Bergbau

Die Thüringer Bergverwaltung ist zweistufig aufgebaut. Die Oberste Bergbehörde ist das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. Das nachgeordnete Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLBA) ist als Vollzugsbehörde zuständig für alle bergbaubezogenen Genehmigungen und die Überwachung.

 

  • Ein Schwerpunkt der Behörden ist es, die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen zu begleiten. Die Rohstoffgewinnung berührt wesentliche Grundlagen der wirtschaftlichen Tätigkeit und damit der Schaffung des gesellschaftlichen Wohlstandes in Thüringen.

    Ein weiterer Schwerpunkt ist der Sanierungsbergbau seit der Wende von 1990 und der damit verbundenen Einstellung vieler Bergbauaktivitäten in Thüringen. Die umfängliche Stilllegung von Bergbaubetrieben über- und untertage muss so gestaltet werden, dass von diesen Objekten keine Gefährdungen mehr ausgehen. Deshalb ist eine ordnungsgemäße Verwahrung der stillgelegten Bergbauanlagen unverzichtbar.

    Eine weitere Aufgabe ist die Überwachung der rund 3.000 Altbergbauobjekte in Thüringen. Obwohl bereits viel getan wurde, ist auch in Zukunft eine intensive Kontrolle der Gefährdungspotentiale notwendig.

    Zudem muss auf Bergschadensereignisse unverzüglich reagiert werden, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten. Auch präventive Maßnahmen müssen getroffen werden.

  • Der Geologische Landesdienst sammelt Informationen zu den hydrologischen und geologischen Verhältnissen Thüringens einschließlich der Böden, des Grundwassers, des Baugrundes und der Lagerstätten. Die aufbereiteten Informationen werden den Thüringer Behörden, der Wissenschaft, Wirtschaft und den Bürgern zur Verfügung gestellt. So wird auch die Bevölkerung über den Aufbau des Untergrundes von Thüringen unterrichtet. Zudem begleitet der Geologische Landesdienst fachlich die Thüringer Geoparks bei Aufbau und Zertifizierung. Derzeit gibt es vier Geoparks in Thüringen:

     

  • Die detaillierte Kenntnis des Untergrundes ist Voraussetzung einer verantwortungsvollen Daseinsvorsorge. Sie ermöglicht z.B. die sichere Gründung von Bauwerken, eine konfliktfreie und verantwortungsvolle Rohstoffnutzung, den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Grundwassers, die Gewinnung geothermischer Energie sowie eine optimierte Forst- und Landwirtschaft.

    Die zentrale Aufgabe des Geologischen Landesdienstes ist deshalb die Erfassung und Dokumentation der Daten über den geologischen Untergrund sowie die Verfügbarmachung der Informationen zum Nutzen der Allgemeinheit - für Verwaltungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Bürger.

    Die beratende Tätigkeit des Geologischen Landesdienstes wird z.B. benötigt für die

    • Gewinnung und Sicherung von Rohstoffen wie Kies, Gips, Steinsalz, Bausteine
    • Erschließung und Schutz von Trinkwasser
    • Sanierung von Altlasten
    • Gewinnung geothermischer Energie
    • Geologische Erforschung des Landes
    • Förderung des Geo-Tourismus
    • Ausweisung von Geotopen
    • Gründung und Sicherung von Bauwerken
    • Abschätzung von Georisiken (z.B. Rutschungen, Erdfälle)
    • Planung von Verkehrstrassen (Autobahnen, Bahnlinien).

    Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, besitzt der Geologische Landesdienst von Thüringen vier Fachreferate (siehe unten Organisation Abt. 6), die sich mit folgenden Spezialgebieten der Geologie beschäftigen:

    • Geologische Landesaufnahme
    • Hydrogeologie
    • Grundwasserschutz
    • Rohstoffgeologie
    • Ingenieurgeologie
    • Georisiko
    • Geotopschutz
    • Geophysik
    • Altbergbau
    • Infrastrukturgeologie
    • Geologisches Informations- und Datenzentrum von Thüringen
  • Die geologische Landesaufnahme ist eine der zentralen Aufgaben jeder geologischen Landesbehörde. Sie umfasst die laufende Aktualisierung des Kenntnisstandes über das Alter, die Verteilung und die Lagerungsverhältnisse der Gesteine an der Oberfläche und in der Tiefe. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in analogen und digitalen Produkten, wie Karten und Datenbanken. Auch die geochemischen, hydrogeologischen, ingenieurgeologischen, rohstoffgeologischen, geophysikalischen und bodenkundlichen Verhältnisse in Thüringen beschäftigen die Landesaufnahme. Sie schafft damit wichtige Grundlagen für Verwaltung, Wirtschaft und Forschung. Die Verbesserung des geowissenschaftlichen Kenntnisstandes, die Aktualisierung des geologischen Kartenwerkes und die Verfügbarmachung des Datenbestandes des Geologischen Landesdienstes für einen breiten Nutzerkreis hat Einfluss auf Entscheidungen für eine nachhaltige, umweltverträgliche und ressourcenschonende Landesnutzung. Sie ist Voraussetzung für die Optimierung der Tätigkeit geowissenschaftlich orientierter Unternehmen und Basis für einen effektiven Umweltschutz.

