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Luchs (Lynx lynx)

Die Rückkehr des durch internationale Übereinkommen und nationalen Gesetzgebungen geschützten Beutegreifers Luchs nach Thüringen ist ein Erfolg für den Artenschutz. Erklärtes Ziel der Thüringer Landesregierung ist es, die Akzeptanz des Luchses zu verbessern und gleichzeitig von Rissen betroffene Tierhalter finanziell zu unterstützen.

Artporträt

  • Charakteristische Merkmale: Pinselohren, Stummelschwanz, Backenbart, Hochbeinigkeit
  • Kopf-Rumpf-Länge: ca. 85-110 cm
  • Schulterhöhe: ca. 50-75 cm
  • Gewicht: ausgewachsene männliche Luchse: ca. 20-25 kg (max. 40 kg); ausgewachsene weibliche Luchse: ca. 15-20 kg
  • Nahrungsbedarf: durchschnittlich 1-1,5 kg Fleisch pro Tag
  • Beute: Kleinsäuger bis Jungtiere vom Rotwild, Vögel, Insekten
  • Jagdmethode: Auflauern des Beutetieres oder Anpirschen. Beutetiere werden durch kurze Sprints oder kräftige Sprünge verfolt. Die Katze nutzt hierbei auch ihre scharfen Krallen zum Überwältigen der Beute und tötet größere Tiere durch Biss in die Drossel oder kleinere Tiere auch durch Biss in den Nacken. Größere Tiere, z. B. ausgewachsene Rehe, werden nicht auf einmal gefressen, sondern der Luchs zehrt mehrere Tage davon.
  • Fortpflanzung: Luchsinnen sind ab dem 22. Lebensmonat geschlechtsreif, die männlichen Tiere (Kuder) ab 33 Lebensmonaten
  • Paarungszeit: Februar/März
  • Tragzeit: 63-75 Tage
  • Gebärzeit: April-Juni
  • Wurfgrößen: i. d. R. 2-3 Jungtiere
  • Aufzucht: Die Jungtiere öffnen nach 7-17 Tagen die Augen und nehmen ab der 5. Lebenswoche feste Nahrung zu sich. Im Alter von drei Monaten begleiten sie die Mutter auf den Jagdausflügen. Väterliche Tiere beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Mit Eintreten der Paarungszeit löst sich der Familienverband auf
  • Lebensweise: Einzelgänger (außerhalb der Ranz- und Aufzuchtzeit)
  • Sinne: Hör- und Sehvermögen sind ausgezeichnet und übertreffen die des Menschen bei Weitem
  • Alter: in Gefangenschaft bis 25 Jahre, in freier Wildbahn bis deutlich unter 20 Jahre
  • Reviergrößen: mehrere 100 km2 bis über 1.000 km2

 

Quelle: Bund Landesverband Thüringen & Universität Göttingen

Ausrottung

Mit Beginn der großen Waldrodungswellen infolge der zunehmenden Kultivierung der Landschaft durch den Menschen verringerte sich der Lebensraum des auf größere Waldgebiete angewiesenen Luchses schon im Mittelalter zunehmend. In der früheren Gesellschaft hatte dieser große Beutegreifer einen schlechten Stand und wurde als „Schädling“ für Nutztiere und die Jagd betrachtet. Die Intensität der Nachstellung begründete sich jedoch auch durch den früher hohen Wert seines Fells, das sich selbst bis in die Türkei für viel Geld verkaufen ließ. Auch das Fleisch des Luchses wurde in elitären Kreisen als Delikatesse geschätzt. Lebensraumverlust und Nachstellung führten zur allmählichen Verdrängung des Luchses in die noch reichlich bewaldeten mitteleuropäischen Gebirge. Doch auch hier währte der Luchs nicht mehr lange. So wurde der letzte Luchs des Harzes am 17. März 1818 bei Lautenthal erlegt. Am 14. März 1819 wurde im Rahmen einer großangelegten mehrtägigen Verfolgung der letzte Luchs in Thüringen bei Luisenthal (Thür. Wald) geschossen. Bei diesem Luchs dürfte es sich nach Auswertung der historischen Literatur (Fehlen von Luchsbestätigungen in den Jahren zuvor) allerdings schon nicht mehr um einen „einheimischen Luchs“, sondern um ein aus dem Osten zugewandertes Exemplar gehandelt haben.

Übersichtskarte für Luchsmeldungen in Thüringen von 2000 bis 2021 vergrößerte Ansicht
Luchsmeldungen in Thüringen von 2000 bis 2021

Rückkehr des Luchses nach Thüringen

Die in Thüringen nachgewiesenen und sesshaften Luchse gehören zum Großteil der Harzer Luchspopulation an. Diese geht auf die Wiederansiedlung von 24 Gehegenachzuchten (15 Katzen, 9 Kuder) zurück, die zwischen den Jahren 2000 und 2006 im Nationalpark Harz ausgewildert wurden. Neben der Harzer Luchspopulation existieren in Deutschland noch zwei weitere Teilpopulationen: die Population in Bayern als Teil der bayerisch-böhmisch-österreichischen Luchspopulation sowie die Population im Pfälzer Wald in Rheinland-Pfalz. Beide gehen, wie die Population im Harz, auf die Auswilderung von Luchsen zurück. Alle drei Populationen sind weitestgehend voneinander isoliert.

