Biologische Vielfalt in Thüringen

So vielfältig ist Thüringen!

Der Freistaat ist Heimat für über zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten – und das auf nur 4,5 Prozent der Fläche der Bundesrepublik. Das ist nur ein Ausdruck der einzigartigen biologischen Vielfalt – der Biodiversität Thüringens! Biodiversität bezeichnet die gesamte Vielfalt des Lebens. Nicht nur Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen gehören dazu, sondern auch die für Thüringen typische Vielfalt an natürlichen Lebensräumen, Natur- und Kulturlandschaften oder speziell in Thüringen gezüchtete Tierrassen.

Um dieses wertvolle Naturkapital zu schützen, hat die Thüringer Landesregierung im Herbst 2011 die Thüringer Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt verabschiedet. Die Strategie formuliert Ziele und Handlungsfelder, um dem anhaltenden Schwund von Tier- und Pflanzenarten, Rassen und Sorten sowie ganzen Lebensräumen entgegen zu wirken. Die rund 30 Einzelziele der Strategie sind auf das Jahr 2020 ausgerichtet und betreffen sowohl den Arten- und Lebensraumschutz als auch die stärkere Integration von Biodiversitätsbelangen in die Land- und Forstwirtschaft.

Thüringen verfügt über 212 FFH-Gebiete und 35 punkthafte FFH-Objekte sowie 44 EU-Vogelschutzgebiete, die das flächendeckende europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 bilden. Die Natura 2000-Gebiete umfassen rund 270.000 Hektar, das entspricht rund 17 Prozent der Thüringer Landesfläche. Eine Übersicht der Natura 2000-Gebiete, die derzeitigen Natura 2000-Stationen sowie nützliche Hinweise zur Umsetzung des Europäischen Schutzgebietsnetzes "Natura 2000" in Thüringen finden Sie hier.

Artenvielfalt in Thüringen

Zahlen und Fakten

55.000 – das ist die geschätzte Gesamtzahl der in Thüringen vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Damit ist der Freistaat eines der artenreichsten Bundesländer Deutschlands. Ungefähr 17.000 dieser Arten sind so gut untersucht, dass ihr Gefährdungszustand in Thüringen bekannt ist. Davon sind 45 Prozent höhere und niedere Pflanzen sowie Pilze und 52 Prozent wirbellose Tiere wie z.B. Insekten. Nur 2 Prozent sind Wirbeltiere, z.B. Bechstein-Fledermaus, Uhu oder Zauneidechse.

  • Drei Gründe gibt es für Thüringens Artenreichtum:
    1. Aufgrund seiner zentralen Lage in Mitteleuropa ist Thüringen zu einem Schmelztiegel für Arten verschiedenster Herkunft geworden. Orchideen der Mittelmeerregion, z.B. die Bienen-Ragwurz, findet man hier ebenso wie nordisch geprägte Arten, z.B. die Trollblume.

    2. Thüringens naturräumliche Vielfalt von den Hochlagen des Thüringer Waldes bis hin zu den trockenen Kalkhängen des Saaletals bietet Lebensraum für Arten mit unterschiedlichsten Umweltansprüchen.

    3. Thüringen ist geprägt durch seine lange Nutzungsgeschichte. Infolge von Rodungen, Ackerbau und Viehhaltung ist seit der Jungsteinzeit eine Kulturlandschaft entstanden, die traditionell für knapp zwei Drittel der in Thüringen vorkommenden Arten einen Lebensraum bietet.
  • Gerade die Abhängigkeit von menschlicher Nutzung wird vielen Arten nun zum Verhängnis. Moderne Nutzungsformen, eine hohe Nähr- und Schadstoffbelastung und die Zerstörung bzw. Zerschneidung von ursprünglichen Lebensräumen (etwa durch Straßenbau) sind die Hauptgründe, warum in Thüringen Arten aussterben. Was unternimmt die Landesregierung, um diesem Verlust entgegenzutreten? Lesen Sie weiter unter Thüringens Vielfalt bewahren!

  • Nur was wir kennen, können wir schützen! Unsere gemeinsame landesweite Datengrundlage sind die in den 1990er Jahren begonnenen Artenerfassungen und Biotopkartierungen. So stehen z.B. über die Verbreitung von Farn- und Blütenpflanzen in Thüringen flächendeckend Daten zur Verfügung. Der Gefährdungszustand von Arten und Lebensräumen wird alle zehn Jahre in den Roten Listen Thüringens veröffentlicht. Aktuell gilt die 3. Fassung aus dem Jahr 2011.

  • So vielfältig wie die natürliche Ausstattung Thüringens ist, so vielfältig müssen auch die Aktivitäten zu ihrem Schutz sein! Derzeit schützt die Landesregierung Artenvorkommen, Lebensräume und Landschaften in Thüringen vor allem durch folgende Instrumente:

    • die Beteiligung am europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000,
    • spezielle Artenhilfsmaßnahmen, z.B. für Schutzgebieten,
    • Durchführung von EU LIFE+ Projekten und Naturschutzgroßprojekten (siehe Marginalspalte) sowie
    • durch Unterstützung von Landwirten, Verbänden, Vereinen und Kommunen mithilfe von Vertragsnaturschutzprogrammen (z.B. KULAP) und mithilfe des Programms „Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL).

  • Der Begriff Biotopverbund beschreibt die (Wieder-)Vernetzung von Lebensräumen – regional, auf Bundesebene, aber auch in Europa.
    Warum ist das notwendig? Der zunehmende Nutzungsdruck auf die Landschaft lässt naturnahe Lebensräume immer mehr zu Inseln für Tiere und Pflanzen werden. Im Jahr 2009 etwa wurden in Thüringen täglich 2,7 Hektar neue Siedlungs- und Verkehrsflächen erschlossen. Wo Tiere und Pflanzen nicht mehr wandern können, ist ihr dauerhaftes Überleben in Gefahr. Thüringen beteiligt sich deshalb am bundesweiten Biotopverbundsystem und entwickelt ein Konzept zur Umsetzung. Thüringen hat einen 763 Kilometer langen Anteil (ca. 6400 Hektar Fläche) am Grünen Band. Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze existiert ein einzigartiges System von Lebensräumen. Es soll als zusammenhängender Korridor für die Ausbreitung wildlebender Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.

  • Wenn Vielfalt schwindet …

    Egal ob wir die Vielfalt von Arten, Lebensräumen, Landschaften oder die genetische Vielfalt betrachten – egal ob in Thüringen, Deutschland oder weltweit – die biologische Vielfalt geht seit Jahren dramatisch zurück. In Thüringen sind zurzeit 45 Prozent der in Vergangenheit hier vorkommenden Arten gefährdet oder bereits ausgestorben.

    Alle Lebewesen, auch der Mensch, sind Teil eines komplexen und lebendigen Netzwerkes, in dem die Natur grundlegende Dienstleistungen für uns erbringt. Deswegen ist es nicht nur aus ethischen Gründen von großer Bedeutung, die biologische Vielfalt zu erhalten. Jeder einzelne Teil dieses lebendigen Netzwerks ist außerdem eine Versicherung, auch weiterhin in Thüringen gut leben, wirtschaften und sich erholen zu können.

    Vielfalt braucht Schutz - in Thüringen, Deutschland und weltweit

    Um dem rasanten Verlust biologischer Vielfalt global entgegenzutreten, wurde 1992 auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro das Internationale Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) beschlossen. Dieser völkerrechtlich bindende Vertrag wurde bislang von 192 Staaten (1993 von Deutschland) unterzeichnet. Ziel ist es, die biologische Vielfalt weltweit zu erhalten und ihre nachhaltige und gerechte Nutzung zu fördern.

    Im Jahr 2007 verabschiedete die deutsche Bundesregierung die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Die Strategie benennt Aktionsfelder und konkrete Maßnahmenpakete zum Schutz der Biodiversität auf Länder- und Kommunalebene.

    Der Freistaat Thüringen ist sich seiner Mitverantwortung bewusst und hat eine Thüringer Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt erarbeitet.  Die Landesregierung hat die Strategie im Oktober 2011 zur Kenntnis genommen.

Rote Liste Thüringen

Rote Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, Pflanzengesellschaften und Biotope Thüringens

Rote Listen sind Fachgutachten zur Gefährdung von Arten, Pflanzengesellschaften und Biotopen. Sie sind ein Maß für den Zustand der Natur und für Veränderungen der biologischen Vielfalt.

Für den Freistaat Thüringen werden alle zehn Jahre aktualisierte Rote Listen erstellt. Insgesamt 16.814 Arten (Wirbeltiere, Wirbellose, Pflanzen und Pilze), 686 Pflanzengesellschaften und 76 Biotoptypen wurden hinsichtlich ihrer Gefährdung überprüft und sind aktuell in 54 Roten Listen dargestellt.

Die 93 Autoren sind die besten Kenner der Thüringer Tier- und Pflanzenwelt, die meisten sind Mitglieder ehrenamtlicher Fachvereinigungen, von denen die landesweiten Basisdaten erfasst werden. Auch die Zusammenarbeit mit Naturkundemuseen und dem Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz sichern das gute Niveau der Gefährdungsanalysen. Für einige Artengruppen war jedoch auf Grund fehlender Spezialisten oder unzureichender aktueller Daten keine Neubearbeitung möglich.

Biotopschutz

Ein Biotop ist ein mehr oder weniger homogener, gegen seine Umgebung abgrenzbarer Landschaftsteil. Das Wort ist aus dem griechischen abgeleitet und setzt sich aus den beiden Teilen Bios=Leben und Topos=Ort zusammen. Die Definition und Abgrenzung eines Biotops erfolgen in der Regel anhand seiner Pflanzendecke und/oder geomorphologischer Merkmale sowie der aktuellen Nutzung. Ein typisches Beispiel ist ein Teich. Mittels seiner Uferlinie und der in ihm wachsenden Wasserpflanzen ist dieser relativ klar gegenüber der Umgebung abzugrenzen. Dies und die Artenvielfalt im Teich sind wahrscheinlich auch die Gründe dafür, dass gerade Kleingewässer heute umgangssprachlich oft als „Biotop“ bezeichnet werden. Dabei ist die wissenschaftliche Bedeutung des Begriffes viel weitgehender und umfasst ganz verschiedene Lebensräume.

Biotope sind die Lebensräume für alle Pflanzen und Tiere. Die Bindung von Arten an konkrete Biotope ist dabei unterschiedlich stark. Bei vielen kleinen oder auch wenig beweglichen Organismen läuft das gesamte Leben in einem einzigen Biotop ab. Vor allem größere Tiere dagegen wechseln häufig zwischen verschiedenen Biotopen. Ein Schutz dieser Organismen lässt sich nur durch den Schutz ihres gesamten Lebensraumes, durch den Schutz der von ihnen besiedelten Biotope erreichen. So wie manche Arten, verschwinden auch bestimmte Biotope immer mehr aus unserer Landschaft. Die in ihrem Bestand gefährdeten Biotope sind in der Roten Liste der Biotoptypen Thüringens (van Hengel & Westhus 2011) aufgeführt. Ihnen gelten besondere Schutzbemühungen wie gesetzlicher Schutz, Verbundplanungen oder Biotopschutzprogramme.

Sehr ähnliche Biotope werden zu sogenannten Biotoptypen zusammengefasst. Ein konkreter, einzelner Teich ist ein Biotop. Alle Teiche gehören zum Biotoptyp „Teich“ mit weiteren stehenden Gewässern (z. B. Seen, Kiesgruben) können sie zu „Standgewässern“ zusammengefasst werden. Auf diese Weise ist es möglich die in der Landschaft vorhandenen Biotope in ein Schema einzuordnen. Aufgrund der großen Vielfalt der Natur ist die Liste der Biotoptypen recht umfangreich. Fast jeder der in der Liste aufgeführten Biotoptypen kann noch weiter unterteilt werden. Für diese Unterteilung spielen verschiedene Faktoren wie z. B. die Größe, der Nährstoffgehalt oder der geologische Untergrund eine Rolle. Umgangssprachlich wird leider die begriffliche Unterscheidung zwischen den (konkreten) Biotopen und den (abstrakten) Biotoptypen oft nicht so genau genommen.

  • Nach § 30 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) werden bestimmte Teile von Natur und Landschaft, die eine besondere Bedeutung als Biotope haben, gesetzlich geschützt. Anders als bei den bekannteren Naturschutzgebieten oder Nationalparken bedarf es zur Wirksamkeit des gesetzlichen Biotopschutzes keiner weiteren rechtlichen Festlegung oder Ausweisung mehr. Diese Biotope sind durch Gesetz allein deshalb geschützt, weil sie zu einem bestimmten, in § 30 BNatSchG und ergänzend § 18 des Thüringer Gesetzes für Natur und Landschaft aufgelisteten Biotoptyp gehören. Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung der so geschützten Biotope führen können, sind verboten:

    Die nach BNatSchG Gesetzlich geschützten Biotope sind im Einzelnen:

    1. natürliche oder naturnahe Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlandungsbereiche, Altarme und regelmäßig überschwemmten Bereiche,

    2. Moore, Sümpfe, Röhrichte, Großseggenrieder, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche, Binnenlandsalzstellen,

    3. offene Binnendünen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und Lösswände, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen, Schwermetallrasen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte,

    4. Bruch-, Sumpf- und Auenwälder, Schlucht-, Blockhalden- und Hangschuttwälder, subalpine Lärchen- und Lärchen-Arvenwälder,

    5. offene Felsbildungen, alpine Rasen sowie Schneetälchen und Krummholzgebüsche,

    6. Fels- und Steilküsten, Küstendünen und Strandwälle, Strandseen, Boddengewässer mit Verlandungsbereichen, Salzwiesen und Wattflächen im Küstenbereich, Seegraswiesen und sonstige marine Makrophytenbestände, Riffe, sublitorale Sandbänke, Schlickgründe mit bohrender Bodenmegafauna sowie artenreiche Kies-, Grobsand- und Schillgründe im Meeres- und Küstenbereich.

    Nicht alle im BNatSchG aufgelisteten Biotoptypen kommen in Thüringen vor (z. B. alpine oder marine Biotope). Dafür werden in § 18 ThürNatG einige weitere geschützte Biotoptypen genannt (Das Naturschutzrecht in Thüringen – eine Anwendungshilfe). Für diese gelten die gleichen Regelungen wie für die im BNatSchG aufgeführten.

    Zusätzlich nach ThürNatG geschützt sind:

    [Uferferne Land-]Röhrichte, Bergwiesen, Moorwälder, Staudenfluren trockenwarmer Standorte, Streuobstwiesen, [Offene] Felsbildungen [der planaren bis montanen Stufen], Höhlen und Stollen, soweit diese nicht mehr genutzt werden sollen, ausgebeutete und nach öffentlichem Recht nicht für eine Folgenutzung vorgesehene Lockergesteinsgruben und Steinbrüche, alte Lesesteinwälle, Hohlwege, Erdfälle und Dolinen.

    Einen Überblick über Anzahl und Flächen der verschiedenen gesetzlich geschützten Biotope in Thüringen (aus Lauser et al. 2015) gibt folgende Tabelle.

    Konkrete Informationen zum Vorkommen gesetzlich geschützter Biotope in Thüringen sind über den Kartendienst der TLUG oder über die App „Meine Umwelt“ (für die Betriebssysteme Android, iOS, Windows Phone) abrufbar.

    Eine weitere für den Schutz von Biotopen wichtige gesetzliche Regelung ist die Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Richtlinie der EU. Eine ganze Reihe von Lebensraumtypen ist im Anhang I dieser Richtlinie verzeichnet. Dabei handelt es sich um „Natürliche Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen“. Genaueres hierzu ist den Seiten zum Thema Natura 2000 zu entnehmen.

  • Für die nach § 30 Abs. 7 BNatSchG vorgeschriebene Registrierung der gesetzlich geschützten Biotope und für die sich aus der FFH-Richtlinie ergebenden Pflichten müssen die entsprechenden Lebensräume in der Landschaft erfasst werden. Diese Erfassungen erfolgen durch Biotopkartierungen.

    Aus organisatorischen Gründen erfolgte/erfolgt die Biotopkartierung im Rahmen mehrerer Projekte. Dabei handelt es sich um die Dorfbiotopkartierung (siehe auch Schikora et al. 2003), mehrere Stadtbiotopkartierungen, die Waldbiotopkartierung (siehe auch Henkel et al. 2008), die Offenlandbiotopkartierung (siehe auch Lauser et al. 2015) und die FFH-Lebensraumtypen(LRT)-Kartierung. Grundlage für die Offenlandbiotopkartierung bildete eine flächendeckende thüringenweite Interpretation der Biotop- und Nutzungstypen anhand von Color-Infrarot-Luftbildern aus der 1. Hälfte der 1990er Jahre. Die Ergebnisse dieser Interpretation sind über den Geoproxy Thüringen zugänglich. Die Waldbiotopkartierung wird nach § 5 des Thüringer Waldgesetzes durch die Landesforstverwaltung, d. h. derzeit durch ThüringenForst organisiert. Genauere Informationen dazu sind dort zu erhalten. Für die Dorfbiotopkartierung, die Offenlandbiotopkartierung und die FFH-Lebensraumtyp-Kartierung war bzw. ist die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie zuständig. Hier werden die dabei erhobenen Daten zentral verwaltet und gepflegt.

    Die selektive Erfassung der gesetzlich geschützten Offenland-Biotope wurde 1996 begonnen. Im Jahr 2013 konnte der erste, so genannte „Basisdurchgang“ für ganz Thüringen abgeschlossen werden (Kartieranleitung Offenlandbiotopkartierung, Stand 2001). Einen umfassenden Überblick über die Ergebnisse geben Lauser et al. (2015). Nach dem Abschluss der Offenlandbiotopkartierung lag der Schwerpunkt auf der Kartierung der Lebensraumtypen (LRT) in den Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebieten. Ab 2017 wird zusätzlich eine Aktualisierung der Kartierung der gesetzlich geschützten Biotope und der LRT außerhalb der FFH-Gebiete erfolgen (Kartieranleitung OBK 2.0). Diese wird die Biotope in den Siedlungsbereichen mit erfassen und damit auch die Dorfbiotopkartierung ablösen.

    Einen schnellen Überblick über die Kartierung der Offenlandbiotope vermittelt das hierzu zusammengestellte Faltblatt.

     

  • Henkel, A., U. van Hengel, W. Westhus & J. Boddenberg (2008) Die Waldbiotopkartierung in Thüringen – Gemeinschaftsprojekt der Forst- und Naturschutzverwaltung erfolgreich abgeschlossen. – Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen 45 (1): 2–14


    Lauser, P., H. Howein, A. Rothgänger, U. van Hengel & W. Westhus (2015) Gesetzlich geschützte Biotope in Thüringen. – Naturschutzreport Heft 28


    Schikora, T., V. Gorff, A. Walter, S. Schleip, U. van Hengel, W. A. Turnewitsch & W. Westhus (2003) Dorfbiotope in Thüringen. Vielfältig, gefährdet, schützenswert. – Naturschutzreport Heft 20: 167 S.


    van Hengel, U. & W. Westhus (2011) Rote Liste der Biotoptypen Thüringens. 3. Fassung, Stand 12/2010. – Naturschutzreport Heft 26: 526–541


    Naturschutzreport

    Erscheinungsweise:

    im Abstand von 1 - 2 Jahren mit Farbabbildungen und Farbfotos
    Abonnement:Einzelrechnung wird mit jeweiligem Heft versendet
    Bestellung:

    Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie,
    Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
    Frau Oberländer
    Göschwitzer Straße 41
    07745 Jena

     0361 57 3942-147

Fledermäuse

Fledermäuse in Thüringen

Fledermäuse sind die einzigen flugfähigen Säugetiere der Erde. Von den ca. 800 bekannten Arten , kommen 30 in Europa vor. In Thüringen leben (noch) 18 verschiedene Arten. Fledermäuse leben in Gruppen zusammen die man "Kolonien" nennt. Alle heimischen Fledermäuse ernähren sich von Insekten. Pro Nacht vertilgt eine Fledermaus davon eine Menge die ca. 20 - 30 % ihres Körpergewichts entspricht. Viele Fledermausarten sind standorttreu, es gibt aber auch Arten bei den die Sommer- und Winterlebensräume mehrere hundert bis tausend Kilometer von einander getrennt liegen. Solche wandernden Arten fliegen auf ihrem Zug auch über Thüringen.