  • Einer der wertvollsten geologischen Schätze ist das Grundwasser, dessen Nutzung für uns so selbstverständlich ist, dass wir den eigentlichen Wert sauberen Wassers gar nicht mehr wahrnehmen.
    Die Hydrogeologie ist der Teil der Angewandten Geologie, der sich mit dem Grundwasser befasst. Sie ist ein Zweig der Geowissenschaften, der ursprünglich aus praktischen Aufgaben erwachsen, sich heute auch mit vielen rein wissenschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzt. Nach DIN 4049 Teil 1 ist Grundwasser unterirdisches Wasser, dass die Hohlräume der Erdrinde zusammenhängend ausfüllt und dessen Bewegungsmöglichkeit ausschließlich durch die Schwerkraft bestimmt wird. Fragen der Herkunft des Grundwassers (Grundwasserneubildung), seines unterirdischen Laufes (Nährgebiet, Transitgebiet, Entlastungsgebiet), seiner Nutzung und nicht zuletzt auch seines Schutzes sind in erster Linie hydrogeologische Fragen und sind eng mit praktischen und wirtschaftlichen Problemstellungen verknüpft. Grundwasser entsteht weitgehend aus versickernden Anteilen der Niederschläge. Darüber hinaus kann es auch durch Versickerungen und/oder Versinkungen aus Oberflächengewässern (Flüsse, Seen usw.) gebildet werden. Der wassererfüllte Bereich der Erdkruste, in dem sich in größerem Umfang Grundwasser bewegt, wird als Grundwasserleiter bezeichnet.
    In Lockergesteinsgrundwasserleitern (Sand, Kies) erfolgt die Grundwasserbewegung über Porenräume, in Festgesteinsgrundwasserleitern dagegen fast ausschließlich über ein netzartiges System von Klüften, Spalten, Verwerfungs-, Schicht- und Bankungsfugen. Erfolgt die Grundwasserbewegung überwiegend über Lösungshohlräume, spricht man von Karstgrundwasserleitern als spezielle Form der Festgesteinsgrundwasserleiter.

    • Aufgaben der Hydrogeologie im Geologischen Landesdienst
    • Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (Grundwasser)
    • Montanhydrologie
    • Wasser- und Heilquellenschutzgebiete
    • Grundwasserüberwachung
    • Datendienst Grundwasser-FIS Gewässer
  • Mineralische Rohstoffe sind volkswirtschaftlich wichtige, nicht vermehrbare natürliche Ressourcen. Sie sind, geologisch bedingt, regional unterschiedlich verteilt, standortgebunden und stehen in Thüringen z. T. nur begrenzt zur Verfügung. Letzteres bedeutet, dass mit den Naturressourcen sparsam und schonend umgegangen werden muss. Gleichzeitig bestehen Forderungen der Volkswirtschaft zum Abbau nutzbarer Lagerstätten, da die Versorgung mit Rohstoffen eine wichtige Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes bildet und somit auch zur Sicherung unseres Lebensstandards beiträgt.

    Hauptaufgabe der lagerstättenwirtschaftlichen Arbeiten der Rohstoffgeologie in Thüringen ist, die bedarfsgerechte, verbrauchernahe und damit möglichst umweltverträgliche Bereitstellung von Rohstoffen für die Wirtschaft aus eigenen Lagerstätten zu sichern und dabei den Forderungen der Nachhaltigkeit gerecht zu werden.

    Dem geologischen Bau des Landes und der Mannigfaltigkeit der vorkommenden Gesteine entsprechend, verfügt Thüringen über eine Vielfalt an mineralischen Rohstoffen. Demzufolge hat auch der Bergbau eine lange Tradition. Während jedoch die ehemals wichtigen Bergbauzweige wie z. B. der Abbau von Kali- und Steinsalzen, von Erzen und Spaten und von Braunkohlen aus ökonomischen Gründen im 20. Jahrhundert sukzessive verringert bzw. sogar eingestellt wurden, kam und kommt der Gewinnung der überwiegend oberflächennah anstehenden Steine- und Erden-Rohstoffe zunehmend größere Bedeutung zu.