 

Nach und nach breiten sich die Luchse, die im Harz wiederangesiedelt wurden, auch im nördlichen Teil Thüringens aus. Im Jahr 2021 konnte erstmalig auch im südthüringischen Raum eine Luchsin als territorial bestätigt werden. Bei der Luchsin mit dem Namen „Mira“ handelt es sich um eine im Jahr 2019 in Polen wiederangesiedelte Luchsin, die von dort aus nach Thüringen einwanderte und im Dezember 2020 erstmals im Saale-Orla-Kreis nachgewiesen wurde. Im Mai 2015 wurde, nach zwei Jahrhunderten, erstmals wieder Reproduktion bei einem in Thüringen in freier Wildbahn lebenden Luchs nachgewiesen. Die der Harzpopulation entstammende Senderluchsin "F 5" gebar in der Nähe von Silkerode im nördlichen Teil des Freistaats fünf Jungtiere. Allerdings fand die Luchsfamilie ein tragisches Ende: Am 5. Dezember 2015 fanden Spaziergänger die skelettierten Überreste der Luchsin. Da die Jungtiere zum Todeszeitpunkt des Muttertieres noch nicht selbstständig waren, musste von ihrem Ableben ausgegangen werden. Obwohl die sterblichen Überreste der Großkatze eingehend untersucht wurden, konnte die Todesursache abschließend nicht eindeutig geklärt werden. Vermutlich starb die Luchsin infolge von Mangelernährung und damit einhergehender Auszehrung.

Aktueller Status des Luchses in Thüringen

In Thüringen sind acht territoriale Luchse nachgewiesen. Sieben der acht Luchse halten sich im Südharz und in den vorgelagerten Waldinseln in den Landkreisen Nordhausen und Eichsfeld auf. Die Senderluchsin „Mira“ gilt im Saale-Orla-Kreis als standorttreu. Bei drei der sieben Luchse in Nordthüringen handelt es sich um „reproduzierende Weibachen“, die im abgeschlossenen Monitoringjahr 2020/21 mit Nachwuchs nachgewiesen werden konnten. Darüber hinaus gelten zwei Kuder und zwei Individuen, deren Geschlecht anhand von Fotofallenaufnahmen bislang noch nicht bestimmt werden konnte, als standorttreu in Nordthüringen.

Am 03.01.2022 wurde in Thüringen erstmalig ein illegal getöteter Luchs aufgefunden: An einer Bahnstrecke bei Buttstädt im Landkreis Sömmerda fanden Mitarbeiter der Deutschen Bahn einen toten Luchs mit Einschussloch. Die Untersuchung des Luchses bestätigte den Verdacht – in dem Kadaver wurden Geschossteile nachgewiesen. Da der Abschuss der streng geschützten und vom Aussterben bedrohten Tierart eine Straftat darstellt, ermittelt nun die Kriminalpolizei.

Schutzstatus

Der Luchs unterliegt sowohl dem Naturschutz- als auch dem Jagdrecht. Nach dem Jagdrecht ist er ganzjährig geschont und darf nicht bejagt werden. Naturschutzrechtlich ist der Luchs international nach der Berner Konvention und dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. In einzelnen Ländern mit einer robusten Population darf er kontrolliert bejagt werden. In der EU-Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie) wird der Luchs in Anhang II (Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und in Anhang IV geführt (auch außerhalb von Schutzgebieten streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse). Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt den Luchs nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 Buchstabe b) als eine streng geschützte Art. In der Roten Liste Deutschlands und Thüringens ist er als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Der hohe Schutzstatus der Tierart ist in der nur zögerlichen Ausbreitung der Tierart begründet, die mit dem passiven Ausbreitungsverhalten der Luchsweibchen zusammenhängt.

Ausblick: Die Zukunft des Luchses in Thüringen

Im Gegensatz zum Wolf ist der Luchs kein Lebensraumgeneralist, sondern an größere Waldkomplexe gebunden. Der jährliche Populationszuwachs ist im Vergleich zum Wolf deutlich geringer. Er liegt jährlich bei maximal 0,6 Jungtieren pro Weibchen. Die Weitwanderer unter den Luchsen sind i.d.R. nur die männlichen Tiere. Die Art ist in Deutschland durch den Straßenverkehr, aber auch durch illegale Nachstellung gefährdet. Auch Krankheiten (z. B. Räude) können kleineren Luchspopulationen empfindlich zusetzen. Langfristig bedarf es einer Vernetzung der Luchspopulationen innerhalb Deutschlands und der Nachbarländer, um einer genetischen Verarmung und dem dadurch erhöhten Aussterberisiko zu begegnen. Dem Freistaat Thüringen kommt bei der Vernetzung der drei voneinander isolierten Luchspopulationen in Deutschland eine Schlüsselrolle zu. Insbesondere der Thüringer Wald bietet ein hervorragendes Trittsteinhabitat für die Vernetzung der Luchspopulationen im Harz und im Bayerischen Wald. Im Rahmen des Projektes „Die Zukunft des Luchses in Thüringen“ wird unter Beteiligung unterschiedlicher Interessengruppen eine Perspektive für den Luchs in Thüringen entwickelt. BUND und WWF engagieren sich dabei gemeinsam mit unterschiedlichen Akteuren, um Wege für eine langfristige Sicherung der Luchspopulation in Deutschland zu erarbeiten. Das Thüringer Umweltministerium fördert das Projekt finanziell, bringt sich fachlich ein und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Überleben der Tierart.

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