Entnahme der Ohrdrufer Wölfin "GW267f"

Häufige Fragen und Antworten

Zur Ausnahmegenehmigung des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) für eine letale Entnahme (Abschuss) der Ohrdrufer Wölfin „GW267f“  finden Sie hier eine Zusammenfassung von häufig gestellten Fragen und Antworten zu dem Thema.

  • Es ging um eine schwierige Abwägung. Der Wolf ist als großer Beutegreifer ein wichtiger Teil des Ökosystems. Allgemein ist seine Rückkehr nach Deutschland daher ein Erfolg des Natur- und Artenschutzes. Das Umweltministerium hat lange abgewogen und geprüft, bevor es die Tötung eines Einzelexemplars dieser streng geschützten Tierart beantragte. Unsere Prüfung führte zu dem Ergebnis, dass der Abschuss der Wölfin geboten ist: Die Wölfin hatte wiederholt den bundesweit empfohlenen, optimalen Herdenschutzzaun überwunden. Die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Abschuss sind erfüllt, insbesondere aufgrund der drohenden, erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Soll zukünftig in Thüringen die Koexistenz der zurückkehrenden Wildtierart Wolf und der Weidetierhaltung gelingen, ist die Entnahme einzelner Tiere in Ausnahmefällen notwendig. Die Population der Tierart Wolf ist dadurch nicht gefährdet: Bei Tierarten wie dem Wolf, die einen großen Lebensraum beanspruchen, wird die überregionale Entwicklung der Art betrachtet. Der Abschuss eines Einzeltieres führt nicht zu einer Verschlechterung des allgemeinen Erhaltungszustandes der Population der Art.

  • Nutztiere gehören ebenso zum Beutespektrum des Wolfes wie wildlebende Tiere. Das Töten von Nutztieren ist aber bestmöglich auszuschließen. Darum haben zunächst die Weidetierhalterinnen und -halter die Aufgabe, solche Wolfsrisse durch geeignete Herdenschutzmaßnahmen nach Möglichkeit zu verhindern. Der Freistaat Thüringen unterstützt sie dabei nach Kräften. Der bundesweit empfohlene Herdenschutzzaun wird vom Umweltministerium zur Unterstützung der Herdenhalterinnen und -halter zu 100 Prozent gefördert. Neben der Förderung findet auch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und Beratung zu Herdenschutzmaßnahmen statt. Auch die Anschaffung von Herdeschutzhunden wird zu 100 Prozent gefördert.

  • Die Zuständigkeit für die Wölfin wurde dem TLUBN (Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz) als obere Naturschutzbehörde übertragen. Ein Antrag auf "Entnahme" eines Wolfes kann auf Grundlage der Ausnahmeregelungen des § 45 Abs. 7 Bundesnaturschutzgesetz gestellt werden, wenn nachgewiesen wird, dass dasselbe Tier mehrmals  wolfssichere Einzäunungen, d.h. den optimalen Herdenschutz, überwunden hat. Für die Ohrdrufer Wölfin gibt es inzwischen aufgrund genetischer Nachweise Klarheit, dass sie (Stand Dezember 2019) in mindestens sieben Fällen Zäune überwunden hat, die den Anforderungen des optimalen Herdenschutzes entsprechen. Eine Schadensprognose ergab, dass aufgrund des erlernten Verhaltens der Wölfin, Herdenschutzmaßnahmen zu überwinden, weiterhin erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstünde.

  • Eine Voraussetzung für die artenschutzrechtliche Genehmigung für einen Abschuss eines Wolfes gemäß § 45 Abs. 7 Nr. 1 BNatSchG ist, dass ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden ist oder mit hinreichender Wahrscheinlichkeit prognostiziert werden kann. Diese Voraussetzung galt es zu prüfen. Im Rahmen dieser Prüfung wurde sich insbesondere an dem von Bund und Ländern gemeinsam erstellten Entwurf der "Hinweise zur Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen nach § 45 Abs. 7 BNatSchG beim Wolf" orientiert. Die Hinweise sehen vor, dass ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nur dann angenommen werden kann, wenn ein mehrfaches Überwinden des zumutbaren Herdenschutzes durch ein und dasselbe Individuum nachgewiesen werden kann. Dies konnte durch genetische Analysen in mehreren Fällen für die Ohrdrufer Wölfin "GW267f" belegt werden. Eine Wölfin, die gelernt hat, den optimalen Herdenschutz zu überwinden, ist nicht mehr mit einem für die Schafhalterinnen und -halter zumutbaren Aufwand abzuwehren.

