging, wird aktuell nicht für die Fernwasserversorgung genutzt.

Die Talsperre ist für Thüringen als mittel- bis langfristige Trinkwasserreserve von zentraler Bedeutung. Sie dient vorübergehend einem anderen Zweck, dem Speisen der Westring-Kaskade.


Größere Karte anzeigen | Lage der drei großen Talsperren am Nordrand des Thüringer Waldes

Unterirdisches Stollensystem sichert Wasserzufluss

Neben ihren natürlichen Zu- und Abläufen sind die Talsperren untereinander durch eine Reihe von Stollen verbunden. So leitet der Haselbachstollen das südlich des Rennsteigs gelegene Einzugsgebiet des Haselbachs in die Talsperre Schmalwasser bzw. Ohra über und führt der Apfelstädt damit erhebliche zusätzliche Wassermengen zu.

Wichtig für die Apfelstädt-Frage ist zudem der Mittelwasserstollen. Er leitet das Wasser der Talsperre Schmalwasser quer durch den Berg zur Talsperre Tambach-Dietharz. Der Stollen macht es überhaupt erst möglich, dass Wasser der großen Talsperre Schmalwasser mittels der Westringkaskade zu nutzen. Denn dort, an der kleinen Talsperre Tambach-Dietharz, beginnt die Westringkaskade. Die kleinere Stauanlage sichert die Versorgung der Region Gotha mit Trinkwasser.

Wie für alle Talsperren in Thüringen, ist auch für diese beiden Talsperren eine Mindestwasserabgabe an den Unterlauf festgesetzt. Dies stellt sicher, dass in abflussschwachen Zeiten die Stauanlagen den Abfluss durch Einspeicherung nicht zusätzlich belasten.

Anheben der Flusspegel in Trockenzeiten

Es ergibt sich von selbst, dass in noch trockeneren Zeiten, in denen den Talsperren selbst noch weniger Wasser zufließt, sie eine Mindestabgabe ins Unterwasser ablassen müssen, also eine sogenannte Niedrigwasseraufhöhung stattfindet. Für die Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser war die Möglichkeit gegeben, im Rahmen eines Altrechtsfeststellungsverfahrens diese in den ehemaligen Zulassungen von vor 1990 bereits festgesetzten Mengen an die heutigen Anforderungen anzupassen.

Talsperren am Oberlauf der Apfelstädt vergrößerte Ansicht
Talsperren am Oberlauf der Apfelstädt

So wurde 2015 bzw. 2016 bei der Talsperre Schmalwasser die Mindestabgabe von 0,015 m³/s auf 0,050 m³/s erhöht – also von 15 Litern pro Sekunde auf 50 Liter pro Sekunde. An der Talsperre Tambach-Dietharz wurde im Rahmen einer mehrstufigen Abgaberegelung die Mindestabgabe von 0,030 m³/s auf 0,150 m³/s (150 Liter pro Sekunde) erhöht. Weiterhin ist bei Zuflüssen zwischen diesen 0,150 m³/s und 0,440 m³/s (entspr. MQ) der Zufluss vollständig wieder abzugeben. Erst oberhalb von Mittelwasser-Zuflüssen kann eingespeichert werden. Es liegt aber auch auf der Hand, dass die Verpflichtung zur Mindestabgabe nicht überstrapaziert und endlos in Richtung einer Niedrigwasseraufhöhung ausgedehnt werden kann.

Talsperre Wechmar als "Wasser-Umleitung" um Versinkungszone

Deutlich weiter abwärts der Apfelstädt, nicht mehr an den Hängen des Thüringer Waldes, liegt die rd. 1 Mio. Kibikmeter große Talsperre Wechmar. Unterhalb Wechmars gelegen, speist sie über einen kurzen Abschnitt des Schmallgrabens unterhalb der Versinkungszone Wasser in die Apfelstädt ein. Da ihr Wasser dort nicht mehr in den Untergrund versickert, reicht der Speicherinhalt für das Aufrechterhalten eines Pegels der Apfelstädt im FFH-Gebiet und den Ortslagen Wandersleben, Apfelstädt und Neudietendorf für 30 bis 60 Tage. Und zwar auch dann, wenn vom Oberlauf kein Wasser kommt, weil alles versinkt.
Die Talsperre Wechmar erhält ihr Wasser aus der Apfelstädt selbst. Sie hat eine Zulaufleitung, mit der sie in der Zeit der Winterhochwässer aus der Apfelstädt gefüllt wird – sie ist also eine echte „Selbsthilfe“. Für eine Niedrigwasseraufhöhung bietet sie erhebliche Vorteile. Neben der Selbstbefüllung ist sie weitgehend ohne eigene Nutzungen, die von geringen Wasserstand infolge laufender Niedrigwasseraufhöhung betroffen wären. Sie ist zudem eine Talsperre des Landes, deren Betriebskosten - mit oder ohne Nutzung - anfallen.

Zusammen mit einer weiter optimierten Talsperrenbewirtschaftung der TFW-Trinkwasser­talsperren, die mit intelligenten Steuerungsansätzen auch mit dem Bereitstellen von Trink-, Brauch- und Triebwasser flexibel mögliche Reserven für einen verbesserten Niedrigwasserabfluss ausnutzen, bietet die Talsperre Wechmar eine ausgewogene Abhilfe für die Niedrigwasserproblematik der Apfelstädt. Die Versinkungen werden nicht unterdrückt, was weder sinnvoll noch ökologisch positiv wäre. Die TFW und die Wasserbehörden arbeitet derzeit intensiv an einer solchen Optimierung.

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