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Windenergie

Windräder auf einem Feld.
In Thüringen liefert die Windenergie rund 50 Prozent des hier erzeugten Ökostroms.

Die Windenergie ist von entscheidender Bedeutung für die Energiewende, auch in Thüringen. Stand 30.06.2022 sind in Thüringen 852 Anlagen mit einer Leistung von 1.730 MW installiert. Für mehr regionale Wertschöpfung, mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und mehr Klimaschutz wird jedoch deutlich mehr erneuerbare Energie und damit Windenergie benötigt.

Auch in Thüringen wird in Zeiten der fossilen Energiepreiskrise vor allem die Versorgungssicherheit durch den Ausbau der erneuerbaren Energien gestärkt. So hatte das Bundesverfassungsgericht in seinem wegweisenden Urteil im Jahr 2021 schon entschieden: Klimaschutz hat Vorrang zum Schutz künftiger Freiheiten. Der Ausbau der Erneuerbaren muss dabei rechts- und versorgungssicher und preisstabil sein.

Entwicklung: Windenergie in Thüringen

  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022
Anzahl der Anlagen 540 588 648 672 721 767 800 814 830 844 852*
installierte Leistung (MW) 793 907 1.049 1.120 1.262 1.405 1.516 1.569 1.926 1.694 1.730*
Stromeinspeisung (MWh) 1.417.114 1.496.440 1.620.936 2.182.669 2.076.690 2.788.351 2.653.433 3.081.694 3.187.225 2.697.752*  

* - vorläufige Daten

Häufige Fragen und Antworten zum Thema Windenergie

  • In Thüringen drehen sich derzeit rd. 852 Windräder auf 0,4 Prozent der Landesfläche (Stand 30.06.2022). Saubererer Windstrom macht rund 50 Prozent des Thüringer Erneuerbaren-Mixes aus. Die erneuerbaren Energien in Thüringen können wir weiter ausbauen. Damit machen wir uns unabhängiger von Energieimporten, denn aktuell müssen rd. 40 Prozent des Stroms importiert werden. Insgesamt liegen die Energieimporte in einer Größenordnung von 2 Mrd. Euro.

    Mit dem Osterpaket 2022 hat die Bundesregierung das Ausbauziel für 2030 auf einen Anteil der erneuerbaren Energien von mindestens 80 % am Bruttostromverbrauch angehoben.

    Derzeit sind 0,4 % der Thüringer Landesfläche rechtskräftig für den Ausbau der Windenergie ausgewiesen. Über 60 Prozent unseres selber produzierten Stroms in Thüringen kommt aus Erneuerbaren. Etwa 50 Prozent davon durch Wind, rund 25 Prozent je durch Sonne und Biogas. Aber rund die Hälfte unseres Energiebedarfs importieren wir, damit auch einen Großteil an fossilen Importen (wie der bundesweite Mix). Rund 2 Mrd. Euro für die Gesamtimporte (inkl. EE-Importe) können wir in Thüringen besser investieren.

  • Die vorhandenen Vorranggebietsausweisungen machen eine Fläche von  0,4 Prozent der Landesfläche aus. Die Bundesregierung hat für ganz Deutschland ein Flächenziel von 2 Prozent für Windenergie an Land ausgegeben.

  • Grundlage für das Errichten von Windenergieanlagen ist die Regionalplanung. Hier entscheiden in Thüringen die vier regionalen Planungsgemeinschaften, die sich aus den beteiligten Kommunen bilden, in den Teilplänen „Windenergie“ darüber, welche Gebiete als Vorranggebiete bzw. Eignungsgebiete eingestuft werden. Erst diese Ausweisung von Windvorranggebieten ermöglicht den Bau im Außenbereich. Aktuell sind rd. 0,4% der Landesfläche als Windvorranggebiete ausgewiesen.

    In Thüringen gibt es 4 Planungsregionen (Nord-, Mittel-Südwest- und Ostthüringen). Für diese stellt die jeweilige regionale Planungsgemeinschaft den Regionalplan – frühere Bezeichnung Regionale Raumordnungspläne (RROP) – auf. Die Planungsregion besteht aus mehreren Landkreisen und außer in Nordthüringen jeweils 2 kreisfreien Städten. Das heißt, die Landkreise vertreten die kommunale Ebene.

    Der Windenergieerlass Thüringen ist eine wesentliche Hilfe für Planungsgemeinschaften. Er erleichtert ihnen den hoch komplexen Abwägungsprozess und beschleunigt somit die Verfahren zur Aufstellung der neuen Teilpläne Wind. Der Erlass regelt die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie in Thüringen und ist die Arbeitsgrundlage für die Regionalen Planungsgemeinschaften bei der Bestimmung der Vorranggebiete für Windenergie.

  • Alle vier Regionalen Planungsgemeinschaften sind von der obersten Planungsbehörde (TMIL) aufgefordert worden, bis Ende Februar 2023 einen sachlichen Teilplan Wind vorzulegen bzw., im Fall von Mittelthüringen und Ostthüringen, den bestehenden Teilplan fortzuschreiben.

  • Ja, denn fossile Energien befeuern die Inflation. Windstrom, mit Gestehungskosten zwischen 4-8 Cent pro Kilowattstunde, senkt laut Fraunhofer-Untersuchung die Preise.

  • Aus Sicht des Energieministeriums können wir uns eine Flächen-Verhinderungspolitik schlicht nicht leisten. Je mehr Fläche ausgeschlossen wird, desto weniger bleibt für regionale Wertschöpfung und das Erreichen der Klimaziele übrig. Das gilt für das Waldgesetz mit starrem Verbot von Windenergie selbst auf Schadensflächen samt Wiederaufforstungsprogramm ebenso wie für starre Abstände zu Bebauungen, inklusive Gewerbegebiete. Noch stocken die Planungs- und Genehmigungsverfahren. Auch da braucht es mehr Tempo, sowie beim Ausbau der Netze und Speicher, inklusive der Wasserstoff-Infrastruktur. Der Bund hat begonnen, auch hier den richtigen Rahmen zu setzen.

  • Häufig wir die Debatte auf vermeintliche Gefahren für Vögel und Insekten gelenkt. Bei letzteren ist klar: Viele Insekten, die Teil der Nahrungskette von Feldvögeln oder Blütenbestäuber sind, erreichen die Rotorblatt-Höhen gar nicht. Vielmehr ist das Insektensterben durch Ackergift oder Versiegelung tatsächlich gravierend und die zu lösende Aufgabe für mehr Insektenschutz.

    Auch Argumente zum Schutz von Vögeln lassen außer Acht:  Das Risiko von Rotorschlag ist klein gegenüber den Gefahren durch Bebauung, Verkehr und Landwirtschaft. Aktuelle Forschungen der EU-Kommission (Life-Eurokite-Projekt) zeigen: Die größte Gefahr für den Greifvogel ist nicht das Windrad, sondern Giftköder, d.h. die illegale direkte Vergiftung zur Tötung von Raubtieren, Nutztieren und Wildtieren (Füchse, Wölfe, Korviden usw.), sowie die indirekte Vergiftung durch Pestizide und die Sekundärvergiftung durch den Verzehr vergifteter Nagetiere durch Rodentizide auf dem Ackerland, insbesondere in den Überwinterungsgebieten in Frankreich und Spanien. Auch der Rückgang der Weideviehhaltung und die Intensivierung der Landwirtschaft, die zu chemischer Verschmutzung, Homogenisierung der Landschaften und ökologischer Verarmung führen, bedrohen die Art. Dennoch: Auch die Planung kann und muss Rücksicht auf vermeidbare Risiken nehmen. Das passiert entspr. der gesetzlichen Regelungen durch eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) oder eine UVP-Vorprüfung und hängt u.a. von der Anzahl der geplanten Anlagen ab.

    Beim Naturschutz allgemein definiert der aktuell geltende Thüringer Windenergieerlass aus dem Jahr 2016 als Empfehlung an die Planungsgemeinschaften harte und weiche Tabuzonen. Der Nationalpark Hainich, Naturschutzgebiete, das europäische Schutzgebietssystem „Natura 2000“ nach der FFH-Richtlinie sowie weite Bereiche der Biosphärenreservate und Naturparke sind großteils außen vor. In einigen Naturparken, Landschaftsschutzgebieten und im Biosphärenreservat Rhön macht das TMUEN den Planungsgemeinschaften allerdings das Angebot, für die Energiewende notwendige Vorranggebiete durch Änderung der Rechtsgrundlagen zuzulassen.  Die Initiative zur Nutzung des im Erlass näher beschriebenen Rahmens  liegt bei der Region selbst, die auch die Alternativen prüfen und abwägen muss.

  • Bürgerinnen, Bürger und Kommunen sollen bei der Ausgestaltung der Energiewende in den Regionen umfassend beteiligt werden. Zur Unterstützung bei Fragen des Ausbaus der erneuerbaren Energien steht die Servicestelle Wind bei der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur zur Verfügung. Der Bau und der anschließende Betrieb der Windenergieanlagen können Arbeitsplätze schaffen. Die Wertschöpfung reicht von der Herstellung von Motoren- und Getriebeteilen für Windenergieanlagen, modularen Rotorbestandteilen und Spezialwerkzeugen bis hin zur Montage und Wartung – aber auch intelligente Wechselrichter und Speichertechnologien. Zudem zahlt der Betreiber Gewerbesteuer. Diese Einnahmen kommen der Kommune zugute. Ist die Gemeinde auch Grundstückseigentümer, so erzielt sie zusätzliche Einnahmen aus Pachtzahlungen. Kommunen wollen den Windenergieausbau. Denn wo Wind geerntet wird, profitieren Gemeindekassen durch Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen. Hinzu kommt, dass Betreiberfirmen im Umkreis von 2,5 Kilometer zur Windanlage flächenanteilig mit 0,2 ct/kWh am Ertrag beteiligt werden können.

  • Unternehmen wollen den Windenergieausbau, um Energiepreise in Schach zu halten. Die Thüringer Landesenergieagentur ThEGA berät zu Einsatzmöglichkeiten, Potenzialermittlung, Förderungen und Bürgerbeteiligung.

  • Ja und es ist langfristig günstiger und mit mehr regionaler Wertschöpfung verbunden als der Status Quo. Das zeigt die Studie "So geht’s" der Hochschule Nordhausen.

  • o   Siegel Faire Windenergie: Siegelpartner verpflichten sich entsprechend der Leitlinie, eine direkte finanzielle Beteiligung für Thüringer Bürger:innen, Unternehmen und Kommunen anzubieten. Wie sie das umsetzen, ist nicht starr geregelt. Stattdessen lässt die Leitlinie Raum für die beste Lösung vor Ort – von vergünstigten Stromtarifangeboten für Anrainer über die Beteiligung an der Betriebsgesellschaft usw.

    o   Bundesgesetzgebung (das EEG) sieht vor, dass Firmen, die Windenergie ausbauen, Anrainerkommunen mit 0,2 Cent/kWh erzeugten Windstroms am Gewinn beteiligen können. Als Anrainerkommunen gelten die Gemeinden, die sich im Umkreis von 2.500 m zum Turm der Windenergieanlage befinden. Mit der EEG-Novelle der Ampelkoalition soll diese finanzielle Beteiligungsmöglichkeit ausgeweitet werden auf Bestandsanlagen. 

    o   Außerdem sieht die EEG-Novelle der Bundesregierung vor, dass Bürgerenergiegesellschaften bei Windenergieprojekten bis 18 MW und bei PV-Vorhaben bis 6 MW vom Gebot, an Ausschreibungen teilnehmen zu müssen, befreit werden. Das ist ein wichtiger Schritt zur Entbürokratisierung und Akteursvielfalt. Denn mit der Einführung des Ausschreibungssystems wurde es für Bürgerenergiegesellschaften immer schwieriger zu bestehen in der Konkurrenz zu professionellen Projektierfirmen.

  • Wir arbeiten darauf hin, den Bürgerenergiefonds in diesem Jahr einzurichten und gehen davon aus, dass spätestens im vierten Quartal Anträge gestellt werden können. Die Bürgerenergiegenossenschaften müssen im Prozess in Vorleistung gehen (Planungskosten). Wir werden Bürgerenergieprojekte mit besonderen Konditionen in Form von Darlehen unterstützen. Die Darlehen sollen für die Finanzierung von Projekten in der Planungs- und Startphase eingesetzt werden bei:

    -           erneuerbarer Stromerzeugung

    -           erneuerbarer Wärme

    -           Energieeffizienz (Energienutzung und -versorgung von Gebäuden und Quartieren)

    -           neuer Mobilität

    -           Digitalisierung im Energiesektor.

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