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Klimakrise in Thüringen

Das Jahr 2020 in Thüringen war mit 9,85 Grad Celsius das zweitwärmste Jahr seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. In den letzten sieben Jahren seit 2014 erlebten die Thüringer*innen die fünf wärmsten Jahre seit 1881. Damit einher gehen häufigere Trockenphasen. Die Klimakrise ist da und trifft uns in nahezu allen Lebensbereichen, insbesondere die Wasserwirtschaft braucht neue Strategien.

Mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018. Die Farbskala reciht von 6,6 Grad (1940) bis 10,8 Grad (2018). (Quelle: Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center)

Steigende Jahresmitteltemperaturen

Dem zunächst allmählichen Anstieg bis in die 1990er Jahre folgt ein deutlicher und beschleunigter Anstieg in den vergangenen 30 Jahren (siehe Abbildung). Das Jahr 2020 war um 2,23 Grad wärmer als die Mitteltemperatur der 30-jährigen Referenzperiode (7,62°C) für langfristigen Klimawandel 1961-1990. Nur 2018 war es noch 0,06 Grad wärmer. Mit dem Jahr 2020 steht eine neue 30-jährige Klimaperiode, von 1991-2020, zur Verfügung. Der Jahresmittelwert stieg in diesen 30 Jahren von 7,62 Grad Celsius der Referenzperiode bereits um 1,09 Grad auf 8,71 Grad Celsius. Verglichen mit dem vorindustriellen Temperaturniveau der Periode 1881-1910, das in Thüringen 7,16 Grad Celsius beträgt, war es in den letzten 30 Jahren bereits um 1,55 Grad zu warm.

Allein 28 der letzten 30 Jahre waren wärmer als der Vergleichswert von 1961-1990. 2020 war erst das vierte Jahr überhaupt und das dritte Jahr in Folge, in dem die Abweichung über der 2-Grad-Marke lag. Auch beim Sonnenschein war das Jahr 2020 ganz vorn dabei, es bescherte den Thüringern 1.838 Sonnenstunden. Damit steht das Jahr auf Platz 5 der sonnenscheinreichsten Jahre in Thüringen seit Messbeginn im Jahr 1951. Gleichzeitig war 2020 das dritte zu sonnenscheinreiche Jahr in Folge und die Dekade 2011-2020 die sonnenscheinreichste bisher. Acht der vergangenen zehn Jahre weisen gegenüber der Referenzperiode eine positive Abweichung auf.

Diagramm: Jahresmitteltemperatur in Thüringen; Flächenmittel 1881 - 2020 vergrößerte Ansicht
Jahresmitteltemperatur in Thüringen; Flächenmittel 1881 - 2020 (Quelle: TLUBN)

Mehr "Heiße Tage"

Ein weiteres Indiz für den fortschreitenden Klimawandel ist die Entwicklung der heißen Tage. Der grafische Verlauf für die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist eindeutig: Die Anzahl der Heißen Tage mit Tageshöchsttemperaturen von über 30 Grad Celsius für Thüringen wächst. Vergleicht man die letzten 30 Jahre (1991-2020) der aktuellen Klimaperiode mit der Referenzperiode 1961-1990, ist ein Anstieg um 4,5 Tage bereits jetzt festzustellen.

Diagramm: Anzahl der Heißen Tage  im Flächenmittel für Thüringen vergrößerte Ansicht
Anzahl der Heißen Tage im Flächenmittel für Thüringen von 1951 bis 2020 (Quelle: TLUBN)

Niederschläge? Vor allem in der vegetationslosen Zeit

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob in Thüringen nur geringfügige Veränderungen beim Niederschlag zu verzeichnen sind. Tatsächlich ist die Wassermenge, also die Summe aller Niederschläge, in etwa gleich geblieben. Sie steigt sogar leicht an.

Und so paradox es klingt, das sorgt dennoch für enorme Probleme. Denn die Niederschläge fallen zunehmend in den vegetationslosen Monaten und vor allem fallen sie vermehrt als Starkniederschläge. Das bedeutet, dass den Pflanzen in der Vegetationsperiode weniger Wasser zur Verfügung steht, dass die Böden flächendeckend austrocknen und weniger Grundwasser neu gebildet wird. Starkniederschläge können zusätzlich für die Gefahr von Hochwasser sorgen. Diese Extremereignissen sind nicht zu verhindern. Aber wir können ihre Auswirkungen abmildern und müssen uns in unserem Handeln darauf einstellen.

Diagramm: Jahresniederschlag 1881 - 2020 in Thüringen
Jahresniederschlag 1881 - 2020 in Thüringen (Quelle: TLUBN)

Historisch niedrige Grundwasserstände

Die vergangenen drei extremen Jahre 2018, 2019 und 2020 haben nicht nur sichtbare Auswirkungen auf unsere Gewässer, Wälder und Landschaften gehabt. Auch im Grundwasser haben wir deutliche Veränderungen beobachtet. In weiten Teilen Thüringens, insbesondere im Thüringer Becken, wurden in den Jahren 2018-2020 sehr niedrige Grundwasserstände gemessen, zum Teil die niedrigsten die wir jemals beobachtet haben. Die Ursache dafür ist die geringe, zum Teil ausbleibende Grundwasserneubildung.

Die Abbildung unten zeigt die Grundwasserneubildung für das Jahr 2018 – also der Anteil des Niederschlags der durch Versickerung im Boden unsere Grundwasserressourcen erneuert. Im Verlauf des Jahres 2018 – hier monatlich dargestellt – hat es über lange Zeit nur sehr geringe bis gar keine Grundwasserneubildung gegeben. Erst Ende 2018 hat sich, insbesondere in den Mittelgebirgsregionen, die Lage etwas verbessert. Die Defizite der vergangenen Jahre sind noch nicht wieder aufgeholt.

Grafische Übersicht: Grundwasserneubildung in Thüringen im Jahr 2018
Grafische Übersicht: Grundwasserneubildung in Thüringen im Jahr 2018

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