    Das in Thüringen vorhandene Steine- und Erden-Rohstoffpotential gliedert sich in folgende Rohstoffgruppen

    • Kiessand
    • Sand/Sandstein
    • Kalkstein für die Herstellung von Schotter und Splitt
    • Hartgestein (silikatisches Gestein) für die Herstellung von Schotter und Splitt
    • Gips- und Anhydritstein
    • Werk- und Dekorationsstein
    • Grobkeramische Rohstoffe (Tonschiefer, Ton- und Schluffstein sowie Ton und Schluff)
    • Rohstoffe für spezielle Einsatzzwecke

    Mineralische Rohstoffe begleiten uns überall im täglichen Leben. So finden die Steine- und Erden-Rohstoffe z. B. im Wohnungsbau, bei Stadtsanierungen, im Gewerbeneubau und vor allem im Straßen- und Wegebau Verwendung. Dabei ist nach wie vor den politischen und ökonomischen Forderungen Rechnung zu tragen, diese Rohstoffe so preiswert und verbrauchernah wie möglich zur Verfügung zu stellen.

    Untertägig erfolgt derzeitig in Thüringen die Gewinnung von Kali- und Steinsalz, Erdgas und Flussspat.

    Zur Koordinierung, Steuerung und Durchführung der Arbeiten auf den Gebieten der Rohstoffsicherung, Lagerstättenwirtschaft und Lagerstättenuntersuchung erfolgt im Bereich Rohstoffgeologie die wissenschaftliche Bearbeitung der Rohstoffvorkommen (z. B. Erstellung von Rohstoffsicherungskarten, Karte der oberflächennahen Rohstoffe - KOR) und die Erfassung und Bewertung von Lagerstätten der Steine- und Erden-Rohstoffe sowie der Industrieminerale in Thüringen unter rohstoff- und wirtschaftsgeologischen Aspekten.

    Die 1994 begonnene und seither fortlaufende Erfassung lagerstättenwirtschaftlich-statistischer Daten im Fachinformationssystem Rohstoffe erlaubt deren Auswertung im Rahmen der vom Geologischen Landesdienst regelmäßig veröffentlichten "Lagestättenwirtschaftlichen Jahresanalyse". Diese informiert die Landesregierung und Behörden, die Verbände und Unternehmen, die Kommunen und auch Privatpersonen über den Stand der Gewinnung oberflächennaher Rohstoffe in Thüringen und dient als Grundlage zur Rohstoffsicherung.

    Lagerstättenwirtschaftliche Jahresanalyse​​​​​​​

    Weitere Schwerpunkte bilden die gutachterlichen Bewertungen der rohstoffgeologischen Kriterien für die rechtliche Zuordnung von Bodenschätzen und die rohstoffgeologischen Stellungnahmen im Rahmen von Raumordnungs-, Genehmigungs- und Zulassungsverfahren für die Gewinnung von Rohstoffen sowie für die Bewertung von Infrastrukturmaßnahmen (z. B. Verkehrswegebau).

    Der Bereich Rohstoffgeologie berät die Landesregierung, Behörden, Verbände, Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen zu Fragen der Rohstoffgeologie, -sicherung und Lagerstättennutzung.

  • Nicht überall ist der natürliche Untergrund Thüringens als Baugrund und Bauraum so beschaffen, dass man auf ihm jedes Bauwerk problemlos errichten könnte. Dies gilt schon für Einfamilienhäuser, besonders aber für anspruchsvollere Bauwerke wie Hoch- und Industriebauten, Verkehrstrassen mit ihren Tunneln und Brücken und Talsperren ebenso für Bergwerke und Deponien.

    Der natürliche Untergrund ist für den Bauingenieur ein Baustoff auf dem, in dem und mit dem gebaut werden muss. Um diesen Baustoff optimal einsetzen zu können, müssen seine Eigenschaften wie Festigkeit, Verformbarkeit, hydraulisches Verhalten usw. mit einem für den Ingenieur verständlichen berechenbaren Modell beschrieben werden.

    Dieser Untergrund ist jedoch aufgrund unterschiedlicher Entstehungsweise und Materialzusammensetzung sowie mannigfacher Beanspruchung durch erdinnere Kräfte, Verwitterung und Erosion oft sehr inhomogen ausgebildet. Deshalb ist der Baugrund, bei Bauvorhaben, jedes Mal neu zu erkunden und in Hinblick auf seine lokalen geotechnischen Eigenschaften zu beschreiben. Zu diesem Zweck sind Aufschlüsse zu dokumentieren, ggf. spezielle Karten anzufertigen, Bohrungen und Sondierungen durchzuführen, Proben zu entnehmen und ihre geotechnischen Eigenschaften zu untersuchen oder gar aufwändige geomechanische Feldversuche durchzuführen.

    Hier sind Fachleute vonnöten, die nicht nur geologische Fakten deuten können, sondern sie auch in die Sprache des Ingenieurs übersetzen können: eben die Ingenieurgeologen an der Schnittstelle: Geologie-Bauwesen.