  • Fledermäuse sind nachtaktiv, "sie sehen mit den Ohren". Beutelokalisation und Orientierung in der Dunkelheit erfolgen durch Echoortung. Dazu stoßen sie in kurzen Abständen hochfrequente laute Rufe (15 - 100 kHz, über 100 dB laut) über Mund oder Nase aus und erlangen über die reflektierten Echos ein "Hörbild". Allerdings nur von ihrer nächsten Umgebung! Auf unsere Vorstellung übertragen bedeutet dies, dass die Fledermäuse quasi immer "im Nebel" fliegen. Die Tiere müssen sich ihre oft mehrere Quadratkilometer großen Jagdlebensräume regelrecht "erfliegen" und über ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis verfügen, um weiter entfernte Jagdgebiete zielgenau anzufliegen. Sie benutzen dazu häufig "Flugstraßen", die längs von Hecken, Waldrändern, Wegen und anderen für die Echoortung nutzbaren "akustischen Leitlinien" entlang führen.

  • Der Schutz der Fledermäuse ist in der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 20 BNatSchG) festgelegt. Es ist es verboten, Fledermäuse zu fangen, sie zu verletzen oder zu töten oder ihre Wohnstätten zu zerstören. Eine Störung der Tiere ist ebenfalls untersagt. Auch im Rahmen der "ordnungsgemäßen Bodennutzung" (Landwirtschaftsklausel) ist eine beabsichtigte Beeinträchtigung der Fledermäuse strafbar.

    Innerhalb der letzten Jahrzehnte sind die Bestände aller heimischer Fledermausarten drastisch zurückgegangen, manche Arten sind vom Aussterben bedroht, eine Art in Thüringen bereits ausgestorben. Die Ursache dieser rückläufigen Bestandsentwicklung liegt in der anhaltenden Zerstörung und Einengung ihres Lebensraums.


  • In Anpassung an das ungenügende Insektenangebot im Winterhalbjahr halten einheimische Fledermäuse zwischen Oktober und März Winterschlaf. Hierzu ziehen sie sich in unterirdische Quartiere mit hoher Luftfeuchtigkeit zurück. Manchen Arten dienen auch Hohlräume in dickstämmigen Bäumen als Winterquartier.

    Nach dem endgültigen Verlassen der Winterquartiere im Frühjahr ziehen die Tiere in ihre Sommerlebensräume, die je nach Art unterschiedlich weit von den Überwinterungsquartieren entfernt sein können. In der Zugzeit legen wandernde Arten über 1000 km in kurzer Zeit zurück. Auf ihrer Wanderung nützen sie Zwischenquartiere.

    Die Weibchen sammeln sich im Mai in sogenannten Wochenstuben, um im Juni ihre Jungen zu gebären und gemeinsam aufzuziehen. Die meisten Arten gebären nur ein Jungtier pro Jahr. Bei Waldfledermäusen finden sich selten mehr als 20 bis 30 Tiere in einer als Wochenstube genutzten Baumhöhle, dafür verteilt sich die ortsansässige Weibchenpopulation auf mehrere Baumquartiere. Die Männchen leben während des Sommers als Einzelgänger oder in Männchenkolonien. Diese sind mehr oder weniger weit von den Weibchenquartieren entfernt.

    Während der Jungenaufzuchtsphase sind Fledermäuse besonders auf ein ausreichendes Nahrungsangebot in Quartiernähe angewiesen. Insektenknappheit bei kühler Witterung führt regelmäßig zu teilweise großen Jungtierverlusten in dieser kritischen Phase. Geringe Geburtenrate und hohe Sterblichkeit im ersten Lebensjahr erschweren die Erholung von Bestandseinbußen.

    Nach dem Selbstständigwerden der Jungtiere im August lösen sich die Wochenstuben auf. Weibchen und Männchen suchen Paarungs- und Balzquartiere auf. Bei manchen Arten sind dies Baumhöhlen, andere Arten treffen sich zur Paarung an bestimmten unterirdischen Winterquartieren. Häufig sind dies an markanten Geländepunkten gelegene Keller oder Höhlen an denen im September nachts zahlreiche Fledermäuse "schwärmen". Diese Schwarmquartiere sind wesentliche Eckpfeiler der sozialen Kommunikation und des Fortpflanzungssystems.

    Erst nach der Paarungszeit, - und damit meist auch in der Nähe der späteren Überwinterungsquartiere , legen sich die Fledermäuse im Spätherbst die Fettreserven zu, die es ihnen gestatten, die nahrungsarme kalte Jahreszeit zu überleben.

  • Ausbreitung auf den menschlichen Siedlungsraum. Von den 18 in Thüringen vorkommenden Fledermausarten leben heute vorzugsweise 14 Arten im Siedlungsbereich und 9 Arten im Wald. Einige Arten sind sowohl "Gebäudefledermäuse" als auch " Waldfledermäuse" hinsichtlich der Wahl ihrer Quartiere. Ihre enge Bindung zum Lebensraum Wald haben die meisten Fledermausarten jedoch nicht verloren und benötigen ihn als Nahrungshabitat, Quartiergebiet, Rastgebiet auf dem Zug oder zur Überwinterung. Fledermäuse die bevorzugt (aber eben nicht immer) im Wald angetroffen werden sind z.B. Kleinabendsegler und Abendsegler, Fransenfledermaus, Braunes Langohr, Wasserfledermaus oder die Rauhhautfledermaus. Eine Art die fast ausschließlich im Wald jagt, aber ihr Quartier in den Dachböden großer Gebäude hat, ist das Mausohr. Bartfledermäuse sind in Thüringen meist Gebäudebewohner, werden aber im Herbst regelmäßig im Wald in Nistkästen angetroffen.

    Übrigens: Nicht nur das Gedankengut von J.M. Bechstein lebt in Thüringen weiter!
    Der "Bechstein`sche Geist" flattert auch heute noch in Thüringer Wäldern umher. Nach dem Fledermausforscher J.M BECHSTEIN wurde im Jahre 1812 die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) benannt. Sie ist eine "echte Waldfledermausart" und hat ihre Wochenstubenquartiere in Baumhöhlen oder Nistkästen in alten Laubwaldbeständen.

Wolf und Luchs

Die Rückkehr der durch internationale Übereinkommen und nationalen Gesetzgebungen geschützten Beutegreifer Wolf und Luchs nach Thüringen ist ein Erfolg für den Artenschutz. Erklärtes Ziel der Thüringer Landesregierung ist es, die Akzeptanz des Luchses und vor allem des Wolfes zu verbessern und gleichzeitig die betroffenen Tierhalter finanziell zu unterstützen.

  • Nachdem der Wolf über 100 Jahre lang in Deutschland als ausgerottet galt, breitet er sich seit über einem Jahrzehnt von Westpolen und Sachsen her zunehmend aus. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Wolf bereits etabliert. In Thüringen wurde eine Wölfin auf und um den Bundeswehrübungsplatz Ohrdruf nachgewiesen.

    Der Luchs wurde in Thüringen erstmals 2004 gesichtet. Im Mai 2015 konnte nach zwei Jahrhunderten erstmals wieder die Reproduktion von Luchsen in freier Wildbahn festgestellt werden. Der Luchs unterliegt sowohl dem Naturschutz- als auch Jagdrecht. Nach dem Jagdrecht ist er ganzjährig geschont bzw. darf nicht bejagt werden.

  • Der Wolf kehrt zurück – Thüringen ist vorbereitet

    Der Wolf ist die größte Art aus der Familie der Hundeartigen (lat. Canidae). Er besitzt eine hohe Anpassungsfähigkeit und besiedelte einst weitestgehend flächendeckend die Nordhalbkugel. Es bildeten sich 16 Unterarten heraus, wovon 2 Unterarten ausgestorben sind. Die in Deutschland vorkommende Unterart ist der Canis lupus lupus (Grauwolf). Große Vorkommen dieses Wolfes sind heute v. a. in Osteuropa, Russland und in der Mongolei beheimatet.

    Ausrottung

    Wolf und Mensch verband eine wechselvolle Geschichte. Der Mensch domestizierte die Art zum Hund, der treuer Begleiter des Menschen wurde. Bei den Germanen wurde der Wolf für seine Ausdauer und Stärke verehrt. Diese Verehrung findet noch heute Einfluss in die Namensgebung, z. B. „Wolfgang“: auf altdeutsch: er zieht in den Streit/ Kampf (Gang) wie ein Wolf. Zugleich schlug dem Wolf über Jahrhunderte der Hass des Menschen entgegen. Dieses hatte v. a. seine Wurzeln in den sozio-ökonomischen Umständen der damaligen Zeit. Der Verlust von Vieh durch Wolfsübergriffe konnte für subsistenz-wirtschaftende und zugleich an Adel und Geistlichkeit abgabepflichtige Bauernfamilien in der Tat arge Not auslösen. Die Nutztierbestände waren oftmals nicht ausreichend geschützt, wurden z. B. während der Weide im Wald nur ungenügend durch Kinder beaufsichtigt. Zugleich konnten v. a. von der in früheren Zeiten grassierenden Tollwut betroffene Wölfe eine Gefahr für Menschen darstellen.

    In früheren Kriegen oder Seuchenzügen, in denen tote Menschen nicht oder nur notdürftig begraben wurden, nahmen die Wölfe naturgemäß Leichen bei der Nahrungssuche nicht aus. So wurde der Wolf in der früheren Gesellschaft auch mit Unheil und Tod gleichgestellt. Die Verfolgung der Art setzte schon mit Beginn von Ackerbau und Viehzucht ein und wurde infolge der allmählichen Kultivierung Deutschlands sowie zunehmend besserer Nachstellungstechnicken intensiviert. Der Wolf wurde intensiv bejagt - Jäger, das Militär und Frondienstleistende wurden eingebunden. Zur Tötung der Wölfe war jedes Mittel (z. B. ausgeklügelte Fallensysteme, Gift usw.) recht. Bereits Ende des 18. Jh. schrieb der bekannte thüringische Jagdwissenschaftler Johann Matthäus Bechstein: „Dieses Raubtier wird in Deutschland immer seltener und ist in Thüringen fast gänzlich ausgerottet […] unsere Jäger halten es für ein Zugsäugetier [Einwandern von Einzeltieren].“ Um 1850 galt das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland als weitestgehend wolfsfrei. Der letzte Wolf in Thüringen wurde 1884 bei Greiz erlegt. Wölfe wanderten nach dem 2. Weltkrieg v. a. in die ehemalige DDR ein. Dort unterlag der Wolf dem Jagdrecht und wurde rigoros erlegt.

    Verbreitung in Deutschland und Thüringen

    Die in Deutschland etablierten Wölfe gehören der zentraleuropäischen Wolfspopulation an, welche ihren Ursprung im Baltikum hat und auch in Westpolen beheimatet ist. In der Lausitz pflanzten sich im Jahr 2000 erstmals seit etwa 150 Jahren wieder Wölfe in Deutschland fort. Durch Zuwanderung weiterer Wölfe aus Polen und dem hiesigen Nachwuchs gelang es der Art, sich vor allem in ost- und norddeutschen Tieflandgebieten auszubreiten.

    Bundesländer mit etablierten Wolfsrudeln sind: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Am 30. April 2018 gab es in Deutschland 73 Wolfsrudel, 30 Paare und 3 sesshafte Einzeltiere.

    Am 11. Mai 2014 wurde bei Ohrdruf ein wildlebender Wolf fotografiert. Diese Wölfin entstammt nach der Auswertung genetischen Materials dem Spremberger Rudel in der Lausitz und hält sich seitdem innerhalb und nahe des Bundeswehrübungsplatzes Ohrdruf auf. 

    Weiterhin sind folgende, vermutlich durchwandernde Einzelwölfe (Belege für Sesshaftigkeit liegen nicht vor) in Thüringen nachgewiesen worden:

    Am 11. März 2016 verstarb eine junge, subadulte Wölfin auf der A 71 bei Schloßvippach infolge eines Verkehrsunfalls. Das Tier stammte nach Auswertung genetischen Materials aus dem Rudel bei Lehnin (Brandenburg). Einzelwölfe wurden am 13.04.2018 bei Breitenhain (Saale-Orla-Kreis) sowie am 19.06.2018 bei Schmalkalden fotografiert. Genproben von gerissenen Beutetieren bestätigten den Wolf bei Altenberga (Saale – Holzland – Kreis) am 14.04.2018 sowie am 19.04.2018 bei Dannheim (Ilm-Kreis). Im letzteren Fall gelang mittels Genanalyse auch eine Individualisierung des Wolfes, es handelte sich um einen Wolfsrüden im ersten Lebensjahr aus dem Rudel Bayerischer Wald/ Sumava (Bayern/Tschechien). Am 13.12.2018 und in den Folgetagen wurde der Wolf bei Thimmendorf (Saale-Orla-Kreis) und in der nahen Region Leutenberg (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) durch Bildmaterial nachgewiesen.

    Artporträt
    • Charakteristische Merkmale: buschiger Schwanz mit schwarzer Spitze, helle Wangenpartie, Iris hellgelb bis hellgrün, Rückenlinie waagerecht, grau-gelbe Fellfärbung, breiter Ohrenansatz, Ohren erscheinen im Winterfell klein und dreieckig, im Gegensatz zu Schäferhunden deutlich hochbeiniger
    • Kopf-Rumpf-Länge: ca. 97 cm bis ca. 140 cm
    • Schulterhöhe: ca. 60 cm bis 90 cm
    • Gewicht: in Deutschland i. d. R. von 30 kg bis knapp 40 kg (Spanne: 30 bis 50 kg)
    • Weibliche Wölfe (Fähen) sind um ca. 20 % leichter und kleiner als männliche Wölfe (Rüden)
    • Nahrungsbedarf: durchschnittlich 3 bis 3,5 kg Fleisch pro Tag
    • Beute in Deutschland: über 90 % Schalenwild, daneben Kleinsäuger, Aas, Obst, ebenso können auch i. d. R. ungeschützte Nutztiere (v. a. Schafe und Ziegen) gerissen werden
    • Jagdmethode: Hetz- und sozialer Jäger (im Rudel jagend). Der Wolf ist ein ausdauernder Jäger, welcher opportunistisch (nutzt gute Gelegenheiten sofort aus) und effizient (bevorzugt größere Beute wie Schalenwild, die er mit geringstmöglichem Energieeinsatz und Risiko überwältigen kann). Beutetiere werden i. d. R. durch Kehlbiss getötet. Die Beute kann aber auch infolge von starken Bissverletzungen in Flanken, Rücken und Nase überwältigt bzw. getötet werden.
    • Fortpflanzung: Geschlechtsreife mit ca. 22 Lebensmonaten
    • Paarungszeit (Ranzzeit): Mitte Dezember (mehrwöchige Vorranz) bis März; Februar/ März
    • Tragzeit: ca. 63 Tage
    • Gebärzeit: April bis Anfang Mai
    • Wurfgrößen: i. d. R. 4 bis 6 (max. 13) Jungtiere
    • Aufzucht: Die Jungtiere öffnen nach 8 bis 12 Tagen die Augen, werden ca. 6 Wochen gesäugt und nehmen nach ca. 4 Lebenswochen feste Nahrung zu sich. Nach 3 bis 4 Monaten begleiten sie die Elterntiere auf den Streifzügen. Der Nachwuchs ist mit ca. 10 Monaten ausgewachsen und verlässt das elterliche Rudel meist im Laufe des 2. Lebensjahres.
    • Lebensweise: in Gemeinschaft mit Rudelmitgliedern oder Partner sowie auch zeitweise als Einzeltiere
    • Sinne: Hör- und Sehvermögen (insbesondere Nachtsehvermögen) sind hochentwickelt, der Geruchssinn ist ausgezeichnet. Diese Sinne übertreffen die des Menschen bei weitem
    • Alter: max. 13 Jahre
    • Reviergrößen in Mitteleuropa: 150 qkm bis ca. 250 qkm
    • Schutzstatus: Naturschutzrechtlich ist der Wolf international nach der Berner Konvention und dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. In Ländern mit einer robusten Population darf er kontrolliert bejagt werden. In der EU-Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) wird der Wolf im Anhang II (Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und im Anhang IV (auch außerhalb von Schutzgebieten streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse) geführt. Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt den Wolf nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 Buchstabe b) zu einer streng geschützten Art.
    Ausblick

    Der Wolf benötigt keine Wildnis, er ist anpassungsfähig, opportunistisch, sehr mobil und mit einem jährlichen Populationszuwachs von ca. 30 % reproduktionsstark. Diese Voraussetzungen sprechen neben der vorhandenen Nahrungsverfügbarkeit (überhöhte Schalenwildvorkommen) für die künftig weitere Ausbreitung des Wolfes innerhalb Deutschlands. Nicht unerhebliche Gefahren für den Wolf sind allerdings der Verkehrstod und die illegale Nachstellung.

    Thüringen verfügt über viele, insbesondere waldreiche, Gebiete, die faktisch den Lebensraumansprüchen der Art genügen. Mit dem Zuwandern neuer Wölfe oder der Etablierung von Rudeln ist zu rechnen.

  • Zwischen dem Jahr 2000 und 2006 wurden im niedersächsischen Teil des Harzes 24 Luchse ausgewildert. Diese Population reproduziert seitdem und breitete sich auch über den Harz hinaus aus. Im Jahr 2004 wurde dokumentiert, dass diese Luchse erstmals wieder thüringischen Boden betraten, seitdem traten sie in Thüringen hin und wieder auf. Am 2. Februar 2015 wurde zudem ein Luchs bei Gräfenthal (Thür. Schiefergebirge) nachgewiesen, welcher aus Bayern zugewandert sein könnte.

    Ausrottung

    Mit Beginn der großen Rodungswellen infolge der zunehmenden Kultivierung der Landschaft durch den Menschen verringerte sich der Lebensraum des auf größere Waldgebiete angewiesenen Luchses schon im Mittelalter zunehmend. In der früheren Gesellschaft hatte dieser große Beutegreifer einen schlechten Stand und wurde als „Schädling“ für Nutztiere und Jagd betrachtet. Die Intensität der Nachstellung begründete sich jedoch auch durch den früheren, hohen Wert seines Fells, welches sich selbst bis in die Türkei teuer verkaufen ließ. Auch das Fleisch des Luchses wurde in elitären Kreisen als Delikatesse geschätzt.

    Lebensraumverlust und Nachstellung führten zur allmählichen Verdrängung des Luchses in die noch reichlich bewaldeten mitteleuropäischen Gebirge. Doch auch hier währte der Luchs nicht mehr lange. So wurde u. a. der letzte Luchs des Harzes am 17. März 1818 bei Lautenthal erlegt. Am 14. März 1819 wurde im Rahmen einer großangelegten, mehrtägigen Verfolgung der letzte Luchs in Thüringen bei Luisenthal (Thür. Wald) geschossen. Bei diesem Luchs dürfte es sich nach Auswertung der historischen Literatur, Fehlen von Luchsbestätigungen in den Jahren zuvor, allerdings schon nicht mehr um einen „eingeborenen Luchs“ sondern um einen aus dem Osten zugewanderten Luchs gehandelt haben.

    Wiedereinbürgerungen und Rückkehr nach Thüringen

    Alle derzeitigen Luchsvorkommen in Deutschland, den angrenzenden südlichen und weiter westlichen, europäischen Ländern sowie im Böhmerwald gehen auf Auswilderungsinitiativen zurück. Zwischen dem Jahr 2000 und 2006 wurden im niedersächsischen Teil des Harzes 24 Luchse ausgewildert. Diese Population reproduziert seitdem und breitete sich auch über den Harz hinaus aus. Im Jahr 2004 wurde dokumentiert, dass diese Luchse erstmals wieder thüringischen Boden betraten, seitdem traten sie in Thüringen hin und wieder auf. Am 2. Februar 2015 wurde zudem ein Luchs bei Gräfenthal (Thür. Schiefergebirge) nachgewiesen, welcher aus Bayern zugewandert sein könnte.

    Erste Reproduktion in Thüringen und das tragische Ende

    Im Mai 2015 wurde nach zwei Jahrhunderten erstmals wieder die Reproduktion von Luchsen in freier Wildbahn in Thüringen nachgewiesen. Die der Harzpopulation entstammende, besenderte Luchsin "F 5" gebar in der Nähe von Silkerode (Nordthüringen) 5 Jungtiere. Allerdings fand die Luchsfamilie ein tragisches Ende. Am 5. Dezember 2015 fanden Spaziergänger die skelletierten Überreste von Luchsin "F 5". Da die Jungtiere zum Todeszeitpunkt des Muttertieres noch nicht selbstständig waren, muss von ihrem Ableben ausgegangen werden. Die sterblichen Überreste von Luchsin "F 5" wurden unter Hinzuziehung renommierter Experten und Verfahren eingehend untersucht.

