Seitenbeginn . Zur Hauptnavigation . Zum Seiteninhalt

Niedrigwasser und Trockenheit am Beispiel der Apfelstädt

Viele Flüsse und Bäche sind in den letzten Jahren zeitweise trockengefallen. Da ist die Apfelstädt ein Beispiel von vielen. Dies verschärft sich dort, wo geographische und geologische Bedingungen das Trockenfallen begünstigen. Dies ist zum Beispiel bei der Apfelstädt der Fall.

Ein Fluss besteht nicht nur aus dem Wasser, das seiner Quelle entspringt. Auf seinem Weg fließen etliche Zuflüsse aus Bächen, Gräben und kleinen Wasserläufen in den Hauptarm. Man denke nur an Amazonas, Nil oder Elbe und Weser und die großen Wassermengen, die an den ‚Flussmündungen zusammenkommen. Wieviel Wasser zu welcher Zeit natürlicherweise durch einen Fluss fließt, ist also von Niederschlägen und der Wasserverfügbarkeit im ganzen Einzugsgebiet abhängig. Großen Einfluss hat zudem die Beschaffenheit des Untergrundes. In manchen Regionen bleibt Wasser an der Oberfläche, in Flüssen und Bächen, in Karstgebieten versinkt es ganz natürlich.

Die Apfelstädt speist sich aus vielen Zuflüssen (siehe Abbildung 1). Die Wassermenge hängt also nicht nur vom Zufluss aus der Quelle ab. Die Grafik zeigt sehr anschaulich, wie stark das Flusssystem durch den Menschen verändert wurde. Schon im Mittelalter entstanden der Leinakanal und der Flößgraben. Später kamen verschiedene Talsperren hinzu. Auch das Flussbett selbst wurde verlegt, beispielsweise im Ort Neudietendorf. Dies alles beeinflusst die Wasserführung.

Ein immer schwerwiegenderer Faktor kam in den vergangenen Jahren hinzu. Die Effekte des Klimawandels mit langen Trockenperioden in den letzten Sommern verschonten auch die Apfelstädt nicht.

vergrößerte Ansicht
Das Flusssystem der Apfelstädt mit einer Vielzahl an Zuflüssen (Quelle: TFW)

Häufige Fragen & Anworten

  • Das jüngste Gutachten ist irreführend. Es werden Äpfel mit Birnen verglichen: die Reduzierung des Zuflusses durch den Klimawandel und die Abgabe in die Westringkaskade. Das Wasser, das in die Westringkaskade fließt, stammt aus dem regenreichen Winterhalbjahr, während sich der Klimawandel vor allem im Sommerhalbjahr auswirkt.

    In der Konsequenz läuft die Argumentation darauf hinaus, das komplette im Winter eingespeicherte Wasser im Sommer für eine künstliche Niedrigwasseraufhöhung zu verwenden. Dafür wurden die Talsperren nicht gebaut und es gibt keinen wie auch immer gearteten Auftrag und keine Notwendigkeit, auch nicht naturschutzfachlich, für eine solche künstliche Niedrigwasseraufhöhung.

    Richtig ist: Einen Teil der künstlichen Aufhöhung, die es seit der weitgehenden Einstellung der Trinkwasserversorgung aus der Talsperre Tambach-Dietharz Anfang der 2000er-Jahre bis zur Inbetriebnahme der Westringkaskade Mitte 2020 gab, gibt es heute so nicht mehr. Denn ein Teil des Winterstauwassers wird jetzt auch für die saubere Energieversorgung genutzt.

    Die Ableitung des Gutachtens, dass die Ursache des verstärkten Trockenfallens in den Jahren 2018 bis 2020 nicht der Klimawandel war, ist falsch - weil die Apfelstädt, die schon immer geologisch bedingte Trockenphasen kannte, sehr wohl auf die Klimaveränderungen reagiert und ohne Talsperre (samt Westringkaskade) in den Trockenphasen nicht besser dastünde, sondern schlechter.  Kein Tropfen wird in Trockenphasen der fließenden Welle entzogen. Es fließt in den trockenen Monaten nicht weniger Wasser aus der Talsperre in die Apfelstädt, als in die Talsperre hineinfließt. Dank der im Wasserrecht festgelegten Mindestwasserabgabe ist es bei besonderer Trockenheit sogar mehr.