    In der TLUG werden diese Aufgaben von den Mitarbeitern des Ref. 64 - Ingenieurgeologie - wahrgenommen. Sie verstehen sich als staatliche Experten der Geosphären-Ressource "Baugrund/Bauraum" mit einem weiten Aufgabenfeld:

    • hoheitliche Grundlagenaufgaben wie die ingenieurgeologische Landesaufnahme im Hinblick auf Planungshilfen und Georisiken
    • Aufbau und Pflege ingenieurgeologischer Fachdatenbanken
    • umfängliche Auskunfts-, Beratungs- und Untersuchungstätigkeit für Behörden, Wirtschaft und betroffene Bürger
    • Wahrnehmung von Aufgaben als Träger öffentlicher Belange (TÖB) gemäß Baugesetzbuch für die Bauleitplanung von Gebietskörperschaften
    • landesweite Erhebung von Fachdaten, um öffentlich verfügbare Informationsträger zu erstellen
    • Prüfungen von Stauanlagen jeglicher Art in Thüringen in ingenieurgeologischer, bodenmechanischer und grundbautechnischer Sicht; Beteiligung bei Voruntersuchung für Standortplanung, Untersuchung und Überwachung vor und während der Bauausführung, Überwachung des Probestaus und Staubetriebes, Mitarbeit in der Talsperrenaufsicht Thüringens
    • fachbehördliche Vorhabensbegleitung von Bauvorhaben, die für die wirtschaftliche Entwicklung Thüringens bedeutsam sind.
  • Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche bedrohen Thüringen nicht, aber andere Georisiken wie Rutschungen, Felsstürze oder Erdfälle bzw. -senkungen stellen Gefahrenpotentiale dar, die große Schäden in menschlichen Siedlungsräumen anrichten können. Verantwortlich hierfür ist das komplexe Zusammenspiel von Geologie, Verwitterung und Klima. Diese Faktoren steuern Entstehung und Verlauf von Rutschungen und Subrosionsvorgängen. Beeinflussen können Geologen diese Steuermechanismen nicht, aber sie können gefährdete Bereiche erkennen, dokumentieren, beobachten und Schlussfolgerungen zur Prävention treffen. Bei der Planung von Siedlungsgebieten und Verkehrswegen weisen sie auf diese Gefahren hin und helfen so, Schäden zu verhindern. Schäden lassen sich am einfachsten dadurch vermeiden, dass gefährdete Gebiete nicht bebaut werden. Oft ist das aus den verschiedensten Gründen jedoch nicht möglich, dann ist der Geologe gefragt, bei der Minimierung der von diesen Georisiken ausgehenden Gefahren mitzuwirken. Das erfordert sowohl Kenntnis der regionalen Geologie, der Ursachen und des Ablaufs solcher Ereignisse als auch fundiertes Wissen über Techniken zur Kontrolle oder Vermeidung dieser Gefahren. Daher sind Erfassung und Bewertung von Georisiken wesentliche Aufgaben der Ingenieurgeologie. Die Ingenieurgeologen stellen aufgrund ihrer Kenntnisse von Geologie und Bautechnik die geeigneten Partner für eine enge Zusammenarbeit mit Planern und Bauingenieuren dar.

    Bergbau oder Eingriffe in die Oberflächengestalt durch Baumaßnahmen, durch Veränderung natürlicher Gewässer können unter ungünstigen Umständen Gefahrenpotentiale für die Infrastruktur unserer hochtechnisierten Gesellschaft darstellen.

    Neben natürlichen Georisiken müssen auch diese durch menschliches Einwirken hervorgerufene Gefahren vom Ingenieurgeologen erkannt und vorbeugend fachlich bearbeitet werden.

    Die wichtigsten Aufgabenfelder der Ingenieurgeologen der TLUG im Rahmen von Georisiken in Thüringen sind:

    • hoheitliche Grundlagenaufgaben wie die ingenieurgeologische Landesaufnahme als Planungshilfe im Umgang mit Georisiken,
    • Auskunfts-, Beratungs- und Untersuchungstätigkeit für Landesregierung, Behörden, Wirtschaft und betroffene Bürger,
    • Wahrnehmung von Aufgaben als Träger öffentlicher Belange (TÖB) gemäß Baugesetzbuch für die Bauleitplanung von Gebietskörperschaften,
    • landesweite Erhebung von Fachdaten,
    • Aufbau und Pflege ingenieurgeologischer Fachdatenbanken zu dem Thema Georisiko,
    • fachbehördliche Vorhabensbegleitung von Sicherungs- oder Sanierungsarbeiten bei durch Erdfälle, Erdsenkungen, Rutschungen oder Felsstürze hervorgerufenen Schäden,
    • Mitwirkung bei der Planung von Präventionsmaßnahmen zur Abwehr von erkannten geogenen Gefahren.