    Der skelettierte Kadavers ließ keine eindeutige Klärung der Todesursache zu. Als Todesursache wird eine Kachexie (Unterernährung mit Folge des Verhungerns) des Muttertieres nicht ausgeschlossen. Knochenfettanalysen und die starke Beanspruchung des Muttertieres durch die Versorgung ihrer außergewöhnlich vielen Jungtiere sprechen für diese These. Eindeutig lässt sich die Todesursache von Luchsin "F 5" jedoch nicht mehr klären.

    Artporträt
    • Charakteristische Merkmale: Pinselohren, Stummelschwanz, Backenbart, Hochbeinigkeit
    • Kopf-Rumpf-Länge: ca. 85 cm bis ca. 110 cm
    • Schulterhöhe: ca. 50 cm bis 75 cm
    • Gewicht: ausgewachsene männliche Luchse: ca. 20 bis 25 kg (max. 40 kg); ausgewachsene weibliche Luchse: ca. 15 bis 20 kg
    • Nahrungsbedarf: durchschnittlich 1 kg bis 1,5 kg Fleisch pro Tag
    • Beute: Kleinsäuger bis Jungtiere vom Rotwild, Vögel, Insekten
    • Jagdmethode: Auflauern des Beutetieres oder Anpirschen. Beutetiere werden durch kurze Sprints oder kräftige Sprünge verfolgt. Die Katze nutzt hierbei auch ihre scharfen Krallen zum Überwältigen der Beute und tötet größere Tiere durch Biss in die Drossel oder kleinere Tiere auch durch Biss in den Nacken. Größere Tiere, z. B. ausgewachsene Rehe, werden nicht auf einmal gefressen, sondern der Luchs zehrt mehrere Tage davon.
    • Fortpflanzung: Luchsinnen sind ab dem 22 Lebensmonat geschlechtsreif, die männlichen Tiere (Kuder) ab 33 Lebensmonaten
    • Paarungszeit: Februar/ März
    • Tragzeit: 63 bis 75 Tage
    • Gebärzeit: April bis Juni
    • Wurfgrößen: i. d. R. 2 bis 3 Jungtiere
    • Aufzucht: Die Jungtiere öffnen nach 7 bis 17 Tagen die Augen und nehmen ab der 5.Lebenswoche feste Nahrung zu sich. Im Alter von 3 Monaten begleiten sie die Mutter auf den Jagdausflügen. Väterliche Tiere beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Mit Eintreten der Paarungszeit löst sich der Familienverband auf
    • Lebensweise: Einzelgänger (außerhalb der Ranz und Aufzuchtzeit)
    • Sinne: Hör- und Sehvermögen sind ausgezeichnet und übertreffen die des Menschen bei weitem
    • Alter: in Gefangenschaft bis 25 Jahre, in freier Wildbahn bis deutlich unter 20 Jahre
    • Reviergrößen: mehrere 100 qkm bis über 1000 qkm
    Schutzstatus

    Der Luchs unterliegt sowohl dem Naturschutz- als auch Jagdrecht. Nach dem Jagdrecht ist er ganzjährig geschont bzw. darf nicht bejagt werden. Naturschutzrechtlich ist der Luchs international nach der Berner Konvention und dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. In einzelnen Ländern mit einer robusten Population darf er kontrolliert bejagt werden.

    In der EU-Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) wird der Luchs im Anhang II (Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und im Anhang IV (auch außerhalb von Schutzgebieten streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse) geführt. Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt den Luchs nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 Buchstabe b)  zu einer streng geschützten Art.

    Ausblick

    Im Gegensatz zum Wolf ist der Luchs kein Lebensraumgeneralist, sondern an größere Waldkomplexe gebunden. Der jährliche Populationszuwachs ist im Vergleich zum Wolf deutlich geringer. Er liegt jährlich bei maximal 0,6 Jungtieren pro Weibchen. Die Weitwanderer unter den Luchsen sind i.d.R. nur die männlichen Tiere. Die Art ist in Deutschland hohen Gefahren durch den Verkehr, aber auch durch die illegale Nachstellung ausgesetzt. Auch Krankheiten (z. B. Räude) können den kleineren Luchspopulationen empfindlich zusetzen. Langfristig bedarf es einer Vernetzung der Luchspopulationen innerhalb Deutschlands und der Nachbarländer, um einer langfristigen genetischen Verarmung und dem dadurch erhöhten Aussterberisiko zu begegnen.

  • Am 28.11.2018 ist die überarbeitete Richtlinie Wolf/Luchs in Kraft getreten. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Herdenschutzes und der ökonomischen Situation für die Weidetierhaltung in Thüringen. Auf Grundlage der Richtlinie können Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Wolfsübergriffen auf Weidetiere gefördert werden. Tierhalter, die von einem Wolfsriss betroffen sind, können einen Antrag auf Entschädigung stellen. Seit 1. Januar 2017 ist auch die Regulierung von Schäden durch den Luchs möglich.

    Meldung von durch mutmaßlich vom Wolf oder vom Luchs verursachte Nutztierrisse  

    Bitte kontaktieren Sie bei mutmaßlich durch Wolf oder Luchs verursachte Schäden an Nutztieren folgende Nummer: 0361 - 57 39 41 941 (die Entgegennahme von Schadensmeldungen erfolgt ganztägig).

  • Antragsverfahren und Zuständigkeiten, Kontakt zum Rissgutachter, Herdenschutzhundeberatung und weitere Hinweise

    Mit der Erweiterung des Wolfsgebietes auf ganz Thüringen wurde eine flächendeckende Förderkulisse für Herdenschutzmaßnahmen geschaffen. Präventionsmaßnahmen für einen optimalen Schutz vor Wolfsübergriffen auf Weidetiere können in einer Höhe von 100 Prozent gefördert werden. Maßnahmen zur Gewährleistung eines einfachen wolfsabweisenden Grundschutzes sind in einer Höhe von 40 Prozent förderbar. Auf Basis der Richtlinie sind unter anderem Netzzäune mit Weidezaungeräten, ein Untergrabungsschutz bestehender Zäune, Breitbandlitzen an den Zäunen sowie die Anschaffung von Herdenschutzhunden förderfähig. Tierhalter, die von einem Wolfs- oder Luchsriss betroffen sind, können einen Antrag auf Entschädigung stellen. Wolfs- bzw. luchsbedingte Schäden, insbesondere der Verlust von Nutztieren oder Gehegewild und erlittene Sachschäden sowie damit verbundene Kosten für Tierarzt und Tierkörperbeseitigung können in einer Höhe von 100 Prozent ausgeglichen werden.

    Antragsteller sind grundsätzlich beihilfeberechtigt. Dem Antrag auf Entschädigung oder Förderung ist deshalb eine ausgefüllte De-minimis-Erklärung beizulegen. Bitte nutzen Sie hierfür die folgenden abrufbaren Formulare und beachten Sie bei Bedarf die Erläuterungen zur De-minimis-Erklärung.

    Nach den bisherigen Erfahrungen im Herdenschutz wird die Anschaffung von Elektrozäunen mit einer Mindesthöhe von 120 cm oder bei geringerer Zaunhöhe (≥ 90 cm) mit einer in 120 cm Höhe verlaufenden, elektrifizierbaren und im Wind leicht beweglichen Breitbandlitze von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) als optimaler Schutz empfohlen. Der Abstand zwischen der Breitbandlitze und dem Elektronetz/den Litzen sollte 30 cm nicht überschreiten. Die bewegliche Breitbandlitze irritiert den Wolf, wodurch er davon abgehalten wird, den Zaun zu überspringen. Niedrigere Elektrozäune (≥ 90 cm) können alternativ auch in Kombination mit Herdenschutzhunden eingesetzt werden.

    Bewilligungsbehörde für Anträge auf Förderung von Präventionsmaßnahmen und Schadensregulierung ist die obere Naturschutzbehörde:

    Thüringer  Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN)
    Außenstelle Weimar, Dienstgebäude 2
    Abteilung 3, Referat 33
    Carl-August-Allee 8 – 10
    99423 Weimar

    Ansprechpartner:

    • Herr Jens Hermann (Tel.: 0361-57 332 1335 oder E-Mail)
    • Herr Wenzel Wolff (Tel.: 0361-57 332 1390  oder E-Mail)
    Meldung von Nutztierrissen, mutmaßlich durch Wolf oder Luchs verursacht

    Bitte kontaktieren Sie bei mutmaßlich durch Wolf oder Luchs verursachte Schäden an Nutztieren folgende Nummer: 0361 - 57 39 41 941 (die Entgegennahme von Schadensmeldungen erfolgt ganztägig).

     

  • Für das langfristige Überleben beider Arten in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft steht auch Thüringen in Verantwortung. Ziel des hiesigen Wolf- und Luchsmanagements ist es, beiden Arten eine dauerhafte Existenz in Thüringen zu ermöglichen. Zusätzlich soll der Erhaltungszustand der jeweiligen länderübergreifenden Populationen verbessert werden. Das Wolf- und Luchsmanagement wird durch das Thüringer Umweltministerium koordiniert.

    Die Rückkehr von Wolf und Luchs stellen insbesondere in einer dicht besiedelten und intensiv genutzten Kulturlandschaft eine besondere Herausforderung dar. Beide Arten, v .a. der Wolf, können Konflikte mit der Weidetierhaltung begründen. Der Konfliktminimierung kommt somit eine besonderen Rolle zu. Hier ist die Förderrichtlinie Wolf/Luchs ein Instrument, um betroffenen Nutztierhaltern etwaige Schäden zu ersetzen oder Schäden durch den Wolf durch die Förderung von Präventionsmaßnahmen zu verringern bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen.

    Nach wie vor sind die Themen Luchs und insbesondere der Wolf emotional besetzt,. Dadurch kann die Akzeptanz beider Arten leiden. Häufig geäußerte Befürchtungen und Sorgen können oftmals mit sachlichen Argumenten entkräftet werden. Einseitige Romantisierung und das Verschweigen möglicher Konflikte sind jedoch ebenso wenig hilfreich. Zur Steigerung der Akzeptanz und des Vertrauens der Bürger in das Management von Wolf und Luchs sieht sich das TMUEN einer strikt objektiven Öffentlichkeitsarbeit nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand und der geltenden Rechtslage verpflichtet. Dabei soll möglichst zeitnah zum Wolfs- und Luchsgeschehen in Thüringen berichtet werden.

    Intensives Monitoring und Statistik über Risse von Nutztieren

    Um verbesserte Informationen zur Verbreitung von Luchs und Wolf in Thüringen zu erhalten, wurde das Monitoring, also die  Beobachtung der Arten in der Natur, im 3. Quartal 2017 gemeinsam mit dem Landesjagdverband Thüringen e. V. und dem NABU Thüringen e. V. nochmals verstärkt. So konnte Mitte Oktober 2017 erstmals per Fotofalle nachgewiesen werden, dass die Wölfin von Ohrdruf Nachwuchs mit einem Haushund gezeugt hatte.

    Das Management für die Großbeutegreifer folgt einem dynamischen Ansatz, indem je nach Situation und Kenntnisstand Maßnahmen angepasst oder weiterentwickelt werden. Abstimmungen von Managementmaßnahmen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, anderen Bundesländern, dem Bund und auch auf europäischer Ebene sind dabei unumgänglich. Auf Landesebene werden Tierhalter-, Naturschutz-, Jagdverbände, die Landesforstanstalt, der Bundesforst sowie andere Behörden regelmäßig über die beim TMUEN angesiedelte Arbeitsgruppe "Wolf und Luchs" in das Management einbezogen.

    • Ansprechpartner des TMUEN für das Wolf- und Luchsmanagement: Herr Manuel Hoffmann (Tel.: 0361 - 57 39 11 443 oder per E-Mail) oder Herr Sebastian Rogahn (Tel.: 0361 57 39 11 465 oder per E-Mail)
    • Wolf – und Luchstelefon des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau u. Naturschutz: Tel.: 0361 – 57 39 41 941 oder per E-Mail

    Eine Statistik der jährlich verzeichneten Nutztierrisse führt die TLUG.

    Wolfsmanagementplan

    Bereits vor Sichtung des ersten Wolfes im Mai 2014 nahe Ohrdruf hat eine Arbeitsgruppe unter Vorsitz des Thüringer Umweltministeriums einen Wolfsmanagementplan erarbeitet. Der Wolfsmanagementplan informiert über den Wolf und wirbt für seine Akzeptanz. Zugleich werden potentielle Konflikte benannt und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

    Der  vorliegende Plan Wolf  bezieht  sich  ausdrücklich auf das Gebiet des Freistaates Thüringen. Die fachliche Grundlage für den Managementplan bildet das Fachkonzept „Leben mit  Wölfen: Leitfaden für den Umgang mit einer konfliktträchtigen Tierart  in Deutschland“ (Reinhardt & Kluth 2007) sowie die „Guidelines  for  Population Level Management Plans for Large Carnivores in Europe“  (Linnell et al. 2008), das  im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz erstellt wurde.

    Der  Managementplan für Thüringen soll zum möglichst konfliktarmen Miteinander von Mensch und  Wolf beitragen.  Ein  erstes  Ergebnis  daraus war die  Ausweisung  des  ersten Thüringer Wolfsgebietes „Zentrum Standortübungsplatz Ohrdruf plus 30 Kilometer Umkreis“  mit Wirkung vom 1. Juni 2015 als Kulisse für die Förderung des Herdenschutzes. Die mit Wirkung vom 28. November 2018 in Kraft getretene neue Förderrichtlinie Wolf/Luchs ermöglicht nunmehr Zuwendungen für den Herdenschutz im gesamten Freistaat. Die Publikation enthält Kontaktdaten weiterer Ansprechpartner. Der Wolfsmanagementplan wurde Ende 2015 in aktualisierter Form veröffentlicht und wird derzeit überarbeitet. Der neue Wolfsmanagementplan wird voraussichtlich Mitte des Jahres 2019 fertiggestellt sein. Die derzeitige Fassung kann hier heruntergeladen werden.

  • Statistik der jährlich verzeichneten Nutztierrisse

    Wolf (Canis lupus) und Luchs (Lynx lynx)

    In Thüringen ist der Wolf seit 2014 wieder heimisch, auch der Luchs findet in den großen zusammenhängenden Waldgebieten des Freistaats einen günstigen Lebensraum.

    Mit der Rückkehr dieser Großraubtiere gehen Herausforderungen einher: Zum einen ist ein weitestgehend konfliktarmes Miteinander zu gestalten und zum anderen gilt es, den Schutz dieser Tierarten sicher zu stellen. Durch nationale und internationale Abkommen geschützt, soll der Erhaltungszustand von Luchs und Wolf verbessert werden. Zur Erreichung dieses Ziels wurde ein „Managementplan für den Wolf in Thüringen“erarbeitet, in dem unter anderem Verbreitung, Biologie sowie Maßnahmen zur Schadensbegrenzung thematisiert werden.

    Innerhalb des Managements übernimmt die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) die Aufgaben des Monitorings und der Forschung. Unter Monitoring wird die Überwachung der Wolfs- bzw. Luchspopulation verstanden. Dazu werden bestimmte Methoden wie der Einsatz von Fotofallen genutzt, um unter anderem mehr über das Vorkommensgebiet der Arten in Erfahrung zu bringen.

    Darüber hinaus ist die TLUG auch für die Rissbegutachtung von vermeintlichen Wolf- bzw. Luchsrissen zuständig. Das heißt, Fachleute begutachten, bewerten und dokumentieren in diesen Fällen vor Ort das Geschehen.

  • Wolfsmonitoring

    Der Wolf ist nach nationalem und internationalem Recht streng geschützt. Gemäß  Artikel 11 der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie (FFH-RL) ergibt sich eine Verpflichtung zum Monitoring für diese prioritäre Anhang II Art. Um Aussagen über den Erhaltungszustand des Wolfes treffen zu können, werden mit Hilfe des Monitorings Daten über Größe und Trend der Population, ihrer Verbreitung und Gefährdungen erhoben und bewertet. Einmal im Jahr treffen sich die Monitoring-Beauftragten der Bundesländer und tragen die jährlich erhobenen Daten über Populationsgröße und Vorkommensgebiete zusammen. Darauf basierend wird die Mindestgröße der Population ermittelt und eine deutschlandweite Karte über die Wolfsterritorien erstellt. Darüber hinaus fließen Hinweise aus der Bevölkerung und einem aktiven Fotofallen-Monitoring in die Ergebnisdarstellung mit ein. Monitoring beinhaltet auch die Dokumentation und Sammlung von Spuren. Es gibt zahlreiche Hinweise, die auf die Präsenz von Wölfen, wie beispielsweise: Kot, Fell, Fährten, Sichtung, Urin etc., hindeuten.

    Grundsätzlich wird zwischen passiven und aktiven Monitoring unterschieden.

    Passives Monitoring

    ist die Sammlung von Anwesenheitshinweisen, die zufällig durch Dritte gemeldet und/oder gefunden werden. (Beispiel: Sie finden auf Ihrem Spaziergang eine Wolfslosung oder beobachten auf Ihrer Autofahrt einen Wolf) Das Melden von solchen Hinweisen ist sehr wichtig und leistet einen großen Beitrag zum landesweiten Monitoring! 

    Aktives Monitoring

    ist die gezielte Suche nach Anwesenheitshinweisen durch beispielsweise systematisches Fotofallenmonitoring, Telemetrie, Ausfährten etc.

    Bewertungskriterien für Hinweise von Wolf und Luchs (SCALP – Kriterien)

    An das Monitoring sind bundesweit einheitliche Anforderungen geknüpft, so dass eine Vergleichbarkeit zwischen den  Bundesländern möglich wird. Daraus resultierend hat das Bundesamt für Naturschutz 2015 bestimmte Standards, die sogenannten SCALP – Kriterien (Status and Conservation of the Alpine Lynx Population) für das Monitoring definiert bzw. festgelegt. Die ursprünglich für den Luchs formulierten Kriterien wurden um Wolf und Bär erweitert.

    SCALP ordnet Hinweise hinsichtlich ihrer Überprüfbarkeit in drei Kategorien: C1, C2, C3.

    Ergebnisse des Wolfsmonitoring

    Im Monitoringjahr* 2017/2018 wurden im gesamten Bundesgebiet 73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und 3 residente, territoriale Einzelwölfe gezählt. Davon leben die meisten in Sachsen und Brandenburg. Das Wolfsvorkommen verteilt sich derzeit auf 7 Bundesländer: Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Neben diesen residenten Vorkommen gibt es auch Einzelwölfe die durch Bundesländer streifen und noch kein Territorium etabliert haben. Diese Tiere fließen nicht mit in die Statistik ein.

    Weiterführender Link:

    DBBW – Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf 2018

    Wölfe im Freistaat Thüringen

    In Thüringen gibt es bisher nur einen residenten Einzelwolf, eine Fähe bei Ohrdruf. Dazu kommen immer wieder Meldungen über Sichtungen von durchziehenden Wölfen. Ein Wolf gilt erst dann als „residentes“ Tier, wenn er sich mindestens 6 Monate nachweislich in einem bestimmten Gebiet aufhält.

    Monitoringjahr *

    Anzahl

    Rudel

    Anzahl Paare

    Anzahl

    territoriale Einzeltiere

    Anzahl

    Territorien

    2014/20150011
    2015/20160011
    2016/20170011
    2017/20180011

    * = Ein Monitoringjahr entspricht nicht einem Kalenderjahr, sondern beginnt am 1. Mai eines Jahres und endet am 30. April des Folgejahres. Damit lehnt das Monitoringjahr sich an die Biologie des Wolfes an.

    Melden Sie Hinweise zu Wolf und Luchs

    Neben dem aktiven Monitoring, das die TLUG mit Kooperationspartnern im Freistaat Thüringen durchführt, sind auch Meldungen aus der Bevölkerung von großer Wichtigkeit. Hinweise sind beispielsweise Sichtungen, Losungsfunde, Fährten und mehr. Die erhobenen Daten dienen unter anderem als Grundlage für die jährliche Erstellung von Karten zu Vorkommensgebiet und Populationsgröße.

    Melden Sie Hinweise!

    Wolf-Luchs-Telefon: 0361 573 941 941

    Protokolle zu Wolf- und Luchshinweisen

  • Rissbegutachtung

    Der Wolf ist hinsichtlich seiner Beutewahl anpassungsfähig und ernährt sich von dem, was ihm die leichteste Beute ist.  Er ist Generalist und wird sich von dem ernähren, was für ihn am energieeffizientesten zu erbeuten ist. Unter den Wildtieren macht das Reh den Hauptanteil der Beutetiere aus. Es werden aber auch Hirsche und Wildschweine erbeutet. Tendenziell sind das junge, alte oder kranke Tiere und nicht wehrhafte, starke Tiere. Der Wolf macht keinen Unterschied zwischen Wild- und Nutztieren. Sind ihm Nutztiere leicht zugänglich, kann es vorkommen, dass er diese reißt.

