Der Klimawandel und seine Folgen für Thüringen

Die globale bodennahe Jahresmitteltemperatur stieg im Zeitraum von 1880 bis 2012 um 0,85 Grad Celsius an. 
Der globale mittlere Meeresspiegel stieg im Zeitraum von 1901 bis 2010 um etwa 19 cm an. Der mittlere Anstieg betrug in dieser Zeit etwa 1,7 mm pro Jahr. In den letzten 20 Jahren war dieser Wert mit ca. 3,2 mm pro Jahr fast doppelt so groß.
Seit 1750 ist die atmosphärische Konzentration von Kohlendioxid (CO2) um 40 % gestiegen.
Die Konzentrationen anderer wichtiger Treibhausgase wie Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O), haben vor allem aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft im gleichen Zeitraum um ca. 150 % bzw. um ca. 20 %zugenommen.
Der Weltklimarat IPCC führt das mit „extrem hoher Wahrscheinlichkeit“ auf menschliche Einflüsse zurück.

Ökologische, soziale und wirtschaftliche Folgen des Klimawandels sind bereits heute in vielen Regionen spürbar und werden voraussichtlich in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Klimaextreme sind ein deutliches Signal für die tief greifenden Auswirkungen von Klimaänderungen und unterstreichen die Notwendigkeit von Maßnahmen sowohl zum Klimaschutz als auch zu Anpassung an den Klimawandel.

Der Klimawandel ist auch in Thüringen zu spüren. Das jüngste Hochwasser 2013 hat wieder deutlich gezeigt, welche Auswirkungen extreme Witterungserscheinungen auf Einzelne und die Infrastruktur des Landes haben können. 
Vieles spricht dafür, dass sich Wetterextreme aufgrund der klimatischen Entwicklung in immer kürzeren Abständen wiederholen werden. In Thüringen lässt sich eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur und damit ein steigender Energiegehalts der Atmosphäre beobachten. Aufgrund der globalen Erwärmung zeigen sich zusätzlich Veränderungen in den gewohnten Meeres- und Luftströmungen, die unser Klima entscheidend beeinflussen können.

Besondere Bedeutung kommt der Erkenntnis zu, dass es keinen kontinuierlichen Trend über die nächsten Jahrzehnte geben wird. Vielmehr werden Wetter- und Witterungsextreme und Wetterschwankungen vorkommen. Das heißt, kühlere feuchte Jahre wechseln mit trockenen wärmeren Jahren ab. Dies erfordert eine große Flexibilität in den Anpassungsreaktionen, insbesondere der Landnutzer. Planbarkeit wird hinter maximales Reaktionsvermögen treten. Auch für zahlreiche regionale Entscheidungen wird es immer wichtiger, das verfügbare Wissen über den Klimawandel zu berücksichtigen.

  • Der Weltklimarat hält, wenn die Menschheit weiter ungebremst klimaschädliche Gase in die Atmosphäre entlässt, einen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts bis 5,4°Celsius für möglich. Ausgehend von einem Szenario mit sehr ambitionierter Klimapolitik zeigen die Simulationen, dass der mittlere Temperaturanstieg gegen Ende dieses Jahrhunderts gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 0,9 bis 2,3°Celsius begrenzt werden könnte. Auch die Stärke und die Verteilung der Niederschläge werden sich sehr wahrscheinlich ändern: Bei zunehmender Erwärmung würden in vielen trockenen Regionen der mittleren und subtropischen Breiten die mittleren Niederschläge weiter abnehmen. In vielen feuchten Regionen der mittleren Breiten sind dagegen unter wärmeren Bedingungen bis zum Jahr 2100 (Szenario mit den höchsten Treibhausgasemissionen) Niederschlagszunahmen zu erwarten.

  • Temperatur 

    Unter dem Einfluss des Klimawandels wird es wahrscheinlich, insbesondere langfristig zu einer flächendeckenden Erwärmung im Freistaat kommen. So ergibt sich aus der durchgeführten Regionalisierung für den Referenzzeitraum eine Jahresdurchschnittstemperatur für Gesamtthüringen von ca. 7°C. Die wärmsten Regionen liegen mit bis zu 10°C vor allem im Thüringer Becken und die kältesten mit 5°C in den Höhenlagen des Thüringer Waldes.

    Die räumliche Differenz in dieser Entwicklung fällt sehr gering aus, so dass kein Gebiet in Thüringen existiert, das signifikant stärker oder schwächer von der Erwärmung betroffen wäre. Es ist mit der stärksten Temperaturzunahme im Sommer (langfristig 4°C) und mit der schwächsten Zunahme im Frühling (langfristig 2,7°C) zu rechnen. Der Herbst und der Winter liegen mit einer langfristigen durchschnittlichen Erwärmung um 3,5°C bzw. 3,7°C zwischen diesen beiden Extremen.

    Detailinformation mit interaktiven Karten

    Niederschlag

    Die niederschlagsreichsten Gebiete liegen in den Hochlagen des Thüringer Waldes sowie im thüringischen Teil der Rhön mit einer Jahresniederschlagssumme bis zu 1500 mm. Den Gegenpart bilden das Thüringer Becken und das Saaletal, die mit durchschnittlich 450 mm Niederschlag im Jahr nicht nur die trockensten Regionen Thüringens darstellen, sondern gleichzeitig auch zu den niederschlagsärmsten Räumen Deutschlands gehören.

    Die Jahresniederschlagssumme wird unter dem Einfluss des Klimawandels in allen Thüringer Teilräumen in etwa konstant bleiben. Dabei kommt es weiterhin zu - auf die natürliche Klimavariabilität zurückzuführende Schwankungen - von wenigen Prozentpunkten.

    Es zeigt sich eine signifikante Änderungstendenz in der innerjährlichen Niederschlagsverteilung ab ca. 2040. Dabei ist eine Umverteilung der Niederschlagssummen vom Sommer in den Winter insbesondere im Süden bzw. Südwesten sowie im Norden des Freistaats zu erwarten. In einzelnen Teilräumen Thüringens werden Werte von bis zu - 30 % im Sommer und bis zu + 35 % im Winter erreicht, was als eine erhebliche Veränderung des Niederschlagregimes bewertet werden kann.

    Für die Zwischenjahreszeiten, insbesondere für den Herbst, ist keine eindeutiger Trend festzustellen.

    Der Winter wird die Jahreszeit mit den größten Veränderungen sein. Am Ende des Jahrhunderts wird er den Sommer als ursprünglich niederschlagsreichste Jahreszeit abgelöst haben. Letzterer wird dann die Jahreszeit mit den geringsten Niederschlagserwartungen sein.

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    Wind

    Im Bereich des Thüringer Beckens sowie im Altenburger Land treten die höchsten Windgeschwindigkeiten auf. Im Thüringer Wald sind aufgrund der abschwächenden Wirkung der dichten Bewaldung die geringsten Durchschnittswindgeschwindigkeiten in 10 m über Grund zu verzeichnen. Unter dem Einfluss des Klimawandels werden diese in allen betrachteten Zeiträumen flächendeckend zurückgehen. Die Abnahmen liegen im Jahresmittel zwischen 0,1 und 0,4 m/s, vereinzelt auch bei 0,5 m/s, allerdings sind die insgesamt deutlichsten Abnahmen im kurzfristigen Szenario zu erwarten. Regional zeigen sich in allen Zukunftsszenarien die geringsten Abnahmen im Thüringer Wald und die stärksten westlich des Höhenzuges. Im kurzfristigen Szenario sind zusätzlich auch in den nördlichen Regionen sowie vereinzelt im Osten des Freistaats mit vergleichsweise starken Abnahmen zu rechnen.

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Regionales Klimainformationssystem für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (ReKIS)

Anfragen zu Klimadaten kommen aus einem zunehmend größer werdenden Nutzerkreis aus allen Bereichen der Verwaltung, Öffentlichkeit, Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Forschung. Diese Tendenz wird durch das Umweltinformationsgesetz noch verstärkt.
Wesentlich für die Aussagefähigkeit der Ergebnisse in den Bereichen Klimadiagnose, Klimaprojektion und Klimafolgenabschätzung / Klimaanpassung sind die Verfügbarkeit und die Qualität von Klimadaten.
Das Regionale Klimainformationssystem versteht sich als ein interaktives Werkzeug zur fachgerechten Analyse, Bereitstellung, Dokumentation, Bewertung und Interpretation von Klimadaten.

Regionale Klimainformationssystem 
für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (ReKIS)

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