Biosphärenregion Südharz/ Kyffhäuser/ Hohe Schrecke

Im November 2017 startete der Moderationsprozess für ein Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser/Hohe Schrecke. Zum Auftakt kamen über 200 Interessierte in das Bürgerhaus Nordhausen. Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Naturschutzverbände haben über 2 Jahre die Chancen eines Schutzgebiets in der europaweit einzigartigen Gipskarstlandschaft diskutiert. Zum Abschluss des Moderationsprozesses im Juli 2019 hat der Lenkungsausschuss einer möglichen Biosphärenregion eine Flächenkulisse vorgelegt.

Blick auf bewaldete Hügel mit Gipsdurchbrüchen im Fels: Die typische Karstlandschaft im Südharz.

Wo erstreckt sich ein mögliches Schutzgebiet?

Die Flächenkulisse

Bei der Fläche geht es insbesondere um eine Einigung auf die von der UNESCO vorgesehene Kern-, Pflege- und Entwicklungszone. Für die Kernzone (mindestens 3 Prozent ungestörte Entwicklung von Tieren und Pflanzen) sind ohnehin schon nutzungsfreie Wälder und bestehende Naturschutzgebiete vorgesehen. Kern- und Pflegezone sollen 20 Prozent einer Biosphärenregion ausmachen. Hier geht es um sanften Tourismus und rücksichtsvolle land- und forstwirtschaftliche Nutzung. Bei den verbliebenen 80 Prozent Entwicklungszone können Land- und Forstwirte Förderangebote nutzen, die auf einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zielen.

Kartenansicht eines möglichen Biosphärenreservats
Die vom Lenkungsausschuss vorgelegte Flächenkulisse erstreckt sich vom Thüringer Teil des Harzes über den Kyffhäuser bis zur Hohen Schrecke

Bereits jetzt gibt es ein Hotspot-Projekt „Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben“. Insgesamt kommen für die Laufzeit 2018 bis 2023 knapp 4,5 Millionen Euro zum Einsatz (3,3 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium, über 700.000 Euro durch das Land Thüringen und über 100.000 Euro durch die Stiftung Naturschutz Thüringen). Der Rest ist Eigenanteil des Trägers Landschaftspflegeverband Südharz / Kyffhäuser.

Das Naturschutzgroßprojekt „Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft“ mit der Laufzeit 2009 bis 2022 zählt zu den wenigen Naturschutzgroßprojekten in Deutschland, die die Entwicklung naturnaher, artenreicher Wälder zum Schwerpunkt haben. Insgesamt kamen und kommen 14 Millionen Euro zum Einsatz (75 Prozent durch das Bundesumweltministerium, 17 Prozent durch das Land Thüringen. Der Rest ist Eigenanteil der Naturstiftung David.) Zusätzlich standen und stehen für Maßnahmen der Regionalentwicklung durch Bundeslandwirtschaftsministerium und EU-ENL Gelder mehr als 3 Millionen Euro zur Verfügung

Förderlich für eine mögliche UNESCO-Auszeichnung ist zudem, dass mittlerweile die 12. Natura 2000-Station am Possen und sogenannte Urwaldperlen (auch auf der Hohen Schrecke) eingeweiht wurden. Weitere Urwaldwanderwege sind im Bendelebener Wald, im Kyffhäuser, im Südharz, auf dem Possen und in der östlichen Hainleite geplant.

Der Südharzer Zechsteingürtel - die wertvollste Gipskarst-Landschaft Europas

Blüten auf einem Gipsfelsen vor malerischer Waldlandschaft
Brillenschötchen auf Gipskarst (© TTG)
Schafe auf einer Wiese
Weidetiere wie Schafe und Ziegen erhalten die wertvollen Kulturlandschaften im Südharzer Zechsteingürtel.
Gipskarstlandschaft
Traktor auf einem Feld
Forst- und Landwirte können einem Biosphärenreservat gelassen entgegen sehen.
Denkmal auf einem bewaldeten Höhenzug
Das Kyffhäuser-Gebirge, mit dem darauf thronenden Kyffhäuser-Denkmal, gibt auch dem 30.500 ha großen Naturpark und dem Landkreis seinen Namen.

UNESCO-Biosphärenreservat: Ein Qualitätssiegel für die Region

Die Ausweisung „UNESCO Biosphärenreservat“ wäre wie ein Qualitätssiegel für die Einmaligkeit des Naturschatzes Südharz und Kyffhäuser. Biosphärenreservate sollen besondere Erholungs- und Arbeitsorte sein. Schonende Wirtschaftsweisen sollen erprobt werden, eine eigene Dachmarke wie in der Rhön kann entstehen. Deutschlandweit gibt es 16 UNESCO Biosphärenreservate.

Charakteristisch für das Biosphärenreservat wird die Untergliederung in drei Zonen sein, die in der Landschaft ausgewiesen werden müssen. Nutzungsbeschränkungen sind nur auf 20 Prozentder Fläche erforderlich.

Studie zeigt wirtschaftliche Potentiale

Der Naturtourismus in den Naturparken Südharz und Kyffhäuser ist bereits jetzt ein relevanter Wirtschaftsfaktor. Das belegen Zahlen einer aktuellen Studie des renommierten Biosphärenreservat-Experten Prof. Hubert Job von der Universität Würzburg im Auftrag des Thüringer Umweltministeriums. So entsteht durch die Besucher des Naturparks Kyffhäuser ein jährlicher Bruttoumsatz von rund 26,6 Mio. Euro, mit dem die Einkommen von insgesamt 789 Personen gesichert werden. Im Naturpark Südharz beträgt dieser Anteil 20,4 Mio. Euro bzw. 585 Personen. Das naturtouristische Angebot trägt also maßgeblich zur Wertschöpfung in der Region bei.

Fragen & Antworten

  • Kernzone: Natur Natur sein lassen

    Die Kernzone ist Naturschutz pur. Kernzonen werden in Wäldern ausgewiesen, hier wird auf eine forstwirtschaftliche Nutzung verzichtet, damit sich Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln und gerade Bäume unendlich alt werden können. Gemäß der für die deutschen Biosphärenreservate gültigen Kriterien soll die Kernzone mindestens 3 Prozent der Gesamtfläche eines Biosphärenreservats ausmachen. Im Landeswald bereits aus anderen Gründen nutzungsfrei gestellte Bereiche sind ausreichend vorhanden. D. h. private Eigentümer werden nicht von einer Nutzungsfreistellung betroffen sein. Das Betreten der Kernzone ist in der Regel nur für Forschung, Messungen oder für Bildung gestattet. Auf Wegen oder geführt von einem Ranger kann sich der Naturliebhaber ein persönliches Bild von der Kernzone machen.

  • Pflegezone: Wo Förster und Landwirte arbeiten

    Um die sensible Kernzone von äußeren negativen Einflüssen abzuschirmen, ist sie idealerweise von einer Pflegezone oder Pufferzone  umgeben. Hier sind ökologisch verträgliche Aktivitäten zugelassen, wie sanfter Tourismus, eine forstwirtschaftliche Nutzung im Sinne der guten fachlichen Praxis, die auf bestimmte Arten besondere Rücksicht nimmt, oder auch eine extensive Landwirtschaft. Auch in der Pflegezone ist der "Schutz" wichtig, allerdings der Schutz von Lebensräumen, die erst durch eine bestimmte menschliche Nutzung entstanden sind und diese weiter brauchen. Die für deutsche Biosphärenreservate gültigen Kriterien fordern, dass Pflege- und Kernzone zusammen mindestens 20 Prozent der Gesamtfläche ausmachen.

    Um in einem Biospährenreservat Südharz/Kyffhäuser auf die 20 Prozent zu kommen, müssten noch Flächen einbezogen werden, die über das beantragte Bundesprogramm Biologische Vielfalt neu erschlossen werden – natürlich nur mit Zustimmung des Eigentümers oder Nutzers. Die Idee dahinter ist, landwirtschaftliche Nutzflächen mit geringen Ertragszahlen zu halten und zu entwickeln. Insbesondere geht es um die Unterstützung der Schäfer und andere Partner in der Landschaftspflege.

  • Entwicklungszone: Wirtschaft im Einklang mit der Natur

    Die größte Fläche nimmt im neuen Biosphärenreservat die Entwicklungszone mit  80 % der Gesamtfläche ein. Hier sind grundsätzlich alle Wirtschafts- und Nutzungsformen erlaubt. Für Land- und Forstwirte ändert sich nichts, es sei denn, sie wollen Förderangebote freiwillig nutzen. Durch die gezielte Förderung von Modellprojekten soll für den Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsweisen in der Gesellschaft und Wirtschaft geworben werden.

    Wie bei allen Förderungen bringen dann Betriebe auf eine bestimmte Zeit besondere Leistungen für Natur und Landschaft ein. In der Entwicklungszone soll gezeigt werden, wie eine nachhaltige Entwicklung erfolgen kann - und dass sowohl im besiedelten wie unbesiedelten Bereich.

  • Teil einer wirtschaftlich erfolgreichen Internationalen Gemeinschaft

    Alle UNESCO-Zertifikate (wie z. B. auch „Weltkulturerbe“) gelten vielen Menschen als Qualitätsprädikate und üben auf sie eine besondere Anziehungskraft aus. Bestehende Biosphärenreservate belegen dies z. B. durch wachsende Besucher- und Übernachtungszahlen oder die Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen, die den Herkunftsnachweis „Biosphärenreservat“ tragen. Ein Beispiel dafür ist die „Dachmarke Rhön - Qualität des Biosphärenreservats“.

    Zugleich wäre ein UNESCO-Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser Teil der internationalen Gemeinschaft von rund 670 Biosphärenreservaten in 120 Ländern mit der Möglichkeit zum weltweiten Erfahrungsaustausch. Ja, wir wollen als Bundesland Thüringen auch über den Tellerrand hinaus schauen, dabei Erfahrungen sammeln und unsere Erfahrungen weitergeben.

    Ziel und Auftrag von Biosphärenreservaten ist es, eine Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung zu sein. Hier besteht Raum für die Erprobung besonders schonender Wirtschaftsweisen. Biosphärenreservate schließen das gesamte Spektrum der in einem Raum vorhandenen Wirtschaftszweige ein – von der Land- und Forstwirtschaft über den Tourismus bis hin zu Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie. Sie sind Arbeits- und Erholungsraum für die Menschen.

  • Nein. Die Kernzone für Waldwildnis würde ohnehin aus bereits geschützten Flächen bestehen. In der Pflegezone ist eine forstwirtschaftliche Nutzung so wie jetzt unter Rücksicht auf bestimmte Arten oder Lebensräume möglich. Besondere Rücksichtnahmen ergeben sich etwa aus einem Pflege- und Entwicklungsplan für ein Naturschutzgebiet, einem Natura 2000-Managementplan oder einer mit der oberen Naturschutzbehörde abgestimmten Forsteinrichtung.

    In der Entwicklungszone  bestehen für die forstwirtschaftliche Bodennutzung  keine Regelungen. Wer an Förderprogrammen teilnehmen will, kann das tun.

  • Diese Befürchtungen sind unbegründet. Die landwirtschaftliche Bodennutzung in einem Biosphärenreservat ist in der Entwicklungszone ohne Einschränkung gewährleistet. Es gibt keinen Grund, warum hier landwirtschaftliche Nutzfläche an Wert verlieren sollte. Pflegezonen werden in Gebieten mit geringen Ertragszahlen eingerichtet, dort haben landwirtschaftliche Betriebe oft zu kämpfen.

    Landwirtschaftliche Nutzflächen können nur mit Zustimmung des Eigentümers oder Nutzers Teil einer Pflegezone des Biosphärenreservats werden.  Dafür soll es bis 2020 eine großzügige Förderung geben, finanziert über das  Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“, wenn der Thüringer Antrag Erfolg hat. 4,6 Millionen Euro könnten dann in die Region Südharz fließen: 75 Prozent vom Bund, 15 Prozent vom Land und 10 Prozent vom Landkreis beziehungsweise der Stiftung Naturschutz. Die Idee dahinter ist, landwirtschaftliche Nutzflächen mit geringen Ertragszahlen zu halten und zu entwickeln. Insbesondere geht es um die Unterstützung der Schäfer und anderer Partner in der Landschaftspflege.

  • Nur nachhaltiges Wirtschaften sichert Zukunft

    Grundsätzlich gilt:

    Vorhandene Abbaubereiche mit einem nach Bergrecht zugelassenem Betriebsplan oder einer Zulassung nach anderem Recht genießen Bestandsschutz.

    Die Regionale Planungsgemeinschaft Nord kann weitere Vorranggebiete Rohstoffabbau im neuen Regionalplan unter Beachtung des bestehenden Rechts festlegen. Die Ausweisung eines Biosphärenreservats würde diese Vorgabe der Regionalplanung beachten, indem das Vorranggebiet Rohstoffsicherung im Regelfall in der Entwicklungszone liegen wird.

    Es bleibt deshalb bei der Regelaussage: Gipsabbau in der Entwicklungszone ist möglich, in der Pflege- und Kernzone wird es keine Abbaugebiete geben. . Der pauschale Vorwurf, dass ein Biosphärenreservat in der Gipskarstregion Arbeitsplätze gefährde, stimmt also nicht.

    Zudem sind Gips-Lagerstätten  endlich, Gipsabbau kann es nicht ewig geben. Hinsichtlich der Arbeitsplätze gilt es, sich zukunftsfähig aufzustellen.

    Entscheidend in diesem Zusammenhang ist, dass ein Biosphärenreservat dazu beitragen kann, durch mehr Besucher in der Region andere, nämlich nachhaltig sichere Einkommensmöglichkeiten im stets stärker wachsenden Naturtourismus, im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe und auch im Gesundheitswesen zu generieren.

    Die aktuellen und potentiellen regionalökonomischen Effekte durch Naturtourismus im Suchraum für ein Biosphärenreservat werden zur Zeit im Auftrag des TMUEN im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie durch die Universität Würzburg untersucht.

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