    Nach der "Förderrichtlinie für die Gewährung von Zuwendungen und Billigkeitsleistungen zur Vermeidung oder Minderung wirtschaftlicher Belastungen durch den Wolf/Luchs (Richtlinie Wolf/Luchs)" kann der geschädigte Tierhalter/ die geschädigte Tierhalterin einen Antrag auf Schadensausgleich stellen. Voraussetzung dafür ist eine Rissbegutachtung. Laut Förderrichtlinie besteht kein Rechtsanspruch auf Gewährung von Billigkeitsleistungen. Die Bewilligungsbehörde entscheidet im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel nach pflichtgemäßem Ermessen.

    Nutztierschäden melden innerhalb von 24 Stunden: Wolf-Luchs-Telefon: 0361 573 941 941

    Ziel der Rissbegutachtung ist es den Schadensverursacher herauszufinden. Das bei der Rissbegutachtung erstellte Protokoll bildet die Grundlage für eine mögliche Billigkeitsleistung. Bei der Rissbegutachtung versucht der / die RissgutachterIn auf Spuren für typisches Tötungs- bzw. Fressverhalten des Wolfes zu achten. Bei Wildtierrissen können solche Anträge nicht gestellt werden. Dennoch ist die Meldung über ein gerissenes Wildtier von großer Wichtigkeit. Bitte melden Sie solche Hinweise (siehe Wolfsmonitoring)!

    In folgender Übersicht werden sämtliche an die TLUG im aktuellen Jahr gemeldeten Nutztierrissereignisse aufgelistet:

    Nutztierrisse in Thüringen im Jahr 2019

    Nutztierrisse in Thüringen im Jahr 2018

    Nutztierrisse in Thüringen im Jahr 2017

    Nutztierrisse in Thüringen im Jahr 2016 (Für das Jahr 2016 liegen keine Meldungen über Nutztierrisse in Thüringen vor)

    Nutztierrisse in Thüringen im Jahr 2015

  • Mit der Schaf-Ziegen-Prämie werden Schaf- und Ziegenbestände für Tierhalter, die in Thüringen Biotopgrünland bewirtschaften, gefördert. Schafe und Ziegen sind wichtige "Landschaftspfleger auf vier Beinen" - die Prämie soll dazu beitragen, dem Trend des massiven und anhaltenden Rückgangs der Schaf- und Ziegenbestände in Thüringen entgegenzuwirken und damit die Pflege wertvoller Offenland-Lebensräume durch Beweidung mittelfristig zu sichern. Unter Erfüllung der Förderbedingungen werden 25 € pro Tier und Jahr gezahlt. Aufgrund des EU-Beihilferechts werden im Jahr 2019 pro Betrieb maximal 5.000 Euro ausgereicht.

    Die Richtlinie zur Schaf-Ziegen-Prämie wurde am 17. Dezember 2018 im Thüringer Staatsanzeiger veröffentlicht und trat am 1. Januar 2019 in Kraft.

    Nachfolgend erhalten Sie die Förderrichtlinie sowie die Antragsunterlagen zur Gewährung einer Förderung von Schaf- und Ziegenbeständen für Tierhalter, die in Thüringen Biotopgrünland bewirtschaften. Im Merkblatt zur Antragstellung 2019 finden Sie eine Kurzinformation zum Förderantrag.

    Richtlinie: Schaf-Ziegen-Prämie (89.2 kB)
     

    SchaZi: Besondere Nebenbestimmungen (62.7 kB)
    für Zuwendungen zur Projektförderung nach der Richtlinie über die Schaf-Ziegen-Prämie (BNBest-P-Schaf)
     

    Merkblatt zur Antragstellung 2019 für die Schaf-Ziegen-Prämie (569.8 kB)
     

    De-minimis-Erklärung zum Antrag Schaf-Ziegen-Prämie (124.0 kB)
     

    Formular für Antragsteller, die nicht am InVeKoS teilnehmen (81.0 kB)
     

    Nachweis der bewirtschafteten Grünlandflächen zum Antrag Schaf-Ziegen-Prämie (51.9 kB)
     

    Formular für Teilnehmer am InVeKoS (81.2 kB)
    Antragsformular für Teilnehmer am InVeKoS
     

    Merkblatt: Informationspflicht bei Erhebung von personenbezogen Daten bei der betroffenen Person (Artikel 13 DS-GVO) (96.1 kB)

  • Unter der Telefonnummer 0361 - 57 39 41 941 können Sie das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutzfür (TLUBN) bei Fragen rund um den Wolf und Luchs kontaktieren oder z. B. auch Sichtungen mitteilen.

Lebensräume und Landschaften

Wald und Wiese, Bach und Sumpf

Thüringens einmalige Naturausstattung umfasst eine Vielzahl von natürlichen und naturnahen Lebensräumen (Biotopen). Allein 90 verschiedene Typen, angefangen bei Mooren, Sümpfen und Feuchtwiesen über Wälder bis hin zu Trockenrasen und Binnensalzstellen kommen in unserer unmittelbaren Umgebung vor. Sie sind Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen, prägen das für Thüringen typische Landschaftsbild und sind nicht zuletzt als Naherholungsziel für uns Menschen von großer Bedeutung.

Überzeugen Sie sich von der Vielseitigkeit der Thüringer Lebensräume und Landschaften:

Landschaft – vom Menschen geprägt

Viele dieser Lebensräume, auch ganze Landschaften, haben ihren Ursprung im Wirken des Menschen. So entstanden z.B. die artenreichen Bergwiesen des Thüringer Waldes durch regelmäßige Mahd oder Beweidung. Heute sind solche Lebensräume durch konkurrierende Nutzungsansprüche und veränderte Nutzungsbedingungen bedroht. Für den Erhalt der Thüringer Vielfalt an Lebensräumen und den typischen Landschaftsformen sind besondere Schutz- und Pflegemaßnahmen notwendig. Für einige Lebensräume, z.B. naturnahe Buchenwälder oder Steppenrasen, trägt Thüringen sogar internationale Verantwortung. Geht dieser Teil der biologischen Vielfalt in Thüringen verloren, ist auch das Gesamtvorkommen gefährdet.

Binnensalzstellen

Einzigartige Salzige Landschaft

Das Kyffhäusergebirge und seine Umgebung bieten ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Vielen dürften die trockenen Gipshänge des Kyffhäusers und die alten Laubwälder der Hainleite, welche die fruchtbaren Täler der Goldenen und Diamantenen Aue säumen, bekannt sein. Doch es gibt noch andere Kostbarkeiten zu entdecken – die naturnahen Binnensalzstellen. Hier wachsen Pflanzen, die in Europa hauptsächlich an den Meeresküsten vorkommen.

  • Für die Menschen war das Salz in der Vergangenheit so kostbar wie Gold. Für die meisten Pflanzen ist es eher Gift. Dennoch haben es einige Pflanzen geschafft, sich diesen schwierigen Bedingungen anzupassen. Sie haben hier einen Konkurrenzvorteil gegenüber den Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften, die sie auf den „süßen“, nicht salzbeeinflussten Böden verdrängen würden.
    Dies schaffen sie durch verschiedene Tricks. So kann das Strand-Milchkraut (Glaux maritima) überschüssiges Salz aus speziellen Drüsen ausscheiden. Andere schwächen die schädigende Wirkung des Salzes ab, indem sie Wasser in ihren Zellen einlagern. Viele Salzpflanzen erscheinen deshalb dickfleischiger bzw. aufgequollen, wie zum Beispiel der Queller (Salicornia europaea).

    Hauptgrund für das Vorkommen der Salzwiesen im Binnenland ist das Vorkommen von Steinsalz nahe der Erdoberfläche. Die Salzlagerstätten bildeten sich aus dem Zechsteinmeer vor 255 Millionen Jahren. In geologischen Störungszonen kann salzhaltiges Grundwasser an die Oberfläche treten. Dies geschieht beispielsweise in Artern, Bad-Frankenhausen und an der Numburg nahe des Stausees Kelbra als schüttende Salzquelle.
    Im Esperstedter Ried und den Kachstedter Salzwiesen, aber auch in der Solwiese nordwestlich der Numburg gibt es diffuse Salzwasseraufstiege, die zu einer Anreicherung des Bodens mit Natriumchlorid führen. Für die Ausprägung der Binnensalzstellen spielt weiterhin das Klima um den Kyffhäuser mit den geringen Niederschlägen eine entscheidende Rolle. Die Niederschlagsarmut verhindert ein stärkeres Auswaschen der Salze in den Untergrund. Längere Trockenzeiten führen durch Verdunsten des salzhaltigen Grundwassers zu einer Anreicherung der Salze in den oberen Bodenschichten und schaffen günstige Bedingungen für die Salzpflanzen.

    Es ist zu bemerken, dass die Verbreitungsschwerpunkte von zahlreichen im Gebiet anzutreffenden salzverträglichen Pflanzen, wie z. B. der Felsen-Beifuß (Artemisia rupestris) in den ariden Gebieten Osteuropas und Innerasiens liegen.

    Auch verschiedene Tiergruppen haben sich die salzbeeinflussten Bereiche erschlossen. Hier gibt es hochspezialisierte und zum Teil gefährdete Käfer-, Mücken- und Wanzenarten. Auf den großflächigeren salzbeeinflussten Grünlandbereichen fühlen sich auch Wiesenbrüter wie Kiebitz, Bekassine oder gar Wachtelkönig wohl. Selbst der Storch geht hier auf Nahrungssuche.

    Wer sich noch ausführlicher über die Binnensalzstellen und andere Lebensräume um den Kyffhäuser sowie kulturhistorische Besonderheiten der Region informieren möchte, der sollte unbedingt im Regionalmuseum im Schloss Bad-Frankenkenhausen vorbeischauen.

  • EU-Life Projekt

    "Erhaltung und Entwicklung der Binnensalzstellen Nordthüringens" (2003 - 2008)

    LIFE ist ein Förderprogramm der Europäischen Kommission zur Unterstützung von innovativen Projekten in den Bereichen Umwelt, Naturschutz und Drittländer. Das EU-Life Programm gibt es seit 1992.
    Durch Life-Natur werden Naturschutzmaßnahmen gefördert, die der Sicherung von Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten dienen, die als europäisches Naturerbe gelten.
    Die Maßnahmen der beantragten Projekte müssen deshalb in Gebieten stattfinden, die als Schutzgebiete nach der FFH- Richtlinie oder der EU- Vogelschutzrichtlinie an die Europäische Kommission gemeldet sind.
    Damit tragen Life-Projekte zur Sicherung des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 bei.

    Projektlaufzeit

    01.09.2003 – 31.08.2008

    Projektgebiete

    Das Projektgebiet hat eine Gesamtfläche von ca. 850 ha und gliedert sich in folgende vier Teilgebiete:

    Projektgebiet „Numburger Westquelle“
    Flächengröße ca. 44 ha Teilfläche des FFH-Gebietes 11 „Kyffhäuser - Badraer Schweiz - Solwiesen“

    Projektgebiet „ Salzwiesen bei Kachstedt“
    Flächengröße ca. 8 ha Teilfläche des FFH-Gebietes 15 „Esperstedter Ried - Salzstellen bei Artern“

    Projektgebiet „ Esperstedter Ried“
    Flächengröße ca. 800 ha Teilfläche des FFH Gebietes 15 „Esperstedter Ried - Salzstellen bei Artern“

    Projektgebiet „Artener Solgraben“
    Flächengröße ca 1,3 ha Teilfläche des FFH Gebietes 15 „Esperstedter Ried - Salzstellen bei Artern“

    In den Projektgebieten befinden sich mit die größten und artenreichsten naturnahen Binnensalzstellen Deutschlands mit einer Gesamtfläche von ca. 75 ha. Sie entsprechen dem prioritären Lebensraumtyp "Salzstellen des Binnenlandes" (Code: 1340) des Anhang I der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie.

    Ziele und Maßnahmen

    Mit dem EU-Life Projekt, das von der Europäische Kommission (75%) und dem Freisstaat Thüringen (25%) gefördert wurde, sollten die Binnensalzstellen erhalten und entwickelt werden. Die Gesamtkosten des Projektes betrugen 2.440.050 Millionen Euro.

    Um dieses Ziel zu erreichen, waren folgende Maßnahmen vorgesehen:

    • Erarbeitung von Managementplänen für alle Projektgebiete
    • Erwerb von Land (geplante Maßnahmen können besser durchgeführt werden und Flächen können dauerhaft gesichert werden).
    • projektbegleitendes Flurneuordnungsverfahren im Esperstedter Ried
    • naturschutzfachliche Optimierung des Wasserregimes im Esperstedter Ried durch Sanierung von Wasserbauwerken, Grabenräumung, Sanierungsmaßnahmen am Schwarzburger Flutgraben und Schaffung einer hydraulischen Abtrennmöglichkeit für den Westteil des Esperstedter Riedes, den „Seehäuser Sack"
    • Ausweitung der extensiven Grünlandwirtschaft u. a. durch Zäunung neuer Weideflächen
    • Biotopgestaltende Maßnahmen wie z. B. das Herstellen von Feuchtmulden
    • Zurückdrängung von Schilfbeständen durch Mahd

    Ergebnis

    Endbericht „Erhaltung und Entwicklung der Binnensalzstellen Nordthüringens“

    Im Ausland

    Ein weiteres durch die EU- Kommission gefördertes Projekt mit Binnensalzstellen ist das Projekt
    „ Restoration of pannonic steppes, marshes of Hortobágy National Park“ in Ungarn: www.hnp.hu/~life2002

    Natürliche Lebensräume (Natura 2000)
    Information der Europäischen Kommission auf Englisch

  • Binnensalzstellen an der Numburger Westquelle/ Von Urrindern geschützt und erhalten


    Die Numburg war eine der bekanntesten Binnensalzstellen. Aber der Standort hat dann einschneidende Eingriffe erlebt. Von den ehemaligen weitläufigen Salzwiesen wurden 80% durch den Aufstau des Kelbra-Stausees 1967 überflutet.
    Diese Restflächen befinden sich heute hauptsächlich in der Nähe der salzhaltigen Numburger Westquelle unweit des südwestlichen Endes vom Kelbraer Stausee in Richtung Auleben. Ihr Wasser fließt in einem Graben nördlich ins Lange Rieth ab.
    Rechts und links vom Salzgraben, auch Solbach genannt befinden sich salzbeeinflusste Grünlandbereiche. Vor allem die westlich gelegenen sind am besten erhalten.
    Dies bewirken die Heckrinder, die seit 1998 den Fortbestand der Salzvegetation sichern und Schilf und Quecke wenigstens in Teilbereichen zurückdrängen. Sie sind eine Nachzüchtung unserer ausgestorbenen Auerochsen, sehr robust und kommen gut mit den recht nassen Verhältnissen im Ried zurecht. Wenn sie mit ihren wuchtigen Körper und weit ausladenden Hörnern aus dem Schilf auftauchen, fühlt man sich in andere Zeiten versetzt. Doch Vorsicht, manchmal werden diese urigen Tiere auch auf der anderen Seite des Zaunes gesehen.

    Für den Besucher gefahrloser aufzusuchen, sind die Salzpflanzen am Feldweg, der am Solbach entlang führt. Hier können u.a. Strand-Milchkraut (Glaux maritima), Strandwegerich (Plantago maritima), Strand-Dreizack (Triglochin maritimum), Strandbinse (Juncus gerardii) und Queller (Salicornia europaea) aufgefunden werden.

    In der Vergangenheit gestaltete sich nicht nur der Aufstau des Kelbraer Stausees als nachteilig für die Salzflora. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Solwiese umgebrochen und versucht, Strandbeifuß (Artemisia maritima) als Droge anzubauen. In den 1960er Jahren wurden die salzbeeinflussten Bereiche unter Naturschutz gestellt und die bis dahin stattfindende zweischürige Mahd verboten. In Folge dessen verloren die Flächen zusehends an Qualität. Anhand dieser Beobachtungen wurde von Botanikern erstmals sicher festgestellt, dass die Binnensalzstellen durch Einflüsse des Menschen entstanden sind und von Natur aus nicht in den Größenordnungen und Ausprägungen vorkommen würden, wie dies heute der Fall ist.
    Ab Anfang der 1980er Jahre kam es durch Salzwassereinbrüche in den nahen Kupferschieferrevieren dazu, dass die Quelle teilweise ganz versiegte und die Grundwasserstände auf der Solwiese sanken. Erst nach Aufgabe des Kupferschieferbergbaues um 1991 schüttet die Quelle wieder ununterbrochen.
    All diese aufgeführten Ursachen führten zu einem beträchtlichen Artenverlust. Von den ehemals 42 Salzpflanzenarten können heute nur noch 24 nachgewiesen werden. Unter anderen gingen Stielfrüchtige Salzmelde (Halimione pedunculata), Strandsode (Suaeda maritima) und Wiesengerste (Hordeum secalinum) verloren.

    Die Bedingungen zur Erhaltung der Binnensalzstelle an der Numburg haben sich im vergangenen Jahrzehnt wieder deutlich verbessert. Zukünftig wird vor allem die Ausweitung der extensiven landwirtschaftlichen Nutzung und die Zurückdrängung des Schilfes über den Fortbestand der Salzvegetation entscheiden. Dafür stehen Mittel aus dem EU-LIFE-Projekt zur Verfügung.

    Die Feuchtwiesen um den Stausee Kelbra sind ebenso EG-Vogelschutzgebiet. Hier kommen seltene und gefährdete Arten wie Wachtelkönig, Bekassine und Kiebitz vor. Die salzbeeinflussten Grünlandbereiche, mit ihrer zumeist niedrigen Vegetation werden gerne als Brut- oder Nahrungsplatz aufgesucht.

  • Kachstedter Salzwiesen - Versteckte Schönheit mit Aussicht


    Wenn man in das drei Kilometer nordwestlich von Artern entfernte Kachstedt kommt, scheint die Zeit etwas langsamer zu verstreichen. Die Verbindungsstraße endet hier und man sieht gelegentlich, wie Einwohner mit Pferden ihr Land bestellen oder die Ernte einbringen.
    Ortskundigen sind sicher die steilen Hänge um Kachstedt bekannt. Im zeitigen Frühjahr leuchten dort die gelben Blütensterne der Adonisröschen, im Sommer die roten Kirschen.

    Dem Naturliebhaber bietet sich aber noch eine bisher wohl kaum bekannte Seltenheit. Am südwestlichen Ortsende, versteckt hinter dem Bahndamm der ehemaligen Kleinbahn, befinden sich salzbeeinflusste Feuchtwiesen und -weiden, die mit Entwässerungsgräben durchzogen sind. Zugegeben, die Salzflora ist nicht so leicht zu entdecken. Aber im Frühjahr, wenn die Rinder noch nicht auf der Weide sind und die Vegetation niedrig ist, lohnt es sich - am besten mit Stiefeln - auf Entdeckungsreise zu gehen. Wenn man später im Jahr die von Schilf beeinflussten Bereiche durchstreift, muss man sich ganz schön anstrengen. Jetzt kann man nachvollziehen, wie schwer es die kleinen und lichtliebenden Salzpflanzen haben und auf eine Befreiung vom übermächtigen Schilf warten.
    Zu den besonders bemerkenswerten Arten zählen der Wilde Sellerie (Apium graveolens), das Salz-Hasenohr (Bupleurum tenuissimum) und die sehr seltene Gerstensegge (Carex hordeistichos). Die letztgenannte Art ist hier in Thüringen mit einem der größten Bestände Mittelthüringens anzutreffen. Insbesondere die Beweidung durch Rinder ist für ihr Wachstum förderlich.
    Von den seit der floristischen Erforschung um Kachstedt bekannt gewordenen 31 Salzpflanzen können heute noch 24 angetroffen werden. Zu den verschollenen Arten gehören u. a. Queller (Salicornia europaea), Stielfrüchtige Salzmelde (Halimione pedunculata), Strandsode (Suaeda maritima) und Salztäschel (Hymenolobus procumbens).
    Erwähnenswert ist, dass die umliegenden Feuchtgebiete in der Mitte des 19. Jahrhunderts trockengelegt und zu Ackerland umgewandelt wurden. Dabei gingen salzbeeinflusste Grünlandbereiche verloren, die sich ursprünglich bis Borxleben hinzogen. Auch die Kachstedter Salzwiese war zeitweilig Acker. Die allzu nassen Verhältnisse und der Salzgehalt des Bodens ließen aber keine nennenswerten Erträge zu. Nach Aufgabe des Ackerbaus fand eine erstaunliche Regeneration der Salzflora statt.