    Merkblatt zur Erdfallgefährdung 1

    Merkblatt zur Erdfallgefährdung 2

  • Thüringen ist sowohl geologisch als auch landschaftlich ein vielseitig geprägtes Bundesland, zudem eines der Geburtsländer der Geologie als Wissenschaft und zeichnet sich durch eine Vielfalt bekannter geologischer und montanwissenschaftlicher Lokalitäten aus.

    Der Schutz geologischer Naturdenkmale ist eng mit dem Bestreben der Menschen verbunden, die Entstehungsgeschichte der Gesteine und die Entwicklung des Lebens auf der Erde zu erkennen, zu bewerten und sich an der Schönheit und Eigenart der Bildungen zu erfreuen.

    Lange Zeit bestand in Deutschland kein eindeutiger und einheitlicher Begriff für die besonderen Bildungen der unbelebten Natur. Im Auftrag der Direktorenkonferenz der Geologischen Dienste der Länder der Bundesrepublik Deutschland wurde 1992 begonnen, eine "Arbeitsanleitung Geotopschutz in Deutschland - Leitfaden der Geologischen Dienste der Bundesrepublik Deutschland" zu erarbeiten, welche 1996 vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn-Bad Godesberg herausgegeben wurde.

    Nach der Veröffentlichung im Thüringer Staatsanzeiger Nr. 24/1994 war die Thüringer Landesanstalt für Geologie im Rahmen der Trägerschaft öffentlicher Belange mit dem "Denkmalschutz für geologische Naturdenkmale" betraut. Diese Beauftragung schließt die Beratung der Naturschutzbehörden sowie die Aufnahme und Bewertung der Schutzwürdigkeit der Objekte ein.

    Im Zuge der möglichst vollständigen Erfassung der geschützten geologischen Naturdenkmale wurden 1994 die im Geologischen Landesdienst der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie vorhandenen Unterlagen mit denen der unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter bzw. Stadtverwaltungen der kreisfreien Städte abgestimmt und ergänzt.

    Geoparks und Geoparkprojekte in Thüringen

    In Geoparks soll die Bedeutung geologischer und geomorphologischer Prozesse für die natürlichen Ressourcen, aber auch für die Landnutzung, die Oberflächengestaltung sowie die Wirtschafts- und Kulturgeschichte für eine breite Öffentlichkeit erlebbar gemacht werden. Dieser Ansatz erfordert gemeinsames Handeln aller Beteiligten und die Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Dabei stehen die wirtschaftliche Entwicklung, die Tourismusförderung und Freizeitgestaltung im Vordergrund.

    Geoparks stellen damit im Unterschied zu den Naturparks keine (neue) rechtsverbindliche Schutzkategorie dar, sondern sollen unter dem Aspekt des Erhaltes und der Pflege der Geotope sowie der Umweltbildung vorallem der touristischen Erschließung und Vermarktung dienen.

    Folgende Geoparkprojekte unterschiedlichen Realisierungsstadiums existieren in Thüringen:

    • Geopark Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen mit dem nördlichen Teil des Landkreises Nordhausen
    • Geopark Kyffhäuser im Kyffhäuserkreis mit Teilgebieten der Landkreise Sömmerda und Nordhausen sowie Sangerhausen in Sachsen-Anhalt
    • Thüringer Geopark Inselsberg - Drei Gleichen
    • Geopark-Projekt Thüringisch-Fränkische Schieferland
    • Nationale GeoParks in Deutschland
  • Bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts begannen in Thüringen erste geophysikalische Regionalvermessungen im Rahmen der Reichsaufnahme zur Erweiterung des Kenntnisstandes der tieferen geologischen Strukturen. Vermessungen größerer Gebiete folgten zu Beginn der 1950er Jahre, um die Erkundung von volkswirtschaftlich bedeutsamen Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas, Spat, Salz, Uran, Eisen- und anderer Erze, Bau- und Zuschlagstoffe etc. zu forcieren. In den nachfolgenden Jahren bis 1990 wurde der Geophysik ein hoher Stellenwert bei der Verstärkung des geologischen Wissensstandes eingeräumt. Großflächige Untersuchungen, zuletzt auch mittels Aerogeophysik, wurden durchgeführt. Diese umfangreichen Daten befinden sich im Datenspeicher Leipzig.

    Erbe des thüringischen Anteils im geophysikalischen Fundus ist der Freistaat Thüringen. Verwalter und Nutzer im Rahmen der geologischen Landesaufnahme und der angewandten Bereiche ist der in die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie integrierte Geologische Landesdienst.

  • Der Bereich Infrastrukturgeologie bündelt das Wissen der Geologischen Landesaufnahme, der Grundlagenforschung verschiedener geowissenschaftlicher Disziplinen und der angewandten Bereiche wie der Hydrogeologie, der Ingenieurgeologie, der Rohstoffgeologie, der Bodengeologie etc. für geowissenschaftliche Stellungnahmen und Beratungen, die im Rahmen der Raumordnung, Landesplanung und Bauleitplanung und von Genehmigungsverfahren erforderlich werden.

    Der Schwerpunkt des Bereiches Infrastrukturgeologie liegt folglich in der Wahrnehmung der Aufgaben des Geologischen Landesdienstes der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) als Träger öffentlicher Belange (TÖB).

  • Aufgaben des Geologischen Informations- und Dokumentationszentrums

    Die Führung des Geologischen Informations- und Dokumentationszentrums (Geologischen Landesarchivs) - bestehend aus Schriftgut-, Karten- und Bohrarchiv - gehört zu den originären Aufgabenbereichen des Geologischen Landesdienstes der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie. Darin erfasst ist ein Großteil des geologischen Schriftgutes mit Bezug auf den Freistaat Thüringen. Es entstand im Rahmen der Tätigkeit der geologischen Landesverwaltung sowie weiterer einschlägiger Behörden und Einrichtungen des Landes über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren. Hierzu zählen auch die umfangreichen Berichtsdokumente, Gutachten und sonstigen Schriften der in Thüringen tätigen geotechnischen Unternehmen, die auf der Basis der ehemaligen Dokumentationsordnung bzw. des Lagerstättengesetzes der TLUG als zuständiger Landesbehörde übergeben wurden.

    Die Aufgaben des Geologischen Landesarchivs sind:

    • Sammlung, Archivierung und inhaltliche Erschließung geowissenschaftlicher Daten (Karten, Schriftgut, Geophysikalische Messergebnisse, Fachliteratur, Bohrdaten und -proben) in analoger und digitaler Form für die Fachreferate des Geologischen Dienstes der TLUG.
    • Bereitstellung geowissenschaftlicher Daten für wissenschaftliche, wirtschaftliche oder raumplanerische Fragestellungen.
    • Fachliche Beratung von Unternehmen, Behörden und Privatpersonen.

    Vorgeschichte

    Mit ihrer Gründung am 14.12.1991 übernahm die Thüringer Landesanstalt für Bodenforschung das geowissenschaftliche Schriftgut folgender ehemaliger Einrichtungen, Unternehmen und Dienststellen:

    • Abteilungen Geologie bei den Räten der Bezirke Erfurt, Gera und Suhl einschließlich anteilig das geologische Schriftgut der dem Lande Thüringen beigetretenen Kreise Artern (ehemals Bezirk Halle) sowie Altenburg und Schmölln (ehemals Bezirk Leipzig)
    • Geologischer Fundus des Zentralen Geologischen Instituts (ZGI) in Berlin (u. a. auch Bestände der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt, des Reichsamtes für Bodenforschung Berlin, der Staatlichen Geologischen Kommission der DDR)
    • VEB Geologische Forschung und Erkundung (GFE) Halle, Betrieb Freiberg, BT Jena (u. a. auch Bestände der Geologischen Landesuntersuchung Thüringen sowie der Staatlichen Geologischen Kommission, Geologischer Dienst Jena)
    • geowissenschaftliche, geo- und bohrtechnische Unternehmen sowie Bergbauunternehmen.

    Die Berichte, Gutachten und Stellungnahmen, Studienarbeiten, Bohr- und Probendaten umfassen den Zeitraum vom ausgehenden 19. Jh. bis heute.

    Die Bestandteile des Geologischen Landesarchivs von Thüringen

    • Schriftgut- und Kartenarchiv
    • Bohrarchiv
    • Geologisches Probenarchiv Thüringen (GEOPAT)

Strahlenschutz

Das Thüringer Umweltministerium genehmigt und beaufsichtigt alle Anwendungen im Zusammenhang mit Kernbrennstoffen. Das Ministerium ist zudem verantwortlich für die Transporte von Kernbrennstoffen durch Thüringen. Als oberste Landesbehörde nach Strahlenschutzvorsorgegesetz koordiniert es die Entsorgung radioaktiver Stoffe. Darüber hinaus übernimmt es weitere Aufgaben im Strahlenschutz im Zusammenhang mit der Fachaufsicht über nachgeordnete Behörden.

  • Ionisierende Strahlung stellt unbestritten ein Gefährdungspotential dar, etwa wenn radioaktive Stoffe militärisch eingesetzt oder, wie beim Reaktorunfall von Tschernobyl, unkontrolliert freigesetzt werden. Dennoch zeigen viele Anwendungen in Kernenergie, Technik, Forschung und Medizin, dass ionisierende Strahlung und radioaktive Stoffe friedlich nutzbar sind und Strahlenschäden sowie dadurch verursachte langfristige Veränderungen der Umwelt nachhaltig vermieden werden können. In der Medizin stehen die positiven Effekte ionisierender Strahlung für den Erhalt der Gesundheit des Patienten im Vordergrund.

    Dem Trend für moderne Strahlenanwendungen folgend gab es im Jahr 2008 in Thüringen 464 genehmigte Anwendungen radioaktiver Stoffe sowie 3.969 Röntgengeräte in Medizin, Forschung und Industrie. Schwerpunkt ist der medizinische Bereich mit den Arbeitsgebieten Strahlentherapie, Nuklearmedizin und Röntgendiagnostik. Mittlerweile gibt es sechs mit modernsten Linearbeschleunigern ausgerüstete Einrichtungen für die Tumortherapie, fünf nuklearmedizinische Stationen zur Radiojodtherapie von Schilddrüsenerkrankungen sowie 32 Einrichtungen zur nuklearmedizinischen Diagnostik.

    Die Thüringer Umweltverwaltung, vertreten durch das Thüringer Landesverwaltungsamt, prüft für diese Einrichtungen im Genehmigungsverfahren, ob die in Deutschland geltenden gesetzlichen Vorgaben für den Strahlenschutz eingehalten werden. So interessiert beispielsweise bei der Verwendung offener radioaktiver Stoffe die Handhabung radioaktiver Abfälle sowie die Begrenzung betriebsbedingter radioaktiver Emissionen. Emissionen sind selbstverständlich so weit wie möglich zu minimieren. Keinesfalls dürfen jedoch zum Schutz von Mensch und Umwelt die gesetzlich verankerten Dosisgrenzwerte überschritten werden. In den Genehmigungsverfahren werden für alle Einrichtungen spezielle Rahmenbedingungen festgelegt.

    Die genehmigten Strahlenanwendungen beaufsichtigt der Thüringer Landesbetrieb für Arbeitsschutz und technischen Verbraucherschutz, koordiniert durch das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit. Weiterhin ist gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Röntgengeräte und Strahlenquellen in Medizin, Forschung und Industrie in bestimmten Abständen durch Sachverständige zu überprüfen sind. Diese Sachverständigen benennt und überwacht das Thüringer Umweltministerium. 

    Zur Entsorgung radioaktiver Abfälle hat Thüringen einen Entsorgungsverbund mit dem Freistaat Sachsen vertraglich vereinbart, dem mittlerweile auch das Land Sachsen-Anhalt beigetreten ist. Die Vereinbarung aus dem Jahr 1994 hat sich bewährt.

  • Von nachhaltiger Bedeutung für den Schutz von Mensch und Umwelt bei der Anwendung radioaktiver Stoffe ist die ständige Kontrolle der Umweltradioaktivität.

    Bereits Anfang der Neunziger Jahre begann Thüringen mit der Einrichtung des „Integrierten Mess- und Informationssystems zur Erfassung der Umweltradioaktivität“ (IMIS) des Bundes und entwickelte es ständig weiter. Bei der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie wurden zwei Messstellen eingerichtet, die nach den Vorgaben des Strahlenschutzvorsorgegesetzes in ein umfangreiches Bundesmessnetz zur Erfassung der Umweltradioaktivität integriert sind. Zusätzlich werden, mit speziellen landesspezifischen Messprogrammen an neun Standorten mit besonders hoher Bevölkerungsdichte, die Gamma-Ortsdosisleistung automatisch erfasst und die Trinkwassertalsperren auf Radioaktivitätseinträge überwacht. Damit werden in Thüringen radioaktive Immissionen künstlicher Radionuklide systematisch kontrolliert.

    Die vorhandenen Messergebnisse schließen nachhaltig gesundheitliche Bedenken für die Thüringer Bevölkerung aus. Darüber hinaus steht ein effektives Instrumentarium zur Bewältigung radiologischer Notfälle zur Verfügung. Bei einem Reaktorunfall kann neben anderen Substanzen auch radioaktives Jod freigesetzt und über ein großes Gebiet verbreitet werden. Durch die rechtzeitige Einnahme von hochdosierten Jodtabletten kann die Aufnahme des Radiojods in die Schilddrüse mit seiner schädlichen Wirkung verhindert werden. Die Thüringer Landesregierung hat deshalb ein Konzept erarbeitet, das im Ereignisfall insbesondere die Alarmierung und Information der Bevölkerung sowie die Logistik für die Verteilung von Jodtabletten enthält (Jodprophylaxe).

    Für die Strahlenexposition des Menschen sind auch die beim Kernzerfall aus Radon entstehenden kurzlebigen Folgeprodukte von Bedeutung. Deshalb wurde eine Prognose der Radonverfügbarkeit in Thüringen in Auftrag gegeben.

    Zu Radon in Wohnräumen gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Regelungen und bisher auch keine verbindlichen Grenzwerte. Unabhängig davon gibt die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Hinweise für Maßnahmen zum Schutz vor erhöhten Radonkonzentrationen in Wohngebäuden.

  • Die langlebigen Radionuklide des Urans und Thoriums sowie des Kaliums gehören zu den Elementen, die seit der Erdentstehung Bestandteil der Erdkruste sind. Somit war und ist der Mensch ständig von Radioaktivität umgeben. Radioaktivität ist also ein normaler Bestandteil unseres Lebens.

    Radioaktive Stoffe senden Strahlung aus, die zu Gesundheitsschäden bei Lebewesen führen kann.
    Diese Strahlung wird „ionisierende Strahlung“ (oft auch radioaktive Strahlung) genannt. Sie tritt im täglichen  Leben vor allem als Alpha-, Beta- oder Gamma-Strahlung, meistens  jedoch als Kombination dieser Strahlungsarten auf.
    Das Maß dieser Strahleneinwirkungen auf den Menschen wird als Strahlendosis (meist in Form der effektiven Dosis – Einheit Sv) angegeben.

    Durch den Umgang mit radioaktiven Stoffen (Herstellung, Anwendung, Beseitigung) ist die Erkenntnis entstanden, dass die Einwirkung ionisierender Strahlung grundsätzlich lebendes Gewebe schädigen, Krebs hervorrufen und genetische Missbildungen erzeugen kann.
    Heute ist der bestimmungsgemäße Umgang mit der friedlichen Nutzung in Technik, Forschung und Medizin nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Aber nach wie vor stehen große Teile der Bevölkerung dem Umgang mit der Radioaktivität sehr skeptisch gegenüber.

    Da der Mensch mit seinen Sinnesorganen nicht in der Lage ist, das Ausmaß der Exposition selbst einzuschätzen, ist er auf Messgeräte zum Nachweis der Strahlung angewiesen. Um die Einwirkung der ionisierender Strahlung - gleich welcher Herkunft - in einem als unbedenklich akzeptierten Bereich zu halten, wurden in der Bundesrepublik Deutschland eine Vielzahl gesetzlicher Regelungen zum Umgang mit radioaktiven Stoffen, zur Kontrolle durch Aufsichtsbehörden und zur ständigen Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt durch aufwändige Messprogramme erlassen.
    Die TLUG führt wie zahlreiche andere Institutionen des Bundes und der Länder die behördlichen Radioaktivitätsmessungen in der Umwelt durch. Je nach Zuständigkeiten werden von den Messstellen des Bundes und der Länder verschiedene, für die Strahlenexposition des Menschen bzw. die Kontamination der Umwelt relevante Medien unter Einhaltung der vom
    Gesetzgeber vorgegebenen Anforderungen an die Messnetze, Probenentnahmepläne und Messmethoden untersucht.

  • Die Erfahrungen mit den Auswirkungen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl im Jahre 1986 haben gezeigt, dass zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt ein bundeseinheitliches Vorgehen aller für die Strahlenschutzvorsorge zuständigen Behörden gewährleistet sein muss. Um zukünftig besser gerüstet zu sein, wurden von Bund und Ländern eine Reihe verbindlicher Regelungen getroffen.

    Beispielhaft sind

    • das Strahlenschutzvorsorgegesetz vom 19.12.1986, das die Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern bei der Strahlenschutzvorsorge regelt,
    • die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Integrierten Mess- und Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (IMIS) nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz (AVV-IMIS)" vom 13.Dezember 2006
    • die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung der Überwachung von Lebensmitteln nach der Verordnung (EURATOM) Nr. 3954/87 des Rates vom 22. Dezember 1987 zur Festlegung von Höchstwerten an Radioaktivität in Nahrungsmitteln und Futtermitteln im Falle eines nuklearen Unfalls oder einer anderen radiologischen Notfallsituation" vom 28. Juni 2000 zu nennen.

    Thüringen hat im Rahmen der Strahlenschutzvorsorge die gesetzliche Pflicht, auf seinem Gebiet die Radioaktivität in der Umwelt - in Arbeitsteilung mit dem Bund - ständig zu überwachen.
    Die Überwachung führen die zuständigen beiden Landesmessstellen der TLUG nach den gesetzlichen Vorgaben des § 3 des Strahlenschutzvorsorgegesetzes (StrVG) in Bundesauftragsverwaltung durch. Zusätzlich werden spezielle Landesmessprogramme betrieben, die den besonderen Bedingungen Thüringens Rechnung tragen, z. B. die Überwachung der Thüringer Talsperren, die zur Trinkwasseraufbereitung genutzt werden und die Überwachung der Thüringer Waldökosysteme.

    Grundlage der Überwachung sind die Vorgaben der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Integrierten Mess- uns Informationssystem zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (IMIS) nach dem Strahlenschutzvorsorgegesetz (AVV-IMIS)" im Normal- und Intensivbetrieb. Grundsätzlich befindet sich IMIS im Normalbetrieb. