Wasserstoff-Modellregion Schwarzatal

Ein Zug mit Wasserstoff-Antrieb im Bahnhof Katzhütte

Für das Erreichen der im Klimaschutzplan 2050 festgesetzten Ziele kommt dem Verkehrssektor eine hohe Bedeutung zu: Deutschlandweit fallen circa 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Verkehrssektor an. Dies geht vor allem auf einen steigenden Pkw-Bestand und die steigende Anzahl der zurückgelegten Personenkilometer zurück. Aktuelle Studien belegen, dass bereits bei dem derzeitigen Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix die Elektromobilität einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Hier kommt innovativen Verkehrsträgern und Mobilitätssystemen mit Wasserstoff-/Brennstoffzellenantrieben (H2BZ) hohe Bedeutung zu, um unter Verwendung regenerativ erzeugten „grünen“ Wasserstoffs (H2) den Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge an der gesamten Fahrzeugflotte zu erhöhen. Als Flächenland ist der Freistaat Thüringen besonders von den mit dem demografischen Wandel einhergehenden Veränderungen betroffen. Eine alternde Bevölkerung sowie Abwanderungsprozesse stellen hohe Herausforderungen an ländliche Räume, so zum Beispiel im Hinblick auf die Aufrechterhaltung von Leistungen der Daseinsvorsorge. Während auf der einen Seite die Beförderungszahlen des regionalen ÖPNV sinken, nehmen die Mobilitätsbedarfe im Rahmen der Daseinsgrundversorgung zu.

Karte der Modellregion größere Ansicht verfügbar
Die Modellregion rund um das Schwarzatal. (© OpenStreetMap)

Vor diesem Hintergrund und den Zielen des Klimaschutzplanes will Thüringen die strategische Weiterentwicklung der Region Schwarzatal zu einer Wasserstoff-Modellregion für innovative Mobilitätstechnologie anschieben. Begleitet wird dieser Transformationsprozess von einem interdisziplinären Konsortium aus Wissenschaftlern der Fachhochschule Erfurt, der Bauhaus-Universität Weimar, des Institutes für kommunale Planung und Entwicklung sowie des Institutes Stadt-Mobilität-Energie (ISME, Erfurt / Stuttgart).

Strategie

Aufbauend auf den Ergebnissen und Impulsen des IBA-Projektes „Bahnhof Rottenbach“ und des Pilotbetriebes eines Brennstoffzellenzuges auf der Strecke Rottenbach – Katzhütte soll die gesamte Region Schwarzatal zum Vorzeigemodell im Bereich Wasserstoff avancieren.

Ein erfolgreicher Ausbau zur Wasserstoff-Modellregion setzt zunächst die Implementierung bedarfsgerechter H2-Infrastruktur voraus, sowie die Kopplung von regenerativ erzeugtem H2 mit den H2-Bedarfen in der Region (Sektorenkopplung). Insbesondere Nutzfahrzeuge, Fahrzeuge im Betrieb des ÖV (Schiene / Bus) sowie PKW im Flotteneinsatz / Carsharing bieten ein hohes Potential zur Förderung der klimapolitischen Ziele. Zudem bietet sich die Nutzung von Wasserstoff-Technologien im Bereich der Gebäudeenergie an. Im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen besitzen Brennstoffzellen einen signifikant höheren Wirkungsgrad. Wenngleich Brennstoffzellen-Heizungen seit ihrer Markteinführung noch in verhältnismäßig geringem Umfang zur Anwendung kommen, werden bereits Anreize geschaffen, diese Technologie zur Wärme- und Stromversorgung von Wohn- und Nichtwohngebäuden zu verwenden.

Die disziplinenübergreifende Aufgabe wird in einem ganzheitlichen Ansatz verfolgt und erarbeitet. Dabei werden detailliert die vier nachfolgenden Anwendungsfälle untersucht:

  • H2-Erzeugung aus erneuerbaren Energien und regionale Wertschöpfungspotenziale
  • H2-Schienenpersonenverkehr
  • H2-Pkw als Teil der kommunalen Flotte sowie im H2 Carsharing
  • H2 im nicht-schienengebundenen ÖPNV (Busverkehr)
  • H2 im Gebäudebereich (Energie- und Wärmeversorgung)

Die neun Gemeinden entlang der Modellstrecke (Rottenbach, Köditzberg, Bechstedt-Trippstein, Schwarzburg, Sitzendorf-Unterweißbach, Obstfelderschmiede, Mellenbach-Glasbach, Meuselbach-Schwarzmühle und Katzhütte) sollen durch Signal- und Vorbildwirkung die nachhaltige Mobilität der gesamten Region fördern. Dieser Ansatz wird dadurch unterstützt, dass das Schwarzatal ebenfalls IBA-Projekt ist und hier insbesondere die Weiterentwicklung als touristische Destination sowie die Bewahrung der Altbausubstanz im Vordergrund stehen. Die sektorenübergreifenden konzeptionellen Untersuchungen erstrecken sich nicht ausschließlich auf ein Untersuchungsgebiet entlang der Schwarzatalbahn:

  • Stadt Königsee
  • Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal
  • Bechstedt-Trippstein
  • Schwarzburg (Bahnhofsgebäude von 1900, touristische Attraktion)
  • Sitzendorf-Unterweißbach
  • Obstfelderschmiede
  • Mellenbach-Glasbach
  • Meuselbach-Schwarzmühle
  • Katzhütte

Bürgerbeteiligung

Im Rahmen der Bearbeitung werden „Vorschläge für eine zielgruppen- und beteiligungsbezogene Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zur Begleitung des Transformationsprozesses auf dem Weg zur sektorenübergreifenden Anwendung von H2 im Untersuchungsraum“ erarbeitet (Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz 2020). In diesem Zusammenhang werden Workshops und Zukunftswerkstätten vor Ort durchgeführt, um die lokale Expertise aller Akteure einzuholen. Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie Interesse an einer Mitarbeit haben! Gern beziehen wir Sie in Prozesse ein und freuen uns auf Ihre Ideen.

Kontakt

Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz
Referat 36 - Nachhaltige Mobilität (Herr Kallenbach)
Beethovenstraße 3
99096 Erfurt

Tel. +49 361 57391-1360
E-Mail: poststelle@tmuen.thueringen.de

Projektmanagement:

Institut Stadt|Mobilität|Energie (ISME) GmbH
Manfred Schmid
Rotenwaldstraße 18
70197 Stuttgart
E-Mail: erfurt@i-sme.de

Gesamtprojektleitung:

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rid
FG Stadt- und Regionalökonomie
Fachhochschule Erfurt
Schlüterstraße 1
99089 Erfurt

 

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