    Ein Erlebnis sind hier aber nicht nur die Salzpflanzen. Mit etwas Glück sind Fasane zu beobachten und vom Bahndamm aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Kyffhäusergebirge. Manche behaupten, es wäre der schönste überhaupt, den man auf das erhabene und geschichtsträchtige Gebirge hat.
    Diese Komposition von unterschiedlichen Naturschönheiten machen die Reise nach Kachstedt zu einem besonderen Erlebnis.

    Durch das EU-LIFE-Projekte wird es möglich, die kaum bekannten Salzwiesen bei Kachstedt der Öffentlichkeit näher zu bringen. Dies geschieht unter anderem durch das Aufstellen einer Informationstafel.

  • Salzstellen im Esperstedter und Ringleber Ried - Salziger Reichtum im Naturpark Kyffhäuser

    Das Esperstedter Ried erstreckt sich unweit von Bad Frankenhausen zwischen den Ortschaften Oldisleben, Esperstedt und Seehausen.
    Es ist eine ca. 500 ha große abflusslose Feuchtsenke, die durch Auslaugung der in ca. 300 m Tiefe liegenden Salzschichten entstanden ist. Dieser Prozess setzt sich langsam aber stetig fort. Zeuge dafür ist das aufsteigende Salzwasser, welches in Trockenzeiten offene Bodenstellen mit einer weißen Kruste überzieht.
    Sowohl von der Flächengröße als auch von der Anzahl der Salzpflanzenarten handelt es sich um die bedeutendste Binnensalzstelle Thüringens, wenn nicht sogar Deutschlands.
    Aus historischen Dokumenten ist nachzuvollziehen, dass hier ursprünglich mindestens 42 Salzpflanzenarten vorkamen. Davon können heute - trotz intensiver Grünlandnutzung in den 1970er und 1980er Jahren - immerhin noch 35 Arten nachgewiesen werden.
    Als Besonderheiten sind hier die Kleinblütige Schwarzwurzel (Scorzonera parviflora), die deutschlandweit nur noch auf zwei weiteren Fundorten in Sachsen-Anhalt anzutreffen ist, sowie der Dickblättrige Gänsefuß (Chenopodium botryodes) mit seinem einzigen Standort in Thüringen zu nennen.

    Neben dem Salzschwaden-Rasen (Puccinellietum distantis) kann man den Salzbinsenrasen (Juncetum gerardii) mit der namengebenden Salz-Binse (Juncus gerardii), Strand-Milchkraut (Glaux maritima), Strand-Dreizack (Triglochin maritimum) sowie Strand-Aster (Aster tripolium) relativ großflächig antreffen. Trotzdem ist es nicht einfach, diese Bereiche im Ried zu finden. Man muss schon genau hinsehen und sich etwas Zeit nehmen. Dies gilt auch für den Queller (Salicornia europaea). Nur im Herbst, wenn er sich wunderschön rot färbt, ist er leichter zu entdecken. Er kommt aber an nur sehr wenigen Stellen vor. Das Esperstedter Ried ist dem Einheimischen auch als „Rohrwiesen“ bekannt. Jahrhunderte kam hier hauptsächlich Schilf vor. Nach alten Aufzeichnungen war es für den Menschen ein nur schwer zu betretendes, von Schilfröhricht dominiertes Feuchtgebiet. Aus dem Tagebuch des Erbprinzen Friedrich Karl ist Folgendes zu entnehmen. "Den 12. Mai (1775) ging ich auf die Seehäuser Große Riede, allwo ich einen ungeheure Menge wilder Enten, die daselbst brüten, antraf. Man kann vor tiefen Schlamm nicht weit hineingehen, und der Hund kommt durch das dicke Rohr nicht hindurch. So ist schwer ankommen…. Die ansehnlichen Riede haben in den nassen Jahren einem offenbaren See gleich gesehen…“ Das Schilf wurde im Winter geschnitten und als Brennmaterial verwendet, auch für die nahe gelegene, energiehungrige Frankenhäuser Saline. Erst mit der Begradigung der Unstrut Ende des 19. Jahrhunderts und der Anlage eines ausgeklügelten Entwässerungssystems mit Gräben und Pumpen konnten die Flächen erstmals regelmäßig als Grünland genutzt werden. Hierbei war eine Heumahd der noch recht feuchten Wiesen üblich. Ein Beweiden mit Rindern oder Schafen war damals nicht üblich. Interessant ist, dass erst einhergehend mit der Melioration und Nutzung der Flächen auch die ersten botanischen Aufzeichnungen über Salzpflanzen zu finden sind. Zeitgleich mit der Zurückdrängung des Schilfes konnten sich diese offenbar ansiedeln bzw. flächig ausbreiten.

    Man kann davon ausgehen, dass im Verhältnis zur damaligen „Blütezeit“ der Salzpflanzen die Binnensalzstellen heute kleinflächiger verbreitet sind. Der Hauptgrund liegt in der starken Intensivierung der Grünlandnutzung in den 1970er und 1980er Jahren. Dies geht aus einer Aufzeichnung des bekannten mitteldeutschen Botanikers STEPHAN RAUSCHERT (1931-1986) eindrücklich hervor: „Auf den beiden großen Wiesenflächen …, auf denen ich 1973 die größten Bestände - etwa 100.000 Exemplare - von Scorzonera parviflora (Kleinblütige Schwarzwurzel) beobachtete, fand ich 1980 nur noch eine äußerst artenarme, aus 2-3 Grasarten bestehende, industriemäßig bewirtschaftete, mit Gülle überdüngte Futterfläche vor, auf der nicht ein einziges Exemplar von Scorzonera parviflora oder einer anderen Salzpflanze zu finden war.“

    Nach neuesten Studien hat sich die Binnensalzflora in den letzten Jahren stabilisiert.
    Dafür ist vor allem die Extensivierung der Flächennutzung seit den 1990er Jahren, die durch die Teilnahme am KULAP gefördert wird, verantwortlich.

    Zukünftig ist im Esperstedter Ried die Fortsetzung der extensiven landwirtschaftlichen Nutzung für den Erhalt und die Entwicklung der Binnensalzstellen, dieses europaweit so seltenen und einzigartigen Lebensraumes, unabdingbar.
    Grundvoraussetzung dafür ist die auf die Erhaltung der Binnensalzstellen ausgerichtete Steuerung des ausgeklügelten Graben- und Pumpsystems.

    Eine Hauptmaßnahme des EU-Life-Projektes im Esperstedter Ried ist deshalb die Wiederherstellung eines funktionsfähigen Entwässerungssystems.

    Broschüre Vogelwelt des Esperstedter Riedes

  • Arterner Solgraben - Salziges Erlebnis auf kleinstem Raum

    Arterner Solgraben ist schon seit 1935 Naturschutzgebiet. Hier ist auf kleinstem Raum eine große Zahl seltener und bedrohter Salzpflanzenarten zu finden. Wohl nirgendwo anders kann man die seltene Binnensalzflora so einfach und bequem in Augenschein nehmen. Am Fußweg, der neben dem Solgraben entlang führt, erschließen sich für den Besucher nahezu alle Salzpflanzenarten, die im Gebiet vorkommen. Die Strandaster (Aster tripolium) mit ihren violetten Blüten und der Strandbeifuß (Artemisia maritima) mit seiner silbrig glänzenden Erscheinung und würzigem Geruch sind für Jedermann leicht zu entdecken. Beide Arten sind im September besonders attraktiv. Genauer Hinschauen muss man schon beim zierlichen Salz-Hasenohr (Bupleurum tenuissimum), der Flügelsamigen Schuppenmiere (Spergularia maritima) - einem hübschen Nelkengewächs - oder dem Strandwegerich (Plantago maritima) mit seinen extrem schmalen lanzettlichen Blättern. Im sogenannten Salzsumpf, der zwischen einer kleinen Brücke und dem Friedhof liegt, sind weitere Entdeckungen möglich. Dem aufmerksamen Betrachter werden die vegetationslosen Flächen nicht entgehen. Hier ist die Salzkonzentration im Boden so hoch, dass keine Pflanze zu wachsen vermag.

    An den Randbereichen kommt der Queller (Salicornia europaea) vor, der von allen Pflanzen die höchste Salzkonzentration verträgt und die Flächen ab September bis zu den ersten Herbstfrösten in ein leuchtendes Rot färbt. Darin eingestreut sind die Stielfrüchtige Salzmelde (Halimione pedunculata) und die Strandsode (Suaeda maritima). Diese filigranen Salzpflanzenarten sind in ganz Thüringen auf den naturnahen Binnensalzstellen nur noch hier zu bewundern, doch leider recht schwer zu entdecken. Durch den relativ starken Salzeinfluss ist die Binnensalzstelle vom Arterner Solgraben nicht so an Pflegemaßnahmen gebundenen wie die anderen vorgestellten Gebiete. Dennoch ist eine regelmäßige Mahd oder Beweidung der Flächen und abschnittsweise Säuberung des Solgrabens anzustreben, um die Erhaltung und Ausweitung dieses salzigen Kleinodes zukünftig zu ermöglichen. Es wird angenommen, dass die Solquelle seit Tausenden von Jahren sprudelt. Sie bringt salzhaltiges Wasser aus ca. 200 m Tiefe hervor. Seit dem 15. Jahrhundert diente sie mit Unterbrechungen bis Mitte des 19. Jahrhunderts zur Produktion von Siedesalz. Dann traf man bei Bohrungen auf 26 Prozentiges Salzwasser. Der Salzgehalt der Sole musste bis dahin aufwendig in Gradierwerken erhöht werden. Wenn man sich mit der Geschichte der Arterner Saline befasst, kann man viel über die wechselvolle Geschichte und die Besitzansprüche unterschiedlicher Herrschaftshäuser erfahren. Als besondere Attraktion ist der Felsenbeifuß (Artemisia rupestris) zu nennen. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt in der Mongolei und Südsibirien. Er hat in Artern seine westlichste Verbreitungsgrenze und ist in ganz Deutschland nur noch hier anzutreffen. Weiterhin hat die Meer-Salde (Ruppia maritima), die als Wasserpflanze in den weniger verschlammten Abschnitten des Solgrabens zu finden ist, hier ihr einziges binnenländisches Vorkommen in Deutschland. Mit Hilfe des EU-LIFE-Projektes soll den extrem seltenen Arten mehr Lebensraum verschafft werden. Hierzu soll der Solgraben abschnittsweise gesäubert und in der Vergangenheit vorgenommene Aufschüttungen, die Teile der Salzstelle vernichteten, wieder abgetragen werden.

  • Die Landwirtschaft – ein unentbehrlicher Partner für die Erhaltung der Binnensalzstellen

    Bei der Salzvegetation des Binnenlandes handelt es sich vorwiegend um halbnatürliche Lebensräume, die durch extensive landwirtschaftliche Nutzung im Laufe der letzten Jahrhunderte entstanden ist. In der Naturlandschaft gab es die von Salzpflanzen besiedelten Bereiche vermutlich nur kleinflächig an Salzquellen sowie an von Großwild offen gehaltenen Stellen.
    Bei fehlender landwirtschaftlicher Nutzung werden die konkurrenzschwachen und lichtliebenden Salzpflanzen zumeist verdrängt. Hierbei sind vor allem das Schilf auf den nasseren Standorten und die Gemeine Quecke auf den trockeneren Standorten zu nennen. Beide Arten sind salzverträglich. Ähnliche Beobachtungen wurden auch auf dem salzbeeinflussten Grünland der Ostsee- und Nordseeküste gemacht.

    Weitere Gründe für den Verlust an Salzwiesen ist die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und nachteilige Veränderungen des Wasserhaushaltes.
    Die Landwirtschaft trägt für den Erhalt der Binnensalzstellen demzufolge eine hohe Verantwortung. Erfreulicherweise konnten die meisten der betreffenden Landwirte in den letzten Jahren als Partner gewonnen und für die Erhaltung dieses seltenen Lebensraumes sensibilisiert werden.

    Insbesondere die großflächige extensive Bewirtschaftung der Flächen, dass heißt ein Verzicht auf Pestizide, Neueinsaaten, Umbruch der Flächen und eine nur gemäßigte bis gar keine Düngung haben zu ersten Erfolgen bei der Sicherung dieses europaweit so seltenen Lebensraumes geführt.

  • Hier finden Sie Termine für Führungen in den Binnensalzstellen um das Kyffhäusergebirge durch Mitarbeiter des LIFE-Projektes:

    Zurzeit werden leider keine Termine angeboten

Steppenrasen

EU-LIFE Projekt "Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens" (LIFE07/NAT/D/000213)

Steppe in Thüringen? Ja - aber selten! Steppen sind baumlose Graslandschaften, die vor allem in sommertrockenen Gebieten mit weniger als 500 Millimeter Jahresniederschlag vorkommen. Auf den fruchtbaren Schwarzerde-Standorten Europas wurden sie fast vollständig für den Ackerbau umgebrochen. Lediglich auf Extremstandorten, wie an steilen Hängen und auf flachgründigen Plateaus, konnten die Steppenrasen kleinflächig überleben. In Deutschland sind heute weniger als 1000 Hektar zu finden, davon allein 400 Hektar in Thüringen. Sie weisen eine hohe Zahl von Tier- und Pflanzenarten auf, von denen die „Steppenreliktarten“, wie der Stängellose Tragant, die Violette Schwarzwurzel und die Zwerg-Heideschnecke, aufgrund geringer Ausbreitungsmöglichkeiten besonders gefährdet sind.

Da die Steppenrasen mit Gehölzen zuwachsen würden, muss dafür Sorge getragen werden, dass die traditionelle Beweidung mit Schafen und Ziegen langfristig gesichert wird.

Die besondere Bedeutung der Thüringer Steppenrasen als „Vorposten“ der großen osteuropäischen Steppen und „Hotspots“ der biologischen Vielfalt macht ihren Schutz zu einer herausragenden europäischen Angelegenheit. Aus diesem Grund wurde in der Trägerschaft des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz das LIFE+ -Projekt "Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens“ durchgeführt. Es umfasste 14 Projektgebiete im Thüringer Becken und seinen Randlagen. Während der Laufzeit von 2009 bis Juli 2015 und einem Gesamtvolumen von fünf Millionen Euro wurden ca. 100 Einzelvorhaben umgesetzt. Ziel war die Aufwertung, Erweiterung und langfristige Sicherung der subpannonischen Steppenrasen sowie der mit ihnen verzahnten orchideenreichen Kalk-, Trocken- und HalbtrockenrasenKalkpionierrasen und Schwermetallrasen. Wegen der herausragenden Bedeutung förderte die EU-Kommission das Projekt mit dem Spitzenfördersatz von 75 Prozent. Die verbleibenden 25 Prozent trug der Freistaat Thüringen.

Das LIFE-Projekt ist Bestandteil der „Thüringer Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt“, die zum Ziel hat, den weiteren Verlust an biologischer Vielfalt kurzfristig zu stoppen.

  • Mit LIFE (Finanzierungsinstrument für die Umwelt) fördert die Europäische Kommission seit 1992 Maßnahmen in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz. Die Förderung im Programmteil LIFE+ Natur dient der Sicherung von Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten, die als europäisches Naturerbe gelten. Sie ist deshalb auf Gebiete beschränkt, die als Schutzgebiete nach der Fauna-Flora-Habitat (FFH) - Richtlinie oder der EU-Vogelschutz-Richtlinie an die Europäische Kommission gemeldet sind. Damit tragen LIFE-Projekte zur Sicherung des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 bei.


    Weitere Informationen unter www.ec.europa.eu/environment/life/

  • EU LIFE Projekt Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens (2009 bis 2015)

    LIFE-Projektbüro des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN)

    Uhlandstraße 3
    99610 Sömmerda
    Tel.: 03634 / 359 190
    Fax: 03634 / 359 193
    poststelle@steppenrasen.thueringen.de

    Das LIFE-Projektbüro hat 2015 seine Tätigkeit eingestellt.

  •  

    Projektträger

    Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz
    Referat Arten- und Biotopschutz
    Beethovenstr. 3
    99096 Erfurt

    Projektteam

    Dr. Henryk Baumbach (Projektmanager)
    Alexander Hohmuth (Projektmitarbeiter)
    Jana Töppe (Projektmitarbeiterin)
    Steffi Zacharias (Projektmitarbeiterin)

    Kontakt

    LIFE-Projektbüro des TMLFUN
    Uhlandstraße 3
    99610 Sömmerda

    Tel.: 03634 – 359 190
    Fax: 03634 – 359 193

    poststelle@steppenrasen.thueringen.de

  • Steppenrasen Thüringens
    • Steppenrasen sind in Thüringen vor allem auf den Keuperhügeln des Thüringer Beckens sowie im Zechsteinband des Kyffhäusers zu finden. Auf dem Bottendorfer Hügel südöstlich von Artern sind sie in der Nachbarschaft von Schwermetallrasen anzutreffen. Kleinflächig kommen sie auch auf trocken-warmen Muschelkalkhängen und Lößinseln des Hainleite-Gebietes vor. 

      Die Steppenrasen Thüringens können als „Vorposten“ der osteuropäischen Steppen angesehen werden. Die weithin bekannten Steppenrasen des Kyffhäusers sind im LIFE-Projekt nicht berücksichtigt, da sie bereits im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes „Kyffhäuser“ (1997-2008) aufgewertet wurden.

      Die süd- bis westexponierten, windoffenen Steppenrasenhänge mit flachgründigen Gips-, Ton- oder Kalkmergel-Rendzinen weisen oft extreme Lebensbedingungen auf: Trockenstress, geringe Bodenentwicklung sowie Wind- und Wassererosion, die – wie im Drei Gleichen-Gebiet oder im NSG Schwellenburg – bis zu „Badlands“ (von engl.: bad land - schlechtes Land = nahezu vegetationsfreie Rohbodenstandorte) führen können.

      Besonders in den Randlagen des Thüringer Beckens sind die Steppenrasen oft mit submediterranen, orchideenreichen Kalkmagerrasen und Kalkpionierfluren verzahnt.

      Die Steppenrasenlebensräume beherbergen eine Vielzahl seltener und gefährdeter Arten, deren Erhalt von europaweiter Bedeutung ist. Innerhalb der Projektgebietskulisse überschneiden sich zwei Florengebiete: eine Vielzahl submediterran verbreiteter Pflanzen, (z.B. einige Orchideen-Arten) erreichen hier ihre nordöstliche Arealgrenze, während es für zahlreiche kontinentale Arten (z.B. der Stängellose Tragant (Astragalus exscapus)) die westliche Verbreitungsgrenze darstellt.

      Von Natur aus würde es in Mitteleuropa nur sehr kleinflächig waldfreie Trocken- und Halbtrockenrasenstandorte geben. Sie sind auf steile, felsige, trocken-warme Standorte beschränkt. Weitaus häufiger sind „sekundäre“ Trocken- und Halbtrockenrasen, die sich in den vergangenen Jahrhunderten vor allem auf aufgelassenen flachgründigen Äckern, Gärten und Weinbergen entwickelt haben. Ihr Artenreichtum kann nur durch regelmäßige Beweidung mit Schafen und Ziegen erhalten werden.

    • Die Gefährdung resultiert heute vor allem aus der Aufgabe traditioneller Nutzungen und dem Rückgang der Beweidungsintensität. Dies führt zu Gehölzsukzession, d. h. Sträucher und Bäume erobern die Flächen zurück und verdrängen die licht- und wärmebedürftigen Arten. Weitere Gefährdungsursachen können sein:

      • Pestizid- und Düngemitteleinträge aus angrenzenden, intensiv genutzten Ackerflächen,
      • Aufforstungen
      • Gesteinsabbau
      • Freizeitnutzung (z. B. Motocross)
    • Der Erhalt soll durch die Wiederaufnahme und Verbesserung der Beweidung mit Schafen und Ziegen gewährleistet werden. Im Rahmen des LIFE+ -Projekts sind dazu vorbereitende Biotopentwicklungsmaßnahmen, wie die
       
      ▪ Entfernung von Gehölzen
      ▪ Beseitigung von Ablagerungen
      ▪ Pflege stark verfilzter Grasbestände durch Feuereinsatz
       
      geplant. Weiter soll die schäfereiliche Infrastruktur durch die
       
      ▪ Wiederherstellung von Triftwegen
      ▪ Einrichtung von Brunnen und Tränken
      ▪ Bereitstellung von Weidezäunen und -hütten
       
      verbessert werden. Soweit erforderlich, werden die genannten Maßnahmen durch Flächenankäufe unterstützt und gesichert. Durch gut abgestimmte Pflege- und Entwicklungspläne soll ein nachhaltiger Fördermitteleinsatz gewährleistet werden.

      Artenhilfsmaßnahmen sollen stark gefährdete Pflanzenarten, z.B. die Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea) oder die Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis ssp. nigricans), an ehemaligen Wuchsorten wieder etablieren.

      Das LIFE-Projekt wird durch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeitbegleitet:

      • Errichtung von Informationstafeln und Naturlehrpfaden
      • Einrichtung einer Dauerausstellung
      • Produktion eines Films und einer Broschüre
      • Durchführung von Tagungen und naturkundlichen Führungen (siehe Aktuelles)
  • Lebensräume und Arten
    • Das Projekt ist auf die Erhaltung und Entwicklung prioritärer (*) Lebensraumtypen (LRT) der FFH-Richtlinieausgerichtet, die von europaweiter Bedeutung sind. Dabei werden ausschließlich Trockenrasenlebensräume, speziell subpannonische SteppenrasenKalk-TrockenrasenFelsen mit Kalkpionierrasen sowie Schwermetallrasen berücksichtigt, welche oft in Biotopkomplexen auftreten bzw. ineinander übergehen.

      Subpannonische Steppenrasen (LRT *6240) sind durch Federgräser, Frühlings-Adonisröschen und andere kontinental verbreitete Arten geprägte Trocken- und Halbtrockenrasen. Sie haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in Gebieten mit durchschnittlichen Jahresniederschlägen unter 500 Millimeter. Die Vorkommen beschränken sich meist auf süd- bis westexponierte, windoffene Hanglagen mit flachgründigen Gips-, Ton- und Kalkmergel-Rendzinen. Charakteristische Florenelemente der Steppenrasen des Projektgebiets sind z.B. das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) und die Steppen-Fahnenwicke (Oxytropis pilosa). Zu den Raritäten zählen der Stängellose Tragant (Astragalus exscapus), die Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea), die Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis ssp. nigricans) sowie das Echte und das Gelbscheidige Federgras (Stipa pennata, S. pulcherrima).

      Die Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen (LRT 6210, nicht prioritär) sind von Gräsern dominierte Grünländer magerer und trockener Standorte auf basisch verwitternden Ausgangsgestein (Kalk- oder Gipsgestein, basische Vulkanite). Im Projektgebiet finden sich vor allem submediterrane Halbtrockenrasen. Das sind zum einen von der Aufrechten Trespe dominierte, langgrasige Halbtrockenrasen, welche meist durch extensive Mahd entstanden sind und zum anderen traditionell von Schafen beweidete Enzian-Schillergrasrasen.

      Auf sehr flachgründigen Muschelkalk-, Gips- und Basaltverwitterungsböden, fast immer an Steilhängen, wachsen Blaugras- und Erdseggenrasen (Trockenrasen).

      Kennzeichnend sind submediterran verbreitete Pflanzen-Arten, wie die Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), der Fransen-Enzian (Genianella ciliata), der Deutsche Enzian (Gentianella germanica) oder die Silber-Distel (Carlina acaulis).

      Trespen-Schwingel-Kalk-Trockenrasen mit bemerkenswerten Orchideenvorkommen sind dagegen prioritärer Lebensraumtyp (LRT *6210). Zusätzlich wertgebende Arten sind u.a. die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera), das Brandknabenkraut (Orchis ustulata) oder das Dreizähnige Knabenkraut (Orchis tridentata). 

      Kalk- oder basenhaltige Felsen mit Kalkpionierrasen (LRT *6110) sind offene und niedrigwüchsige, häufig nur kleinflächig ausgebildete Pionierfluren. Sie kommen ebenfalls auf basisch verwitternden Substraten trocken-warmer Standorte, jedoch in Bereichen mit sehr geringer Bodenbildung vor. Das können Kalk- und Gipsfelsen, Schuttfluren oder Bereiche mit besonders starken Erosionsprozessen sein. Oft handelt es sich um Extremstandorte, die aufgrund ihrer Steilheit und Exposition, in Verbindung mit einer aktuellen oder früheren Weidenutzung, eine stark verzögerte Vegetationsentwicklung aufweisen. Die extremen Lebensbedingungen können bis zu „Badlands“ führen.

      Neben ausdauernden Pflanzen wie verschiedenen Mauerpfeffer-Arten sowie Moosen und Flechten kommen auch viele einjährige Arten vor, z.B. Finger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites) oder Früher Ehrenpreis (Veronica praecox).

      Schwermetallrasen (LRT *6130) entwickeln sich auf natürlich anstehenden, schwermetallreichen Gesteinen oder häufiger auf entsprechenden Abraumhalden älterer Bergbaugebiete, so genannten Sekundärstandorten. Es sind lückige Rasengesellschaften, in denen Gehölze, infolge der Giftigkeit des Bodens bei hohem Schwermetallgehalt (z.B. an Blei, Zink, Kupfer), nur sehr eingeschränkt wachsen können. Gräser und krautige Pflanzen zeigen auf diesem Extremstandort häufig Zwergwuchs oder haben ökologisch spezialisierte und an die besonderen bodenchemischen Verhältnisse angepasste Typen ausgebildet.

      Im Gebiet der Bottendorfer Höhe kann man die einzigen natürlich vorkommenden Schwermetallrasen Thüringens finden. Arten der Schwermetallrasen sind die Frühlings-Miere (Minuartia verna ssp. hercynica) - auch Kupferblume genannt – und die Galmei-Grasnelke (Armeria maritima ssp. halleri), die hier als Bottendorfer Grasnelke bezeichnet wird. Die Vertreter der Schwermetallrasen stehen in Nachbarschaft zu anderen typischen Steppen- und Trockenrasenarten, wie dem Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) oder dem Deutschen Enzian(Gentianella germanica). Besonders wertgebend ist der große Bestand vom Kleinen Knabenkraut (Orchis morio).

    • Die extremen Lebensbedingungen der Trockenrasen im Projektgebiet bieten wärme-liebenden Arten optimale Voraussetzungen. Besonders blütenbesuchende Insekten wie Wildbienen oder Tagfalter finden hier reiche Nahrungshabitate. Aber auch zahlreiche Heuschrecken-, Reptilien- und Vogelarten nutzen die wärmegetönten Standorte. Beispielhaft sind zu nennen: Hosenbiene (Dasypoda hirtipes), Kleiner-Esparsettenbläuling (Polyommatus thersites) und Rostbinde (Hipparchia semele), Schwarzfleckiger Heidegrashüpfer (Stenobothrus nigromaculatus) und Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus), Glattnatter (Coronella austriaca) und Zauneidechse (Lacerta agilis) sowie Neuntöter (Lanius collurio) und Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe). Zu den Besonderheiten zählen u.a. die vom Aussterben bedrohte Zwergheideschnecke (Trochoidea geyeri) oder die stark gefährdete Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens).

    • (FFH-Gebiet 4631-302)

      Landkreis: Kyffhäuserkreis
      Flächengröße: 6.869 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 108 ha
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 10 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • EU-Vogelschutzgebiet
      • Naturschutzgebiete (NSG) „Wipperdurchbruch“, „Wartenberg“, „Filsberg - Großes Loh“, „Kahler Berg - Kuhberg“
      • Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Hainleite“
      Charakteristik

      Die Muschelkalkhochfläche der Hainleite stellt die nördliche Begrenzung der Ackerlandschaft des Thüringer Beckens dar. Charakteristisch ist die nach Norden abfallende, teils felsige Steilstufe und eine nach Süden sanft hügelig verlaufende, nahezu geschlossene Buchen- und Eichen-Hainbuchenwalddecke.

      Der überwiegende Teil des Gebietes besteht aus ausgedehnten Laubwäldern. Die Trockenrasenlebensräume treten eher kleinräumig, in besonders steilen Hanglagen, z. B. im Wipperdurchbruch bei Günserode oder am Eichenberg bei Sondershausen auf. Dort findet man vor allem submediterrane Kalk-Trockenrasen. Die offenen Steilhänge an der Wipper, wo der Fluss die Muschelkalkplatte der Hainleite canyonartig durchbricht, zählen dabei wohl zu den arten- und strukturreichsten Lebensräumen der Randlagen des Thüringer Beckens. Sie sind besonders durch ihre herausragenden Orchideen-Vorkommen bekannt. Subpannonische Steppenrasen treten nur vereinzelt auf. Weitere Standorte mit kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sind am Wächterberg bei Sachsenburg sowie am Filsberg und am „Großen Loh“ zwischen Hachelbich und Berka zu finden. Letztere sind zwei durch Erosion abgelöste und der Muschelkalkschichtstufe vorgelagerte Kalkberge im Wippertal.

      Arten

      Die Besonderheit des Gebietes ist der Reichtum an Orchideen mit Arten wie Bienen- und Fliegen-Ragwurz (Ophrys apifera, O. insectifera), Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata) und Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata), deren Vorkommen über die Landesgrenze Thüringens hinaus bekannt sind.

      Die kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen begeistern ebenfalls mit einer Vielzahl seltener und gefährdeter Arten wie Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Echtes Federgras (Stipa pennata), Gelbscheidiges Federgras (Stipa pulcherrima), Steppen-Fahnenwicke (Oxytropis pilosa) oder Badener Rispengras (Poa badensis).
       

      Die Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea) weist eines ihrer größten Vorkommen in Deutschland auf. Eine weitere Rarität ist die Schwarze Wiesen-Kuhschelle (Pulsatilla pratensis ssp. nigricans), für die es außerhalb des Kyffhäusers seit Jahrzehnten keinen Nachweis mehr gab. Erst durch die Kartierungen im Rahmen des LIFE-Projekts konnte die Art im Wipperdurchbruch wiederentdeckt werden. Sie hat hier ihren einzigen aktuellen Fundort im gesamten LIFE-Projektgebiet.

      Zu den faunistisch besonders wertvollen Arten zählen die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), der Schwarzfleckige Heidegrashüpfer (Stenobothrus nigromaculatus) und der Matte Pillendreher (Sisyphus schaefferi).

      Karten

      Teilgebiet Wipperdurchbruch - Übersicht Karte freigestellt (156.3 kB) 
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      Teilgebiet Wipperdurchbruch (812.6 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4634-303)

      Landkreis: Kyffhäuserkreis
      Flächengröße: 133 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 65 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 15 ha
      Schwermetallrasen: ca. 11 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • Naturschutzgebiet (NSG) „Bottendorfer Hügel“
      Charakteristik

      Nördlich der Unstrutniederung zwischen Artern und Roßleben liegt der Bottendorfer Hügel wie eine Insel in der umgebenden Ackerlandschaft. Das Gebiet zeichnet sich durch einen Struktur- und Artenreichtum aus, der in der Vergangenheit zahlreiche Botaniker, Geologen und Historiker angezogen und zu Forschungen angeregt hat. Denn infolge tektonischer Prozesse standen bzw. stehen an der Oberfläche verschiedenartige Gesteine wie Oberrotliegend-Konglomerate, Kupferschiefer, Gipse und Dolomite (“Stinkschiefer“) des Zechsteins an. Der Kupferschiefer, der Kupfer, Blei und Zink in höheren Konzentrationen enthält, ist durch natürliche Erosion und den Abbau weitestgehend verschwunden. Doch sind dessen Schwermetalle stellenweise in die darunter liegenden, nicht abbauwürdigen und gegen Erosion stabileren Konglomerate und Sandsteine (Zechsteinkonglomerat, „Grauliegendes“, „Weißliegendes“) eingedrungen, die heute noch anstehen. Dort konnten sich natürliche Schwermetallrasen entwickeln, welche später auch die Umgebung der Schachtlöcher und Halden des ehemaligen, etwa 450 Jahre andauernden Kupferschiefer-Bergbaus besiedelten. Daneben finden sich auch kleine Steinbrüche des ehemaligen Gipsabbaus.

      Die verschiedenartigen Gesteine, die damit verbundenen Bodenbildungen und die vielfältige Nutzungsgeschichte, zuletzt auch als militärisches Übungsgelände, führten zu einem Mosaik von Pflanzengesellschaften: kontinentale sowie submediterrane Trocken- und Halbtrockenrasen sind eng verzahnt mit Schwermetallrasen und Pionierfluren offener Felsstandorte. Aufgrund der Artenzusammensetzung können die Schwermetallrasen als besondere Ausprägung der subpannonischen Steppen angesehen werden.

      Arten

      Besonders hervorzuheben sind die Schwermetallrasen mit Beständen der Galmei-Grasnelke (Armeria maritima ssp. halleri), die im Gebiet als „Bottendorfer Grasnelke“ bekannt ist. Auch die Frühlings-Miere (Minuartia vernassp. hercynica) als arktisch-alpine Reliktart ist von besonderem Interesse. Die Magerrasen fallen besonders von April bis Juni zur Blüte der Kuhschellen (Pulsatilla vulgaris) und des Kleinen Knabenkrauts (Orchis morio) auf.

      Bereiche mit subpannonischen Steppenrasen sind in dieser Zeit durch die goldgelb-blühenden Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) zu erkennen. Weitere Besonderheiten der kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sind das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) und das Gelbscheidige Federgras (Stipa pulcherrima), welches nur im Ostteil des Gebietes zu finden ist. Die Felsstandorte sind bedeckt von einem bunten Teppich mit Frühblühern, wie dem Felsen-Goldstern (Gagea bohemica) und dem Frühen Ehrenpreis (Veronica praecox), zu dem sich auch das seltene Badener Rispengras (Poa badensis) gesellt. Der weißblühende Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) bildet auf tiefgründigeren Standorten reizvolle Blütenteppiche. Wertgebend sind auch die Bunte Erdflechten-Gesellschaft oder verschiedene Bauchpilze, wie der Zwerg-Bovist (Bovista pusilla) sowie der Große und Kleine Scheibenbovist (Disciseda bovista, D. candida).

      Zahlreiche Insektenarten sind nachgewiesen, darunter die Blattkäfer Labidostomis lucidaChrysolina reitteri und Longitarsus echii sowie die Grüneule (Calamia tridens) und der an Mönchskraut (Nonea pulla) lebende Eulenfalter Euchalcia consona.


      Karte (639.2 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4733-301)

      Landkreis: Kyffhäuserkreis
      Flächengröße: 678 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 98 ha 
      Subpannonische Steppenrasen:  ca. 22 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • EU-Vogelschutzgebiet

      • Naturschutzgebiet (NSG) „Spatenberge“

      Charakteristik
      Kahle Schmücke

      Die Muschelkalkschicht-Rippe der westlichen Schmücke liegt zwischen den Waldgebieten der Hainleite und der Hohen Schrecke/Finne und begrenzt die Thüringer Keupermulde im Norden. Neben den bewaldeten Bereichen an den Nordseiten zeichnet sich das Gebiet durch ein Mosaik aus Trockenrasen, Felsfluren, Streuobstwiesen sowie Kalkscherben-Äckern und Trockengebüschen aus. An den teils steilen Südhängen bzw. im Kammbereich steht der Muschelkalk an vielen Stellen oberflächlich an. Die kargen Bodenverhältnisse und das extrem trockenwarme Klima bieten Lebensraum für viele wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten. 
      Nicht nur Botaniker, Zoologen und Geologen, sondern auch Archäologen und Historiker kommen auf ihre Kosten. Es wurden beachtenswerte Entdeckungen gemacht. Frühgeschichtliche Wälle, Gräben, Fluchtburgen oder die bronzezeitlichen Hügelgräberfelder bei Harras sind nur einige Beispiele der historischen Spuren. Auch heute noch können in den Böden der Umgebung urzeitliche Werkzeuge gefunden werden, welche durch die seit Jahrhunderten betriebene ackerbauliche Nutzung zu Tage treten. 

      Spatenberge und Segelberg bei Hemleben

      Die Hügelkette der Roten Berge - Spatenberge sowie der imposante Segelberg liegen am Nordostrand der Thüringer Keupermulde. Im zentralen Teil der „Schillingstedter Mulde“ gelegen, treten hier die obersten Schichtglieder des Mittleren Keupers zu Tage: Heldburggipsmergel (Weser-Formation) und Steinmergelkeuper (Arnstadt-Formation). Die aus zum Teil grobkristallinen Gips und Anhydrit bestehende Schichtrippe der Rote Berge - Spatenberge-Kette wurde aufgrund ihrer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber Erosionsprozessen aus der umgebenden Landschaft herausmodelliert und ist durch kleine Steinbrüche aufgeschlossen. Sie ist - wie auch der aus Tonmergelstein aufgebaute Segelberg - stellenweise von elsterkaltzeitlichen Terrassenschottern bedeckt, die der Abtragung widerstanden. In der Mergelgrube östlich des Weges ist die Untere Bunte Folge des Steinmergelkeupers aufgeschlossen, in der auch eine quartäre Spaltenfüllung zu sehen ist. Die flachgründigen Böden mit teils freiliegendem Gipsgestein sowie die exponierte Lage ermöglichten die Entwicklung wertvoller Trocken- und Halbtrockenrasen sowie seltener Pioniergesellschaften.

      Arten

      An der Westlichen Schmücke findet man vor allem typische Pflanzen der Kalkmagerrasen wie die Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) und Pionierarten wie die Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea). Als  Charakterarten der kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sind besonders an den Spatenbergen z.B. das Ebensträußige Gipskraut (Gypsophila fastigiata), das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) und der Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa) zu entdecken. Die kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sind außerdem als Wuchsorte einiger typischer Steppenpilze bekannt, wie Gewimperter Stielbovist (Tulostoma fimbriatu)und Steppentrüffel (Gastrosporium simplex). Auf dem anstehenden Gipsgestein siedelt, neben einigen seltenen Moosen, zudem die Bunte Erdflechten-Gesellschaft.

      In den angrenzenden Ackerbereichen konnte sich eine artenreiche Ackerwildkrautflora mit bemerkenswerten Arten erhalten, wie Gelber Günsel (Ajuga chamaepitys), Sommer- und Flammen-Adonisröschen (Adonis aestivalis; A. flammea), Ackerkohl (Conringia orientalis) und Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis). Die bunten Ackerwildkrautsäume sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Insekten der Trockenrasen.

      Karten

      Teilgebiet Kahle Schmücke - Übersicht (123.5 kB) 
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      Teilgebiet Kahle Schmücke (527.8 kB) 
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      Teilgebiet Spatenberge - Übersicht (123.0 kB) 
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      Teilgebiet Spatenberge (289.1 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4734-320)

      Landkreis: Sömmerda und Kyffhäuserkreis
      Flächengröße: 5.732 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 9 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: < 1 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • EU-Vogelschutzgebiet
      • Naturschutzgebiete (NSG) „Finnberg“, „Hohe Schrecke“
      Charakteristik

      Der am Nordostrand des Thüringer Beckens gelegene Buntsandstein-Höhenzug der Hohen Schrecke – Finne ist geprägt von ausgedehnten Laubmischwäldern. Durch eine Jahrhunderte lange extensive Bewirtschaftung und die 50-jährige Nutzung als militärisches Sperrgebiet haben sich reich strukturierte, teils urwaldähnliche Waldlebensräume entwickelt (siehe dazu: Naturschutzgroßprojekt „Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft“). An dessen Südrand treten steilgestellte Schichten des Muschelkalkes der Finne-Störungszone zu Tage. Sie werden eingenommen von einem Mosaik aus lichten Eichenwäldern, Streuobstwiesen, Gebüschen und artenreichen Trocken- und Halbtrockenrasen.

      Für das LIFE-Projekt sind nur die südexponierten Hänge der Finne - vom Finnberg bei Burgwenden, über den Plattenberg bei Bachra, bis zum Kratzberg bei Schafau - relevant.

      Arten

      Besonders das Gebiet um den Finnberg zeichnet sich - sowohl in den Offenlandbereichen als auch in den lichten Laubwäldern - durch seine artenreichen Orchideen-Vorkommen  aus. Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Dreizähniges Knabenkraut und Purpur-Knabenkraut (Orchis tridentataO. purpurea) sowie der Frauenschuh (Cyprepedium calceolus) und das im April blühende Blasse-Knabenkraut (Orchis pallens) sind hier zu finden. Im Juni und Juli kann man die weißen Blüten der Aufrechten Waldrebe (Clematis recta) entdecken. Es ist der einzige Fundort dieser Art in Thüringen. Auf Lichtungen und entlang von Säumen blühen Diptam (Dictamnus albus) und Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum) in großer Zahl. Mit Beständen der Echten Schwarzwurzel (Scorzonera hispanica) oder des Rauhaarigen Alant (Inula hirta) sind auch Arten der Steppenrasen vertreten.

      Wer genau hinschaut kann am Rand der angrenzenden Kalkäcker eine Reihe seltener Segetalarten entdecken, z. B. das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), das Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) und die Acker-Haftdolde (Caucalis platycarpos).

      Auch für viele wärmeliebende Tierarten, insbesondere Tagfalter und Heuschrecken sind die offenen Trocken-rasenbereiche wichtige Nahrungs- und Fortpflanzungsräume. So kommen unter anderem der Magerrasen- Perlmutterfalter (Boloria dia), der stark gefährdete Grasheidescheckenfalter (Mellicta aurelia), der Salbei-Schildkäfer (Cassida canaliculata), der Sonnenröschen-Flohkäfer (Mantura matthewsi) und die Plumpschrecke (Isophya kraussii) vor. 

      Karten

      Teilgebiet Finnberg - Übersichtskarte Karte freigestellt (129.0 kB) 
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      Teilgebiet Finnberg (242.6 kB) 
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    • FFH-Gebiet (4732-301)

      Landkreis: Sömmerda
      Flächengröße: 211 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 66 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 31 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • Geschützter Landschaftsbestandteil (GLB) „Totenhügel bei Nausiß“
      Charakteristik

      Das im innerthüringischen Ackerhügelland gelegene Gebiet zeigt ein Mosaik aus kleinflächigen Laubmischwäldern und ausgedehnten Magerrasen mit Streuobstwiesen und Feldgehölzen.

      Die kargen Standortverhältnisse auf den teils stark südexponierten Gipskeuperhügeln, verbunden mit der traditionellen Nutzung als Hutung, ließen im Laufe der Jahrhunderte ausgedehnte Steppenrasen sowie submediterrane Halbtrocken- und Trockenrasen entstehen. Stellenweise stehen die Mergel- und Gipsgesteine des Mittleren Keupers oberflächlich an, auf denen sich eine lückige Pioniervegetation entwickelt hat. Auf dem Plateau am Totenhügel bei Nausiß sind stellenweise Kiese und Sande der Elster-Kaltzeit abgelagert, auf denen ebenfalls artenreiche Steppenrasen zu finden sind. An Erosionsstellen - vor allem im nördlichen Teil des Gebiets zwischen Günstedt und Kindelbrück – sind kleinflächig Badlands zu sehen.

      Arten

      Von besonderem Wert ist das große Vorkommen des Stängellosen Tragant (Astragalus exscapus) im südlichen Teil des Projektgebiets bei Nausiß und Herrnschwende, der mit seinen zottig behaarten Stängeln und Blättern und den kräftig gelben Blüten im Mai zu entdecken ist. Als nacheiszeitliche Steppenreliktpflanze erreicht er hier seine westliche Verbreitungsgrenze. Damit haben die Bestände von insgesamt mehreren hundert Exemplaren eine große Bedeutung für den Erhalt dieser weltweit seltenen Art. Als weitere Vertreter der kontinentalen Trockenrasen können entdeckt werden das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), der Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), der Dänische Tragant (Astragalus danicus), die Graue Skabiose (Scabiosa canescens) und der Deutsche Alant (Inula germanica).

      Ein Blick an die angrenzenden Ackerränder zeigt eine äußerst artenreiche Ackerwildkrautflora, u.a. mit Flammen-Adonisröschen (Adonis flammea), Krummborstigem Mohn (Papaver hybridum), Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis), Rundblättrigem Hasenohr (Bupleurum rotundifolium), Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis), Ackerkohl (Conringia orientalis), Dreihörnigem Labkraut (Galium tricornutum) und Venus-Kamm (Scandix pecten-veneris).

      Aus faunistischer Sicht ist das Gebiet u. a. für Vogelarten, wie die Grauammer (Emberiza calandra) oder den Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) interessant, die offene bis halboffene Lebensräume mit einzelnen Gehölzen als Sitzwarten benötigen. Auch die Käferwelt weist viele gefährdete Arten auf, u. a. den Ölkäfer (Meloeviolaceus), den Erdbock (Dorcadion fuliginator)die Laufkäfer Licinus cassideusHarpalus politus und Harpalus subcylibndricus, sowie die Blattkäfer Longitarsus absynthii und Dibolia timida. Das Gebiet besitzt also eine für die Thüringer Steppenrasen typische, sehr reiche und schützenswerte Wirbellosen-Fauna.


      Karte (422.5 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4733-302)

      Landkreis: Sömmerda
      Flächengröße: 121 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 18 ha 
      subpannonische Steppenrasen: ca. 1 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • Geschützter Landschaftsbestandteil (GLB) „Moorberg bei Battgendorf
      Charakteristik

      Die Hügel am nordöstlichen Rand des Thüringer Beckens weisen submediterrane Trocken- und Halbtrockenrasen sowie kleinflächig subpannonische Steppenrasen auf, die sich durch langjährige Beweidung und Streuobstnutzung entwickelten. Aufgelassene Bereiche werden von Trockengebüschen eingenommen. Die Hügel bestehen aus Gipskeuper (Grabfeld- und Weser-Formation) und Schilfsandstein (Stuttgart-Formation), die in Plateaulage von Kiesen, Sanden und Bändertonen des Elster-Glazials bedeckt sind. Besonders lohnenswert ist ein Blick in die ehemalige Sandgrube im Ostteil des Moorberges. Dort stehen ca. 6 Meter grauer unterer Schilfsandstein und ca. 10 Meter rotvioletter, schräggeschichteter Sandstein des oberen Schilfsandsteins an. Am Oberhang ist eine Schotterdecke zu sehen, die vorwiegend aus glazial verfrachteten Muschelkalk besteht. In ihrem obersten Teil sind Bändertone in kleinen Wasserrissen aufgeschlossen.

      Arten

      Als typische Arten der kontinentalen Steppenrasen kann man den Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), den Dänischen Tragant (Astragalus danicus) und die Graue Skabiose (Scabiosa canescens) finden. Sie stehen oft eng verzahnt mit submediterran verbreiteten Pflanzen, wie der Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), dem Gefleckten Ferkelkraut (Hypochaeris maculata) oder dem Acker-Wachtelweizen (Melampyrum arvense).

      Die angrenzenden Ackerbereiche beeindrucken mit einer besonders arten- und individuenreichen Segetalflora, wie dem Dreihörnigen Labkraut (Galium tricornutum), dem Flammen- und Sommer-Adonisröschen (Adonis flammea, A. aestivalis), dem Ackerkohl (Conringia orientalis) oder dem Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis), der in manchen Jahren mit mehreren Hundert Exemplaren auftritt. Die bunten Ackerwildkrautsäume sind als Nahrungsquelle für die Insekten der Trockenrasen von hoher Bedeutung.

      Auch aus faunistischer Sicht ist das inselartige Gebiet hoch interessant. Es kommen zahlreiche wärmeliebende und in ihrem Bestand gefährdete Arten, wie die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) oder der Kleine Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) vor. Wer genau hinschaut, kann den purpurn-leuchtenden Leib der Roten Röhrenspinne (Eresus niger) entdecken, die ihre Erdröhren bevorzugt an sonnigen Hanglagen mit geringer Vegetation anlegt. In den offenen Bereichen der Sandgrube finden zahlreiche erdbewohnende Wildbienenarten geeignete Habitate.


      Karte (263.0 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4832-301)

      Landkreis: Sömmerda
      Flächengröße: 80 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 39 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 26 ha

      Weiterer Schutzstatus:
      • Naturdenkmal (ND) „Keupersteinbruchwand auf dem Sammetale“
      • Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) „Kahler Berg bei Tunzenhausen“, „Drachenschwanz bei Tunzenhausen“
      Charakteristik

      Drachenschwanz und Kahler Berg sind Teile eines kleinen, im zentralen Thüringer Becken gelegenen Keuper-Höhenzugs, welcher der Grabfeld-Formation (früher: Unterer Gipskeuper) zuzuordnen ist. Bereits von Weitem fallen  lichte Laubmischwäldern und Hangterrassen mit bunten Mergel- und Gipssteinen auf, die von lückigen Trocken- und Halbtrockenrasen eingenommen werden.

      Auf dem Plateau an der Westseite des Drachenschwanzes kann man bei genauer Suche Reste der Ruine „Weißenburg“ entdecken. Der Erhalt der wertvollen Magerrasen unterhalb der Weißenburg wird seit einigen Jahren von Ziegen und Schafen des Tierheims Sömmerda durch eine ganzjährige Beweidung unterstützt. Zudem trägt eine der wenigen im Thüringer Becken noch vorkommenden Wildkaninchen-Populationen zur Offenhaltung der Hänge bei.

      Arten

      Es finden sich ausgedehnte submediterrane Trocken- und Halbtrockenrasen, die besonders von Mai bis Juli durch einen Teppich des hellblau-blühenden Österreichischen Leins (Linum austriacum) ins Auge stechen. Dazu kommen zahlreiche Arten der subpannonischen Steppenrasen, wie der Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), der Dänische Tragant (Astragalus danicus), der Deutsche Alant (Inula germanica) oder die Sand-Esparsette (Onobrychis arenaria). Um die Kaninchenbaue kommen einjährige Arten wie das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) vor.

      Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen der Sichel-Wolfsmilch (Euphorbia falcata) am Ackerrand unterhalb des Kahlen Bergs, die deutschlandweit derzeitig nur hier und im Werratal in Bayern bekannte Fundorte besitzt. Daneben kommen weitere Ackerwildkräuter, wie das Dreihörnige-Labkraut (Galium tricornutum), das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis) und die Acker-Haftdolde (Caucalis platycarpos) vor.

      Die wärmegetönten Hänge bieten außerdem Lebensraum für zahlreiche thermophile Insekten, wie die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), den Esparsettenbläuling (Polyommatus thersites), den Quendel-Bläuling (Scolitantides baton), die Blattschneiderbiene Megachile logopoda und die Ameisengrille (Myrmecophila acervorum). Daneben kommen Reptilien wie die Glattnatter (Coronella austriaca) oder die Zauneidechse (Lacerta agilis) sowie viele Vögel, wie der Grünspecht (Picus viridis) oder der Neuntöter (Lanius collurio) vor, welche die halboffenen Flächen zur Insektenjagd nutzen. Der in Thüringen lange verschollene Messerbock (Axinopalpis gracilis) wurde 1992 am Drachenschwanz wiederentdeckt und auch der an Wolfsmilch lebende Blattkäfer Aphthona pallida hat hier sein einziges individuenreiches Thüringer Vorkommen.


      Karte (360.4 kB) 
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    • (FFH-Gebiet  4833-301)

      Landkreis: Sömmerda
      Flächengröße: 144 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 39 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 26 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Naturschutzgebiet (NSG) „Brembacher Weinberge“
      Charakteristik

      Das Gebiet umfasst einen vielfältigen Biotopkomplex aus kontinentalen und submediterranen Trocken- und Halbtrockenrasen, durchsetzt mit Felsfluren und Trockengebüschen sowie Feuchtbiotopen in der Bachaue der Scherkonde am südlichen Hangfuß. Die über Jahrhunderte andauernden Einflüsse menschlicher Nutzungen schufen  - neben natürlichen Hangdellen - ein abwechslungsreiches Kleinrelief mit Weinbergs- und Ackerterrassen, Steinwällen sowie ehemaligen Gipsabbaustellen. Dieser Strukturreichtum förderte die Entwicklung eines bemerkenswerten Arteninventars.

      Bei bereits durchgeführten Entbuschungen konnten ehemalige Weinbergsmauern und alte Obstgehölze am Klausberg bei Vogelsberg als Zeugnisse der früheren Nutzung wieder freigestellt werden.

      Arten

      Typische Arten der Steppenrasen sind der Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), das Echte Federgras (Stipa pennata), die Graue Skabiose (Scabiosa canescens), die Große Graslilie (Anthericum liliago) sowie die Schmalblütige Traubenhyazinthe (Muscari tenuiflorum), auch Weinbergs-Träubel genannt.

      Von besonderer Bedeutung sind die Vorkommen der Panzer-Sommerwurz (Orobanche artemisiae-campestris), die den Feld-Beifuß (Artemisia campestris) parasitiert sowie der Distel-Sommerwurz (Orobanche reticulata) deren Wirtspflanzen u. a. Kratzdisteln (Cirsium spec.) und Skabiosen-Arten (Scabiosa spec.) sind.

      Die wärmegetönten Hänge bieten außerdem Lebensraum für zahlreiche thermophile Insekten, wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), dem Kleinen Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) und dem Quendel-Bläuling (Scolitantides baton) sowie für viele Vogelarten, wie dem Grünspecht (Picus viridis), der Grauammer (Emberiza calandra) und dem Wendehals (Jynx torquilla), welche die offenen Flächen zur Insektenjagd nutzen.


      Karte (401.2 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4931-301)

      Landkreis: Sömmerda und Landeshauptstadt Erfurt
      Flächengröße:  89 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 31 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 24 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Naturschutzgebiet (NSG) „Schwellenburg“
      • Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) „Kippelhorn“, „Hühnerbiel“, „Edelberg bei Witterda“, „Steinberg bei Elxleben“, „Ringelberg bei Elxleben“, „Marolsberg bei Elxleben“
      Charakteristik

      Das Gebiet wird charakterisiert durch eine Reihe von Gipskeuperhügeln, die - umgeben von weiten Ackerflächen - im zentralen Thüringer Becken nördlich der Landeshauptstadt Erfurt liegen. Die Schwellenburg ist die südöstlichste und gleichzeitig markanteste Erhebung der Hügelkette. Sie ist geprägt durch eine vielfältige Nutzungsgeschichte, welche einen herausragenden Strukturreichtum förderte. Frühzeitliche Besiedlungen, verbunden mit Gipsabbau, Wein- und Obstanbau und vor allem die Beweidung ließen Hangterrassen mit ausgedehnten Halbtrocken- und Trockenrasen sowie offene Felsbereiche entstehen. Bereits am Aufgang des Hügels lassen sich die grau-roten „Badlands“ bestaunen, während auf dem Plateau glänzende Kristalle des sogenannten Heldburggipses zu sehen sind. Bei genauer Suche kann man zudem die letzten Rebstöcke entdecken. Zwar kam der Weinanbau bereits im 17. Jh. zum Erliegen, allerdings wurden zu Beginn des 20. Jh. erneut einzelne Rebstöcke gepflanzt, deren Trauben zuletzt in den 1950er verlesen wurden. Am Südhang der Schwellenburg wird die Arten- und Strukturvielfalt außerdem durch zahlreiche Wildkaninchenbaue geprägt.

      Schaut man von der Schwellenburg in nordwestliche Richtung kann man noch weitere Gipskeuperhügel, z. B. das Kippelhorn oder den Marolsberg, erkennen. Auch dort sind zum Teil artenreiche Magerrasen zu finden.

      Arten

      Besonders auf der Schwellenburg kommen ausgedehnte kontinentale Trocken- und Halbtrockenrasen  mit typischen Steppenpflanzen, wie dem Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), dem Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), dem Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), dem Zierlichen Hartheu (Hypericum elegans), der Grauen Skabiose (Scabiosa canescens), dem Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) oder der Steppen-Segge (Carex supina) vor. Im April kann man auf dem Plateau das Steppen-Stiefmütterchen (Viola kitaibelliana) finden, welches hier bundesweit sein aktuell einziges Vorkommen aufweist. Daneben treten im Gebiet auch seltene Pflanzen ruderaler Standorte, wie das Schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), der Igelsame (Lappula squarrosa), der Gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare) und der Rote Hornmohn (Glaucium corniculatum) auf. Weiterhin sind Ackerwildkräuter wie das Rundblättrige Hasenohr  (Bupleurum rotundifolium) oder der Ackerkohl (Conringia orientalis) zu finden. Auf den wärmegetönten Gipsstandorten kommen zudem bemerkenswerte Niedere Pflanzen wie das Drehzahnmoos (Tortula revolvens), der Zwerg-Erdstern (Geastrum minimum) und die Steppen-Trüffel (Gastrosporium simplex) vor.

      Auch die anderen Kuppen der Hügelkette beherbergen neben Arten der Steppenrasen viele Vertreter der submediterranen Halbtrockenrasen, wie Fransenenzian (Gentianella ciliata) und Gelbe Sommerwurz (Orobanche lutea), sowie typische Arten der Gipsfelsfluren, wie das Ebensträußige Gipskraut (Gypsophila fastigiata), zu finden.

      Aus faunistischer Sicht ist das Gebiet ebenso bedeutsam. Die Schwellenburg zählt in Bezug auf die Tagfaltervorkommen zu den wertvollsten Trockenrasen des Thüringer Beckens. Zu nennen sind dabei u. a. Kleiner Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) und Malven-Dickkopffalter (Carcharodus alceae). Gleichwohl ist z. B. bei den Käfern mit den Laufkäfern Harpalus zabroidesHarpalus smaragdinusHarpalus subcylindricusHarpalus politus sowie den Blattkäfern Longitarsus minimus und Longitarsus quadriguttatus eine bemerkenswerte Dichte schützenswerter Arten vorhanden. Bedeutend ist auch das Vorkommen der Zauneidechse (Lacerta agilis) und des Steinschmätzers (Oenanthe oenanthe), der 2011 wieder nachgewiesen werden konnte.

      Karten

      Karte Teilgebiet Schwellenburg-Kippelhorn-Marolsberg - Übersicht (132.9 kB) 
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      Karte Teilgebiet Schwellenburg-Kippelhorn-Marolsberg (303.9 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 5131-303)

      Landkreis: Ilmkreis, Gotha
      Flächengröße: 888 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 94 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 34 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Naturschutzgebiete (NSG) „Wachsenburg“, „Röhnberg“, „Schlossleite“
      • Flächennaturdenkmale (FND) „Längel bei Mühlberg“, „Südhang der Schlossleite bei Mühlberg“
      • Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Drei Gleichen“
      Charakteristik
      Teilgebiet 1 – Burg Gleichen
      Teilgebiet 2 – Schlossleite
      Teilgebiet 3 - Wachsenburg

      Das Gebiet der „Drei Gleichen“ ist wegen seines reizvollen Landschaftsbildes und seiner kulturhistorischen Schätze bekannt: Drei weithin sichtbare mittelalterliche Burgruinen krönen die markanten Höhenzüge im mittleren Abschnitt der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone. Die dort vorherrschenden Keuper- und Muschelkalkrücken werden von kontinentalen und submediterranen Trocken- und Halbtrockenrasen, aber auch von größeren Laub- und Nadelwaldbeständen eingenommen. Im angrenzenden Talbereich ist ein Feuchtgebietskomplex in das FFH-Gebiet einbezogen. Ein Blickfang sind die rot-blau leuchtenden, nahezu vegetationsfreien „Badlands“, die besonders als Lebensraum für kontinentale Pflanzen- und Insektenarten von Bedeutung sind. Am Beispiel der markanten Hügel kann man die sogenannte Reliefumkehr verdeutlichen: Aufgrund von Erosionsprozessen bilden die vormals tiefsten Stellen der Keupermulde heute die Kuppen der Berge. Denn die Bergkegel aus bunten Mergeln und Tonen des Mittleren Keupers besitzen eine harte Rätsandsteinkappe (Oberer Keuper), welche der Erosion widerstand. Westlich der Wachsenburg kommen auch großflächig Gipse (Graue Heldburggipsmergel) vor, die früher in kleineren Steinbrüchen abgebaut wurden (siehe dazu: Nationaler Geopark Thüringen – Inselsberg – Drei Gleichen).

      Arten

      Innerhalb der Trockenrasenlebensräume kommt eine große Zahl gefährdeter und geschützter Pflanzenarten vor. Als typische Arten der subpannonischen Steppenrasen sind hier zu nennen: Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa), Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis) und Haar-Pfriemengras (Stipa capillata). Besonders hervorzuheben ist die Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea), deren hellviolette Blüten man von Mai bis Juni am „Längel“ finden kann. Arten der Kalkmagerrasen sind u.a. Mittleres Leinblatt (Thesium linophyllum), Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera), Quendel-Sommerwurz (Orobanche alba), Gelbe Sommerwurz (Orobanche lutea), Goldhaar-Aster (Aster linosyris), Lothringer Lein (Linum leonii), Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), Silberdistel (Carlina acaulis), Deutscher Enzian und Fransen-Enzian (Gentianella ciliata, G. germanica). Weiterhin ist das Vorkommen von Kissenmoos (Grimmia plagiopoda) und Drehzahnmoos (Tortula revolvens) hervorzuheben. Auf den Badlands kommt zudem die Bunte Erdflechten-Gesellschaft vor.

      Die wärmegetönten Hänge bieten außerdem Lebensraum für zahlreiche thermophile Insekten, wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) und dem Großen Sonnenröschen-Bläuling (Aricia artaxerxes) sowie Reptilien wie der Glattnatter (Coronella austriaca) und der Zauneidechse (Lacerta agilis). Eine weitere Besonderheit stellt das Vorkommen des Grauflügeligen Erdbocks (Dorcadion fuliginator) dar. Von April bis Juni kann man diese flugunfähige Steppenreliktart auf den lückigen Trockenrasen und Felsfluren am Südrand der Schlossleite beobachten.

      Karten

      Teilgebiet Röhnberg-Burg Gleichen - Übersicht (141.0 kB) 
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      Teilgebiet Röhnberg-Burg Gleichen (471.4 kB) 
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      Teilgebiet Schlossleite-Mühlburg - Übersicht (140.6 kB) 
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      Teilgebiet Schlossleite-Mühlburg (292.8 kB) 
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      Teilgebiet Wachsenburg - Übersicht (142.5 kB) 
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      Teilgebiet Wachsenburg (260.5 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 5030-301)

      Landkreis: Gotha
      Flächengröße: 581 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 38 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 4 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Naturschutzgebiet (NSG) „Seeberg“
      • Flächennaturdenkmale (FND) „Breite Trift“, „Südhang Kleiner Seeberg“
      Charakteristik

      Das Gebiet wird durch einen am Südwestrand des Thüringer Beckens gelegenen vorwiegend bewaldeten Höhenzug, der aus Gesteinen des Muschelkalks und Keupers sowie (kleinflächig) des Jura besteht. Nördlich schließt sich ein Feuchtgebietskomplex aus verlandenden Teichen an. Die vielfältigen naturräumlichen Gegebenheiten und Nutzungen spiegeln sich in einem kleinräumig wechselnden Biotopmosaik wieder. Von besonderer Bedeutung sind die zahlreichen bereits verfallenen Steinbrüche zur Gewinnung von Sandstein, Kalk und Gips. Der Abbau des hochwertigen Seeberger Rätsandsteins (Oberer Keuper) begann bereits sehr früh. So wurden aus ihm z. B. die Wartburg, der Erfurter Dom und Schloss Friedenstein bei Gotha errichtet. Bis Mitte des 19. Jh. wurde der Seeberg intensiv als Hutungsfläche genutzt und war nahezu waldfrei. Heute findet man flächige Laubmisch- und Nadelwälder, wobei besonders an den Südhängen auch naturnahe Eichentrockenwälder anzutreffen sind. Teile des Seebergs werden zudem als Standortübungsplatz der Bundeswehr genutzt. Vor allem dort sowie an den Hängen der „Heiligen Lehne“ und der „Steppenheide“ südwestlich von Seebergen blieben kontinentale und submediterrane Halbtrockenrasen erhalten. Kleinflächig treten auch „Badlands“ auf, z. B. am Südosthang des Großen Seebergs unterhalb der Breiten Trift (siehe dazu: Nationaler Geopark Thüringen – Inselsberg – Drei Gleichen). 

      Arten

      Hauptsächlich sind submediterran verbreitete Pflanzen wie das Mittlere Vermeinkraut (Thesium linophyllum), die Elsässer-Sommerwurz (Orobanche alsatica), die Goldhaar-Aster (Aster linosyris), die Weiße Braunelle (Prunella laciniata) oder der Große Klappertopf (Rhinanthus serotinus) vertreten. Im Mai und Juni, zur Blütezeit der Orchideen kann man außerdem die Bienen- und Fliegenragwurz (Ophrys apifera, O. insectifera) und ab August die Herbstwendel-Orchis (Spiranthes spiralis) entdecken. An den Gipsbrüchen des Kleinen Seebergs (Mittlerer Muschelkalk) ist auch der Gelbe Hornmohn (Glaucium flavum) zu finden. Kontinentale Halbtrockenrasen trifft man am Seeberg ausschließlich an besonders wärmebegünstigten und stark austrocknenden Standorten mit Arten wie dem Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), dem Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), der Sand-Esparsette (Onobrychis arenaria) und dem Dänischen Tragant (Astragalus danicus). Nur noch reliktartig treten im Bereich der „Breiten Trift“ auf dem Großen Seeberg Sandtrockenrasen mit Ähren-Blauweiderich (Pseudolycimachion spicatum) und Spitzflügeligen Kreuzblümchen (Polygala vulgaris ssp. oxyptera) auf. 

      Besonders in den offenen Bereichen der Steinbrüche können Steinschmätzer (Oenathe oenanthe) oder Wendehals (Jynx torquilla) und mit etwas Glück auch der Uhu (Bubo bubo) beobachtet werden. Außerdem kann man seltene wärmeliebende Heuschrecken wie die Rotflügelige Schnarrschrecke (Psophus stridulus) und die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) oder Falter wie die Rostbinde (Hipparchia semele) sehen


      Karte (476.5 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4830-302)

      Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis und Gotha
      Flächengröße: 201 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 31 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 22 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Naturschutzgebiet (NSG) „Unstuttal zwischen Nägelstedt und Großvargula“
      • Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Unstruttal“
      Charakteristik

      In diesem naturräumlich reizvollen Gebiet durchbricht die Unstrut in mehreren Talmäandern die Schichten des Oberen Muschelkalkes im Westen des Thüringer Beckens. An der flacheren Südflanke des Tales wachsen naturnahe Laubmischwälder, welche in Erlenbruchwälder und Feuchtwiesen der Aue übergehen. Die steilen Hänge der Nordseite besitzen eine vielfältige Biotopausstattung, die vor allem durch die frühere Nutzung bedingt ist. Ehemalige Weinberge und Hutungsflächen mit ausgedehnten Kalkmagerrasen und Steppenrasenwechseln mit Trockengebüschen und Obstbaumbeständen sowie aufgelassenen Kalksteinbrüchen und Lehmgruben.

      Arten

      Die Trockenrasenhänge zeichnen sich u. a. durch ein Massenvorkommen des Frühlings-Adonisröschens (Adonis vernalis) aus. In der Zeit von April bis Mai können tausende goldgelb-blühende Exemplare zwischen dem noch braunen Gras des Vorjahres bestaunt werden.

      Weitere Vertreter der subpannonischen Steppenrasen sind Dänischer Tragant (Astragalus danicus), Ungarische Schafgarbe (Achillea pannonica) oder die ab August blühende Gold-Aster (Aster linosyris), die große Bestände bildet. Daneben bestimmen vor allem Arten der Kalkmagerrasen wie Dreizähniges Knabenkraut (Orchis tridentata), Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata) und Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) den Wert des Gebietes. Im Herbst ist der auf Kalkstandorten häufige Fransen-Enzian (Gentianella ciliata) zu finden.

      Auf den teils extrem trocken-warmen, steinigen Hängen sind spezialisierte Tierarten wie Glattnatter (Coronella austriaca) und Zauneidechse (Lacerta agilis) und die versteckt in Ameisennestern lebende Ameisengrille (Myrmecophilus acervorum) zu finden. Interessante Tagfalter des Gebietes sind z. B. der Quendel-Ameisenbläuling (Maculinea arion), der Grasheiden-Scheckenfalter (Melitaea aurelia) und der Hainveilchen-Perlmutterfalter (Boloria dia). Weiterhin konnten wärme- und trockenheitsliebende Käfer, u.a. der auffällige Gold-Laufkäfer (Carabus auratus), der Sandlaufkäfer Cylindera germanica, die Laufkäfer Cymindis humeralis und Lebia cruxminor sowie der Große Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) - das seltenere der beiden „Glühwürmchen“ - beobachtet werden.


      Karte (255.1 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4829-301)

      Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis 
      Flächengröße: 290 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 93 ha 
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 59 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Naturschutzgebiet (NSG) „Grabsche Berge“
      • Geschützter Landschaftsbestandteil (GLB) „Bothenheilinger Herzberg“
      • Flächennaturdenkmale (FND) „Breiter Berg“, „Wolfsmilchsteppe“, „Auf dem Weinberg und im Kirchgrund“, „Kalkopf“, „Weinberg“
      Charakteristik

      Grabsche Berge, Breiter Berg, Roter Berg und Bothenheilinger Herzberg gehören zu einer Reihe von Keuperhügeln, die sich inselartig entlang der Unstrut, zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza, durch das flachwellige innerthüringische Ackerhügelland zieht. Großflächige Hutungsflächen mit kontinentalen und submediterranen Trocken- und Halbtrockenrasen bis hin zu nahezu vegetationslosen Badlandflächen mit dazwischen liegenden Gipsschichten prägen das Bild. Weiterhin sind zahlreiche Streuobstwiesen, ehemalige Weinbergsterrassen, alte Steinbrüche und lichte Laubmischwälder vorhanden.

      Arten

      Auf den ausgedehnten subpannonischen Steppenrasen kommen typische Arten wie die Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis), der Dänische Tragant (Astragalus danicus), das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), die Gold-Aster (Aster linosyris), das Haar-Pfriemengras (Stipa capillata) und der Steppen-Spitzkiel (Oxytropis pilosa) vor. Als Besonderheit kann die Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana) gefunden werden, die hier eines ihrer wenigen Vorkommen in Thüringen besitzt.

      Am Südrand der Steppenrasen schließen wertvolle Ackerränder an, die als wichtige Nahrungshabitate für viele Insektenarten dienen. Hier sind das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), das Rundblättrige Hasenohr(Bupleurum rotundifolium), die Acker-Haftdolde (Caucalis platycarpos), der Ackerkohl (Conringia orientalis), das Dreihörnige Labkraut (Galium tricornutum), der Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis) und der Venuskamm(Scandix pecten-veneris) zu finden.

      Aus faunistischer Sicht ist besonders das Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Zwerg-Heideschnecke (Xerocrassa geyeri) auf dem Bothenheilinger und dem benachbarten Gotternschen Herzberg interessant. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung dieser Art erfolgte 1926 nach hiesigen Exemplaren. Weitere seltene Schneckenarten sind Candidula unifasciataHelicella itala und Truncatellina cylindrica. Als charakteristische Insektenart ist u. a. der Goldlaufkäfer (Carabus auratus) in einer großen Population zu finden. Eine Vielzahl weiterer gefährdeter Arten ist nachgewiesen, so die Laufkäfer Cymindes humeralis und Lebia cruxminor, der Blatthornkäfer (Amphimallon ruficorne) und der Erdbock (Dorcadion fuliginator). Jüngst wurde in den angrenzenden Ackerrändern der auf Acker-Steinsame (Lithospermum arvense) lebende Blattkäfer Longitarsus curtus entdeckt.

      Karten

      PG 13-Teilgebiet Grabsche Berge-Breiter Berg - Übersicht (142.9 kB) 
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       Karte Teilgebiet Grabsche Berge - Breiter Berg (276.4 kB) 
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    • (FFH-Gebiet 4835-307)

      Landkreis: Weimarer Land, Apolda
      Flächengröße: 84 ha
      Trockenrasenlebensräume gesamt: ca. 30 ha
      Subpannonische Steppenrasen: ca. 6,7 ha

      Weiterer Schutzstatus
      • Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB) „Vier Linden/Steinkleber“, „Schützenberg/ Klinge“, „Volksberg“.
      Charakteristik

      Bei der Region um Auerstedt handelt es sich um ein historisch bedeutendes Gebiet, in dem 1806 das Preußische Heer in der „Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt“ von Napoleon vernichtend geschlagen wurde. Einige der heute ausgewiesenen Napoleon-Wanderwege führen von Auerstedt in nördliche Richtung über die Finnehänge. 

      Diese gehören zur Finnestörung, der markanten nordöstlichen Grenze des Thüringer Beckens, die in nordwest-südöstlicher Richtung zwischen Sachsenburg im Unstruttal und Camburg an der Saale und von hier bis nach Gera über insgesamt 90 km verläuft. Im Abschnitt zwischen Eckartsberga und Bad Sulza bildet sie nördlich von Auerstedt einen Höhenzug mit steil nach Südwesten abfallenden und von breiten Grünlandstreifen gekennzeichneten Hängen. Von zahlreichen Gehölzen verdeckte Hangstufen, die in vergangenen Zeiten durch kleinflächige Steinbruchtätigkeit verstärkt wurden, verdeutlichen die charakteristischen Strukturen der Finne in diesem Bereich. Ihre Entstehung ist mit dem tektonischen Aufstieg der Hermundurischen Scholle in der Kreidezeit und der folgenden Abtragung verbunden. Der sich bis Eckartsberga hinziehende und von der Eckartsburg bekrönte Rücken besteht aus steil gestelltem Muschelkalk, welcher der Erosion widerstand. Die darauf ausgebildete Bodenauflage ist entsprechend gering, steinig und kaum zum Ackerbau geeignet. Die historische Nutzungsform beschränkte sich daher auf Grünland, das lange Zeit mit Schafen und Ziegen beweidet wurde. In Verbindung mit der Südexposition der Hänge entwickelten sich unter den standort- und nutzungsspezifischen Gegebenheiten kontinentale und submediterrane Kalk-Trocken- und Pionierrasensowie subpannonische Steppenrasen von hervorragender Repräsentativität und mit bemerkenswertem Artenreichtum.

      Arten

      Innerhalb der Trockenrasenlebensräume kommt eine große Zahl gefährdeter und geschützter Pflanzenarten vor. Als typische Arten der subpannonischen Steppenrasen sind hier zu nennen: Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Bologneser Glockenblume (Campanula bononiensis), Haar-Pfriemengras (Stipa capillata), Gelber Günsel (Ajuga chamaepitys), Sichelblättriges Hasenohr (Bupleurum falcatum), Kleines Mädesüß (Filipendula vulgaris, Graue Skabiose (Scabiosa canescens), Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca), Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Mittleres Vermeinkraut (Thesium linophyllon)sowie Badener Rispengras(Poa badensis).

      Arten der Kalkmagerrasen sind u. a. Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), Deutscher Enzian und Fransen-Enzian (Gentianella ciliata, G. germanica) sowie die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera).

      Die wärmegetönten Hänge bieten außerdem Lebensraum für zahlreiche thermophile Insekten, wie der Westlichen Beißschrecke (Platycleis albopunctata), Feldgrashüpfer (Chortippus apricarius), Verkannter Grashüpfer (Chortippus mollis) und dem Großen Sonnenröschen-Bläuling (Aricia artaxerxes) sowie Reptilien wie der Zauneidechse (Lacerta agilis).

  • Internationale Tagung „Steppenlebensräume Europas – Gefährdung, Erhaltungsmaßnahmen und Schutz“ 2012 in Erfurt

    Vom 3. bis 6. Juni 2012 fand im Augustinerkloster in Erfurt die internationale Tagung “Steppenlebensräume Europas – Gefährdung, Erhaltungsmaßnahmen und Schutz“ statt, die vom LIFE-Projekt „Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens“ organisiert und durchgeführt wurde.

    Mehr als 170 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Polen, Bulgarien und Belgien diskutierten die aktuelle Situation der Steppen- und anderer Trockenrasenlebensräume in Europa. In 2 ½ Tagen wurden 35 Vorträge in sieben Themenblöcken gehalten: (1) Die Verbreitung von Steppenlebensräumen und Steppenreliktarten in Europa im chorologisch-ökologischen und vegetationsgeschichtlichen Kontext, (2) Steppengebiete in Deutschland, Österreich und der Schweiz, (3) Steppengebiete in Südost- und Osteuropa, (4) Das LIFE-Projekt „Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens“, (5) Weitere Projekte zur langfristigen Sicherung von Steppen- und Trockenrasen in der Europäischen Union, (6) Erhaltungsmaßnahmen für gefährdete Steppenpflanzen, (7) Initiativen zum Schutz und zur Erforschung von Grasland-Ökosystemen.

    Der Tagungsband (ISBN 978-3-00-044248-3) erschien im Dezember 2013. Er enthält 41 wissenschaftliche Beiträge (außer 35 Vorträgen, die auf der Tagung gehalten wurden, noch sechs Posterbeiträge) und hat einen Umfang von 456 Seiten. Damit stellt das Buch nicht nur die Ergebnisse der Tagung vor, sondern liefert darüber hinaus auch weitere wichtige Informationen über den Schutz und das Management von Steppenlebensräumen in Europa.

     

    Steppenlebensräume Europas - Gefährdung, Erhaltungsmaßnahmen und Schutz (Abstractband)
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Die Regionalmarke „Weidewonne – Thüringer Becken“

Siegel für regional erzeugtes Lammfleisch

Herbstkampagne: Weidewonne bringt die Schäfchen ins Trockene

Zum Ende der Weidesaison kommen die Schafherden aus der Landschaftspflege wieder in die heimischen Ställe zurück. Die Tiere hatten mehr als sechs Monate die natürlichsten Futterbedingungen und jetzt ist das Lammfleisch von besonderer Güte. Lammgenuss und Landschaftspflege gehören eng zusammen, denn der Schäfer lebt nicht nur für, sondern auch von seinen Tieren.

Start der Herbstkampagne "Weidewonne - Thüringer Becken"

Die Regionalmarke „Weidewonne“ wirbt für Lammfleischprodukte aus dem Thüringer Becken. Das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz hat die Marke zusammen mit weiteren Partnern im Rahmen des EU-LIFE-Projektes „Erhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Thüringens“ (2009-2015) entwickelt.

Mit der Regionalmarke soll der Absatz von Lammfleisch aus dem Thüringer Becken und seinen Randlagen nachhaltig gefördert werden. Denn hier sinken die Schafbestände kontinuierlich. Ohne die Beweidung mit Schafen können aber naturschutzfachlich wertvolle Flächen wie Steppen- und Trockenrasen oder Streuobstwiesen nicht erhalten werden.

Hinter „Weidewonne“ steht ein Marketing-Konzept für regionale Produkte aus der Schaf- und Ziegenhaltung, das für die 14 Projektgebiete des LIFE-Projektes erstellt wurde. Die Verwendung der Regionalmarke wird Schäfereibetrieben gestattet, die sich für den Erhalt von Landschaftspflegeflächen durch Beweidung einsetzen. Für die Vermarktung von Schäfereiprodukten unter dem Siegel „Weidewonne“ müssen die regionale Herkunft, die Beweidung von naturschutzrelevanten Flächen sowie die artgerechte Haltung und Fütterung garantiert sein.

Die Kriterien, die den Zugang zur Marke „Weidewonne“ regeln, wurden mit den Schäfern der Projektgebiete, dem Landesverband Thüringer Schafzüchter e. V., Vertretern der Landwirtschaftsämter sowie mit Vermarktern im Rahmen von „Schäferstammtischen“ abgestimmt.


 

Die Marke „Weidewonne“ ist seit Juni 2013 beim Deutschen Patent- und Markenamt als Wort- und Bildmarke eingetragen und geschützt. 

Die Umsetzung des Marketing-Konzeptes wird durch das LIFE-Projekt mit einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet, um die Marke „Weidewonne“ bekannt zu machen. Informationsstände auf regionalen und landesweiten Informationsveranstaltungen für Handel, Gastronomie, Schafzuchtbetriebe, Verbraucherverbände und Behörden sind wesentliche Bestandteile der allgemeinen Markenpräsentation. Zielgruppenorientierte Informationen zu den Vermarktungsaktivitäten des LIFE-Projektes und zur Marke „Weidewonne“ werden auch über redaktionelle Beiträge und Anzeigen in der einschlägigen Tages- und Fachpresse vermittelt.

Die folgenden Schäfereibetriebe erfüllen die Kriterien zur Verwendung der Regionalmarke „Weidewonne“. Die Betriebe sind geprüft und dürfen im Eigenvertrieb oder über Fleischereigeschäfte die Marke uneingeschränkt für die Produkte ihrer  Schäferei verwenden.

  • Agrargenossenschaft Bollstedt e.G
  • Agrargenossenschaft Drei Gleichen, Mühlberg
  • Agrarprodukte Großfahner
  • Agrargenossenschaft Schwabhausen
  • Schäferei Brand, Vehra
  • Schäferei Denner, Erfurt-Tiefthal
  • Schäferei Rohkohl, Oberheldrungen
  • Schäferei Seifert, Dielsdorf
  • Schäferei Weimar, Esperstedt
  • Schäferei Maschke, Hörselberg-Hainisch
  • Schäferei Jägerberg, Jena

Eine Übersicht der Verkaufsstellen, in denen Sie Lammfleisch der Marke "Weidewonne" erhalten, finden Sie hier.

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