  • Mehrfach hat die Ohrdrufer Wölfin GW267f den empfohlenen Herdenschutz überwunden und Nutztiere trotz dieser Maßnahmen gerissen. Die Zaunhöhen der empfohlenen Schafschutzsysteme liegen bei 120 cm (ein 120 cm hoher Netzgeflecht- oder mehrdrähtiger Elektrozaun oder ein mindestens 90 cm hoher Netzgeflecht- oder mehrdrähtiger Elektrozaun mit einem Flatterband in 120 cm Höhe) oder bei mind. 90 cm hohen Zäunen, wenn diese mit einer ausreichenden Anzahl von Herdenschutzhunden kombiniert werden. Außerdem werden immer mindestens 2.500 Volt in allen stromführenden Zaunteilen angelegt. Die Zaunhöhe ist also nicht der einzige Faktor bei der Abwehr von Wölfen, sondern vor allem auch die Stromstärke, die Geschlossenheit der Zaunanlage und der bodennahe Abschluss des Zaunes. Durch den ein- oder mehrfach erlittenen starken elektrischen Schlag verknüpfen Wölfe schnell, dass Zäune und geschützte Nutztiere mit Schmerzen verbunden sind und meiden diese negative Erfahrung fortan. Diese negative Verknüpfung der empfohlenen Schutzmaßnahmen hat sich in vielen Wolfsrevieren in Deutschland über Jahre bewährt und zahlreichen Wölfen beigebracht, Nutztiere zu meiden und stattdessen die in unserer Kulturlandschaft ausreichend vorhandenen Wildtiere (v.a. Rehe) als Nahrung zu nutzen. Das Ein- und Abzäunen von beweglichen Schafherden auf mehreren Weidegründen stellt bereits bei den oben angegebenen empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen einen großen Aufwand dar. Höhere Zäune würden zu einem unverhältnismäßigen Aufwand für  Schafhalterinnen und –halter führen.

  • Herdenschutzhunde können im Einzelfall eine mögliche und effektive Maßnahme zum Schutz von Nutztieren sein. Besonders bei großen Schafherden, wie sie auf dem Standortübungsplatz vorhanden sind, muss eine große Zahl an Herdenschutzhunden oft auf mehreren Flächen gleichzeitig im Einsatz sein, um die Herden zuverlässig zu beschützen. Bei großen schafhaltenden Betrieben wären hierzu bis zu zehn oder gar noch mehr Herdenschutzhunde notwendig. Dies bedeutet nicht nur einen erheblichen finanziellen Aufwand, sondern daraus entstehen auch logistische und tierschutzrechtliche Probleme. So müssten die Herdenschutzhunde tiergerecht untergebracht, verpflegt und versorgt werden. Des Weiteren muss sichergestellt sein, dass von den Herdenschutzhunden keine Gefahren etwa für Spaziergänger/innen ausgehen. Hierfür ist eine umfassende Ausbildung der Schutzhunde erforderlich, die nicht jede Schafhalterin und jeder Schafhalter ohne Weiteres leisten kann. Deshalb empfiehlt das Thüringer Wolfsmanagement zwar allgemein Herdenschutzhunde als effektive Schutzmaßnahme, verlangt ihren Einsatz jedoch nicht als Voraussetzung für den Erhalt von Ausgleichszahlungen. Die Forderungen nach Förderung auch für den Unterhalt der Herdenschutzhunde findet unsere ausdrückliche Unterstützung. Nach dem geltenden EU-Beihilferecht ist die Förderung der Unterhaltungskosten für Herdenschutzhunde derzeit nicht möglich. Kurz- und mittelfristig wird dies nicht verändert werden. Hier muss die Bundesebene auch aktiv werden und ist es bereits.

  • Die dauerhafte Unterbringung der Wölfin in einem Gehege ist keine Alternative. Ein in freier Wildbahn aufgewachsenes und erwachsenes Tier leidet in Gefangenschaft. Bisherige Erfahrungen bei Wölfen haben gezeigt, dass sie sich nach einem Leben in Freiheit nicht an das Leben in Gefangenschaft anpassen können. Dem Ministerium sind zudem keine Gebiete bekannt, in die ein auf Nutztierrisse spezialisierter Wolf gebracht werden könnte.

  • Im Falle einer erfolgreichen Erlegung findet eine umfängliche Dokumentation der Entnahmeumstände statt. Es wird ein  genetische Analyse zur Individualisierung des erlegten Tieres beauftragt

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