  • Zum einen fließt die Apfelstädt durch ein Gebiet, in dem stark zerklüftetes Festgestein des Oberen Muschelkalks von der Tiefe bis unmittelbar in das Flussbett ansteht. Der Muschelkalk ist durstig. Das war früher nicht anders. Schon 2003 gab es eine Medieninformation des damaligen Umweltministers Sklenar: Wegen Trockenfallens aufgrund von Dürre und geologisch bedingten Versinkungsstellen war das Abpumpen von Wasser verboten. Ein jahrzehntealtes Problem.

    Zum zweiten macht auch die Klimakrise unseren Gewässern zu schaffen, Seen trocknen aus, Flüsse und Bäche fallen trocken und das Grundwasser sinkt ab. Das ist eine Belastung für unsere Wälder und unsere Landwirtschaft. Mit unseren Talsperren sind wir gut gerüstet für die Trinkwasserversorgung – die ist auch die zentrale Aufgabe der Talsperren, die mit dem Aufstau des Wassers in der niederschlagsreichen Jahreszeit für trockenen Zeiten vorsorgen können und Trinkwasser bevorraten.

    Wie sich Trockenheit auf Flora und Fauna in der Apfelstädt auswirkt, ist schon viele Male beleuchtet worden. Es gibt zum Beispiel eine Schriftenreihe zum „Naturschutz im Landkreis Gotha“, die sich schon 2006 mit einem Kapitel zur Flussdynamik der Apfelstädt widmete (siehe Nr. B 1). Auch dort kann man nachlesen, dass das Flussbett in sommerlichen Trockenperioden streckenweise austrocknen kann. In der Schriftreihe wurde schon vor 15 Jahren sinngemäß festgestellt: Die geologischen Bedingungen und Schwankungen im Wasserstand machen die Apfelstädt und ihre Anpassungsfähigkeit so besonders.“ Genau deshalb ist sie als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet der EU gemeldet.

  • Besondere Lebensräume entstehen unter besonderen Umweltbedingungen. Nicht anders ist es bei dem FFH-Gebiet „Apfelstädtaue zwischen Wechmar und Neudietendorf“. Die besondere Situation aus sommerlichem Trockenfallen und ergiebigen winterlichen Hochwässern aus dem Thüringer Wald haben ein sich selbst regelndes Geotop und einzigartiges Ökosystem geschaffen, dass mit einem äußerst hohen Strukturreichtum immer wieder neue Lebensräume eröffnet.

    Die heimischen, standortangepassten Fischarten können damit seit Jahrhunderten umgehen. Sie sind es gewohnt, sich in wasserführende Gewässerabschnitte zurückzuziehen. Sehr wichtig ist für sie ein strukturreiches Gewässer mit genügend Rückzugsmöglichkeiten. Bei natürlichen Trockenperioden bilden sich im naturbelassenen Flussbett sogenannte „Kolke“, die den Wasserlebewesen das Überleben sichern.

    Im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist das Land verpflichtet, an der Apfelstädt den sogenannten „guten Zustand“ zu erreichen. Messwert für diesen Zustand ist eine möglichst naturnahe Gewässerbiozönose (Fische, Kleinlebewesen, Wasserpflanzen). Bis auf geringe Defizite bei der Fischpopulation (die auf dem Sprung von „mäßig“ zu „gut“ ist), ist der „gute Zustand in den beiden Oberflächenwasserkörpern „Apfelstädt-Ohra“ und „Untere Apfelstädt“ erreicht.

    Es verbleiben noch einige Maßnahmen an der Apfelstädt zum Umbau von Querbauwerken, um diese fischdurchlässig zu machen. Diese sollen so schnell als möglich vordringlich umgesetzt werden. Weitere Maßnahmen, etwa zur natürlichen Gewässerentwicklung sind an der Apfelstädt nicht nötig. Dann steht dem Erreichen des „guten Zustands“ nichts mehr im Wege.

    Trotzdem: Es bleibt ein Gewässerlebensraum und der braucht auch Wasser. Deshalb garantiert ja die festgelegte Mindestwasserabgabe aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser, dass trotz der Einflüsse der Talsperren auch im Sommer noch mindestens so viel Wasser durch das Flussbett fließt, wie es natürlicherweise auch der Fall wäre. Darüber hinaus ist es durch kluges Talsperrenmanagement sogar möglich, dass in klimabedingt besonders trockenen Zeiten, aus den gespeicherten „Winterhochwässern“ mehr Wasser abgegeben wird, als die Quellen allein schütten (s. nächste Frage). Dies wird auch eine Grundlage des künftigen Managements des FFH-Gebietes 55 „Apfelstädtaue zwischen Wechmar und Neudietendorf“ sein.

  • Talsperren sichern die Trinkwasserversorgung der gesamten Region, das ist ihre wichtigste Aufgabe. Viele Bürgerinnen und Bürger freuen sich über das „weiche“, wenig kalkhaltige Wasser aus den Talsperren. Wasser aus dem Muschelkalk außerhalb des Thüringer Waldes ist enthält sehr viel mehr Kalk.

    Zu diesen wichtigen Talsperren gehört auch die Ohratalsperre, die ein Teil des Systems der Apfelstädt ist. Die Versorgung mit Trinkwasser aus diesem Reservoir wird weiter ausgebaut. Das kühle Nass fließt über die sogenannte „Westringkaskade“, die Wasser aus der Talsperre Schmalwasser Richtung Erfurt leitet. Diese Leitung mit zwei Strängen existiert bereits seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Auch heute noch wird eine der beiden Leitungen für Trinkwasser verwendet. Die zweite wird seit 2020 wieder genutzt (siehe Nr. B 4).

    Talsperrensysteme sind komplex. Im Winter, wenn es mehr regnet, wird das Wasser in den Talsperren angestaut. Das ist zu diesem Zeitpunkt am Unterlauf nicht zu spüren, weil insgesamt genug Wasser vorhanden ist. Im Sommer, wenn den beiden Talsperren wenig Wasser zufließt, sind diese verpflichtet, mehr Wasser in den Unterlauf abzugeben, als ihnen zu diesem Zeitpunkt zufließt. Gleichzeitig wird die Westringkaskade mit dem Wasser betrieben, was in den ergiebigen Winterzuflüssen angestaut wurde: Kein Wassertropfen des knappen „Sommerwassers“ wird hierfür benutzt oder umgeleitet.

    Die Talsperre Wechmar bietet eine Möglichkeit, die Apfelstädt bei extremen Niedrigwasser zusätzlich mit Wasser zu versorgen. Die landeseigene Talsperre wurde zur landwirtschaftlichen Bewässerung errichtet, wird aber dafür nicht mehr genutzt. Sie stünde schon in diesem Jahr zur Verfügung und ihr Wasser reicht für ein bis zwei Monate Niedrigwasseraufhöhnung. Die Talsperre wird währenddessen weiter saniert, die Kosten dafür sind bereits eingeplant.

Näher beleuchtet: Details

  • Zwischen Hohenkirchen und Schwabhausen hat sich die Apfelstädt im Laufe erdgeschichtlicher Zeiträume tief eingeschnitten und die (sonst sehr weit im Untergrund liegenden) stark zerklüfteten und damit sehr wasserwegsamen Festgesteine des Oberen Muschelkalks erreicht. Weiter flussabwärts zwischen Schwabhausen und Wechmar liegt weiterhin die Gothaer-Arnstädter-Saalfelder Störungszone, die mit ihren tektonischen Verwerfungen die Gesteine des Untergrunds intensiv aufgebrochen und zahlreiche weitere Wasserwegsamkeiten geschaffen hat.

    Zusätzlich zu diesem geologischen Anschluss an den großräumigen Grundwasserleiter „Muschelkalk“ (dessen Ausdehnung bis Erfurt und das Wasserwerk Möbisburg reicht) ist das Flussbett in diesem Laufabschnitt ab der Ohra-Einmündung bis hinter Wechmar von extrem wasserwegsamen Kies- und Schotterablagerungen gekennzeichnet.

    Bei sommerlich ohnehin niedrigen Abflüssen und einem höchst aufnahmefähigen (riesigen) Grundwasserspeicher versickert ein großer Teil – oder auch das gesamte Wasser - durch die Kies- und Schotterbänke des Flussbettes ungehindert in den höchst aufnahmefähigen Muschelkalkuntergrund oder aber fließ (unsichtbar) im Schotterkörper flussabwärts.

    Dieses Phänomen wird „Bachschwinde“ genannt und ist somit ein ganz natürlicher Vorgang. Das Zusammenspiel von Erosion und Umlagerungen des Flussbettes infolge der hohen Fließkräfte der Apfelstädt sowie dieser geologischen Situation hat nicht nur ein besonderes Geotop geschaffen (Schriftenreihe Landkreis Gotha „Naturschutz im Landkreis Gotha“, Heft 3, „Geologische Naturdenkmale und ausgewählte Geotope“, Seite 93), sondern auch einen besonderen Naturlebensraum. So ist die Apfelstädtaue unterhalb Wechmars als FFH-Gebiet ausgewiesen.

    Es bleibt festzuhalten:

    • die stark variierenden jahreszeitlichen Abflussunterschiede haben das besondere Geotop und den besonderen Lebensraum „Apfelstädt“ erst geschaffen – sie müssen auch zukünftig zum Erhalt (in verträglichem Ausmaß) weiterwirken können;
    • die „Bachschwinde“ macht die Einzigartigkeit und besonderen Wert des Geotops (und Lebensraums) „Apfelstädt“ aus – sie ganz zum Verschwinden bringen, kann nicht Ziel einer naturgerechten Abflussteuerung sein und würde das Geotop letztlich zerstören.

    Auch andernorts gibt es solche „Bachschwinden“. Das bekannteste Beispiel ist die Donauversinkung ganz im Süden Deutschlands. Die Donau fällt hier seit jeher regelmäßig an rd. 155 Tagen im Jahr komplett trocken, bei einem Rekord von 309 Tagen im Jahr 1921.

  • Manchmal hilft ein Blick zurück, um …

    … eine Problemstellung besser einordnen zu können – das Trockenfallen gibt es schon länger:

    So zeigen die langjährigen amtlichen Messungen am Abflusspegel Ingersleben, dass es auch in früheren Zeiten ein Trockenfallen der Apfelstädt gab. So wurden in den Jahren 1976, 1998, 2014, 2019, 2020 jeweils an einem oder mehreren Tagen hier keinerlei Abfluss gemessen.

    Die Zahlen verdeutlichen auch, dass das Trockenfallen immer häufiger zu verzeichnen ist. Aber, sie belegen auch, dass dies nicht mit der Westring-Kaskade zu tun haben kann. Die war 1976, 1998, 2014 und 2019 nämlich noch gar nicht in Betrieb.

    … zu verstehen, dass der „Westring“ schon sehr lange besteht:

    Das als „Westringkaskade“ bezeichnete Projekt nutzt die als Trinkwassertalsperre in den 1980er-Jahren begonnene Trinkwassertalsperre Schmalwasser und einen Strang der - in Teilen - bereits aus den 1960er-Jahren stammenden Fernwasserdoppelleitung „Westring“. Die Genehmigung zur Wasserentnahme aus der Talsperre Schmalwasser und Ableitung über den Westring stammt aus dem Jahre 1983. Was also hat es auf sich mit der neuen „Westringkaskade“? Es wurden zwei Wasserkraftanlagen in diese Rohrleitung eingebaut. Statt im Trinkwassernetz der Landeshauptstadt endet ein Strang des „Westrings“ (nach Wasserkraftnutzung) im nördlichen Erfurter Stadtgebiet in der Gera. Mit Blick auf die Auswirkungen auf die Apfelstädt also - „ein alter Hut“!

    … ein wirklicher Wasserentzug an der Apfelstädt weit in die Historie zurückreicht:

    Dem Grunde nach begann dieser tatsächliche Wasserentzug bereits im Mittelalter mit dem Bau des Leinakanals, spätestens jedoch drei Jahrhunderte später mit seiner Verlängerung um den Flößgraben, der in Georgental seit etwa 1653 Wasser aus der Apfelstädt abzweigt und es ins Stadtgebiet Gotha transportiert.

    Das ist bis heute so. Am sogenannten Teilerwehr in Georgental wird seit fast 370 Jahren aus der Apfelstädt ständig eine nicht unbedeutende Wassermenge abgezweigt. Bei niedrigen Abflüssen (kleiner 0,800 m³/s) erfolgt heute eine hälftige Aufteilung (50/50) der ankommenden Wassermenge zwischen Apfelstädt und Flößgraben. Bei höheren Abflüssen werden ständig 0,400 m³/s in den Flößgraben übergeleitet. Zur Einordnung: Das mittlere Niedrigwasser der Apfelstädt am Pegel Ingersleben beträgt rd. 0,2 m³/s bei einem Fließtiefe von knapp 20 cm – also lediglich die Hälfe der abgezweigten Wassermenge.

  • Das FFH-Gebiet „Apfelstädtaue zwischen Wechmar und Neudietendorf“ (DE 5030-302, Thür. Nr. 55) mit dem Lebensraumtyp „Fließgewässer mit flutender Wasservegetation“ sowie der Westgroppe ist eng mit der Abflusssituation im Gewässer verbunden.

    Beide - Lebensraumtyp sowie das Vorkommen der Westgroppe - sind über die ThürNATURA2000ErHZVO rechtlich gesichert und es besteht die rechtsverbindliche Maßgabe ihren günstigen Erhaltungszustand im Gebiet zu sichern. Im FFH-Managementplan sind die dafür erforderlichen Maßnahmen sowie Maßnahmen, um eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes zu vermeiden, festgelegt. Grundlage dafür bildete der ermittelte Erhaltungszustand.

    Der Lebensraumtyp „Fließgewässer mit flutender Wasservegetation“ (LRT Code 3260) wurde in der Apfelstädt mit einer Gesamtgröße von 8,924 ha nachgewiesen. Der Erhaltungszustand ist insgesamt günstig. Durch die Nutzung des in den Talsperren gesammelten Wassers kommt insgesamt weniger Wasser zum Abfluss, auf der anderen Seite vergleichmäßigen sich die Abflussverhältnisse. Es kommt sowohl zu einer Kappung von Hochwasserspitzen als auch zu höheren Niedrigwasserabflüssen infolge der Mindestabgaben der Talsperren. Die Intensität dieser Beeinträchtigung wurde unter den 2018/2019 vorliegenden Verhältnissen als mittelmäßig (b) bewertet.

    Die Westgroppe wurde innerhalb des Gebietes an zwei Stellen nachgewiesen (Wechmar und an der Bahnbrücke zwischen Apfelstädt und Neudietendorf). Sowohl die geringe Populationsgröße als auch die Stärke der Beeinträchtigungen führen zu einem ungünstigen Erhaltungszustand. Als signifikante Beeinträchtigungen werden die mangelnde Durchgängigkeit aufgrund von Querbauwerken und die sommerliche Niedrigwasserführung aufgeführt. Raubfische (u.a. Forellen) gelten allgemein ebenfalls als signifikante Beeinträchtigung für die Populationen der Groppe. Möglicherweise hat das sommerliche Trockenfallen der Apfelstädt vor diesem Hintergrund sogar positive Auswirkungen auf den Bestand der Groppe.

    Der Managementplan enthält keine konkreten Werte zur Mindesthöhe des Wasserstandes bzw. der notwendigen Wasserführung. Natürliche (temporäre) Niedrigwasserstände liegen mit einer hohen Kontinuität vor, sodass sich die typischen Lebensgemeinschaften daran angepasst haben und nicht beeinträchtigt werden. Eine übermäßige künstliche Niedrigwasseraufhöhung könnte sich daher negativ auf die an Sommertrockenheit angepassten Lebensgemeinschaften auswirken.

    Im Ergebnis der Managementplanung bedarf es in Bezug auf den LRT 3260 eines Erhalts des landschaftlich notwendigen Mindestabflusses und somit des limnischen Ökosystems der Apfelstädt. Neben den Maßnahmen zur Herstellung eines durchgängigen Fließgewässersystems und vor allem den geplanten Maßnahmen zur Strukturanreicherung und Förderung der Eigendynamik kommt die Gewährleistung der sommerlichen Mindestwasserabgabe der Talsperren im Oberlauf auch der Groppe zu Gute. Wichtig sind auch weiterhin Hochwässer, die zu einer regelmäßigen Durchspülung und somit Befreiung des Kiesbettes von Schlamm und Feinsedimenten führen.

  • Woher haben sie ihr Wasser? Welchem Zweck dienen sie? Welchen Beitrag leisten sie zur Stützung des sommerlichen Niedrigwasserabflusses?

    Das obere Einzugsgebiet des Fließgewässers Apfelstädt wird seit mehr als 100 Jahren intensiv für die Bereitstellung von Trinkwasser genutzt. Angefangen von der 1906 in Betrieb gegangenen Talsperre Tambach-Dietharz sind hier die beiden großen Trinkwassertalsperren Ohra und Schmalwasser zu nennen. Ursprünglich im Verbund arbeitend, sind diese drei Talsperren die entscheidende Wasserressource für Mittelthüringen, mit der die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) rd. 750.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt. 

    Mit dem Rückgang des Trinkwasserbedarfs in den zurückliegenden Jahrzehnten kann der Bedarf z. Zt. allein aus der Talsperre Ohra gedeckt werden, während die Talsperre Tambach-Dietharz weiterhin regional im Gothaer Raum versorgt. Die Talsperre Schmalwasser, mit deren Bau Mitte der 1980er Jahre begonnen wurde und die Anfang der 2000er-Jahre fertiggestellt wurde, wird aktuell nicht für die Fernwasserversorgung genutzt. Die Talsperre ist für den Freistaat als mittel- bis langfristige Trinkwasserreserve von zentraler Bedeutung. Sie dient vorübergehend einem anderen Zweck, dem der Westring-Kaskade.

    Neben ihren natürlichen Zu- und Abläufen sind die Talsperren untereinander durch eine Reihe von Stollen miteinander verbunden. So leitet der Haselbachstollen das südlich des Rennsteigs gelegene Einzugsgebiet des Haselbachs in die Talsperre Schmalwasser bzw. Ohra über und führt der Apfelstädt somit erhebliche zusätzliche Wassermengen zu.

    Wichtig für die Apfelstädt-Frage ist zudem der Mittelwasserstollen. Er leitet das Wasser der Talsperre Schmalwasser quer durch den Berg zur Talsperre Tambach-Dietharz. Der Stollen macht es überhaupt erst möglich, dass Wasser der großen Talsperre Schmalwasser mittels der Westringkaskade zu nutzen, denn diese beginnt an der (kleinen) Talsperre Tambach-Dietharz. Diese ist damit ausgelastet, die Gothaer Region mit Wasser zu versorgen.

    Wie alle Talsperren in Thüringen ist auch für diese Talsperren Mindestwasserabgabe an den Unterlauf festgesetzt. Dies stellt sicher, dass in abflussschwachen Zeiten die Stauanlagen den Abfluss durch Einspeicherung nicht noch zusätzlich belasten. Es ergibt sich von selbst, dass in noch trockeneren Zeiten, in denen den Talsperren selbst noch weniger zufließt, als sie als Mindestabgabe ins Unterwasser ablassen müssen, eine Niedrigwasseraufhöhung sattfindet. Für die Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser war die Möglichkeit gegeben, im Rahmen eines Altrechtsfeststellungsverfahrens diese in den ehemaligen Zulassungen von vor 1990 bereits festgesetzten Mengen an die heutigen Anforderungen anzupassen. So wurde 2015 bzw. 2016 bei der Talsperre Schmalwasser die Mindestabgabe von 0,015 m³/s auf 0,050 m³/s erhöht. An der Talsperre Tambach-Dietharz wurde im Rahmen einer mehrstufigen Abgaberegelung die Mindestabgabe von 0,030 m³/s auf 0,150 m³/s erhöht. Weiterhin ist bei Zuflüssen zwischen diesen 0,150 m³/s und 0,440 m³/s (entspr. MQ) der Zufluss vollständig wieder abzugeben. Erst oberhalb von Mittelwasser-Zuflüssen kann eingespeichert werden. Es liegt aber auch auf der Hand, dass die Verpflichtung zur Mindestabgabe nicht überstrapaziert und endlos in Richtung einer Niedrigwasseraufhöhung ausgedehnt werden kann.

    Deutlich weiter abwärts der Apfelstädt, nicht mehr an den Hängen des Thüringer Waldes muss noch die rd. 1 Mio. m³ große Talsperre Wechmar erwähnt werden. Unterhalb Wechmars gelegen speist sie über einen kurzen Abschnitt des Schmallgrabens unterhalb der Versinkungszone (siehe Nr. B 1) Wasser in die Apfelstädt ein. Da ihr Wasser nicht mehr einfach in den Untergrund versichert, reicht der Speicherinhalt für die Aufrechterhaltung einer Wasserführung der Apfelstädt im FFH-Gebiet und den Ortslagen Wandersleben, Apfelstädt und Neudietendorf für 30 bis 60 Tage, auch wenn vom Oberlauf kein Wasser kommt, weil alles versinkt. Die Talsperre Wechmar erhält ihr Wasser aus der Apfelstädt selbst. Sie hat eine Zulaufleitung, mit der sie in der Zeit der Winterhochwässer aus der Apfelstädt gefüllt wird – sie ist also so gesehen eine echte „Selbsthilfe“. Für eine Niedrigwasseraufhöhung bietet sie ganz erhebliche Vorteile. Neben der Selbstbefüllung ist sie weitgehend ohne eigene Nutzungen, die von geringen Wasserstand infolge laufender Niedrigwasseraufhöhung betroffen wären (man stelle sich den Aufschrei des Tourismus und der betroffenen Gemeinden vor, wenn die Talsperre Tambach-Dietharz oder Schmalwasser einen „traurig-leeren Anblick“ zeigen sollten). Und sie ist eine Talsperre des Landes, deren Betriebskosten – mit oder ohne Nutzung - anfallen und so sehr sinnvoll ausgegebenes Geld darstellen.

    Zusammen mit einer weiter optimierten Talsperrenbewirtschaftung der TFW-Trinkwasser­talsperren, die mit intelligenten Steuerungsansätze trotz Bereitstellung von Trink-, Brauch- und Triebwasser flexibel sich auftuende Reserven für eine verbesserte Niedrigwasserabfluss auszunutzen, bietet die Talsperre Wechmar eine ausgewogene Abhilfe für die Niedrigwasserproblematik der Apfelstädt - ohne die Versinkungen ganz zu unterdrücken, was weder sinnvoll noch ökologisch positiv wäre. Die TFW und die Wasserbehörden arbeitet derzeit intensiv an einer solchen Optimierung.

Die Befassungen des Thüringer Landtags

zur Frage der Niedrigwasserproblematik der Apfelstädt

Auch der Thüringer Landtag, seine Ausschüsse und Abgeordneten beschäftigt das Thema des sommerlichen Niedrigwassers an der Apfelstädt.

Die Plenums- und Ausschussbefassungen geben einen guten Überblick über den Stand der landespolitischen Diskussion zu diesem Thema. Näheres hierzu unter:

Zahlreiche Einzel- und Detailfragen, auch zum „Großen Ganzen“ der Niedrigwasserfrage, bewegen die Abgeordneten. Es wurden zahlreiche Parlamentarische Anfragen an die Landesregierung gerichtet. Aus der Beantwortung ergibt sich viel Wissenswertes. Hier eine Auswahl:

Kleine AnfrageVerweis zur Parlamentsdokumentation
Kleine Anfrage 6/3999 - Jörg Kellner (CDU)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/38538
Kleine Anfrage 6/4000 - Jörg Kellner (CDU)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/38539
Kleine Anfrage 7/279 - Jörg Kellner (CDU)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/40369
Kleine Anfrage 7/1209 – Jörg Kellner (CDU)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/41998
Kleine Anfrage 7/1210 – Jörg Kellner (CDU)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/41999
Kleine Anfrage 7/1498 – Dr. Ute Bergner (FDP)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/42580
Kleine Anfrage 7/1801 – Dr. Ute Bergner (FDP)http://www.parldok.thueringen.de/ParlDok/vorgang/43154
Plenarbefassung „Ausbau der Westringkaskade zur ökologischen Stromerzeugung
darf nicht zur Schädigung der ökologisch wertvollen Apfelstädtaue führen“
https://parldok.thueringer-landtag.de/ParlDok/vorgang/42266
Kleine Anfrage 7/2340 „FFH-Gebiet 55 "Apfelstädtaue zwischen Wechmar und Neudietendorf" (DE 5030-302), Fischgewässertypen“https://parldok.thueringer-landtag.de/ParlDok/vorgaenge/82763/kriterien/1
Kleine Anfrage 7/1819 „Wasserrechtliche Belange bezüglich der Talsperren Schmalwasser und Tambach-Dietharz“https://parldok.thueringer-landtag.de/ParlDok/vorgaenge/80456/kriterien/1
Kleine Anfrage 7/2415 „Berücksichtigung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) beim Bau der Westringkaskade“https://parldok.thueringer-landtag.de/ParlDok/vorgang/44293
Kleine Anfrage 7/2382 „Trink- und Brauchwasserversorgung aus den Talsperren Tambach-Dietharz und Schmalwasser“https://parldok.thueringer-landtag.de/ParlDok/vorgaenge/82959/kriterien/1

Überdies befasst sich der Petitionsausschuss des Thüringer Landtags aktuell mit der Frage des Niedrigwassers an der Apfelstädt. Die künftigen Ausschussprotokolle dazu werden in der Parlamentsdokumentation verfügbar sein.

Das Thüringer Umweltministerium in den sozialen Netzwerken: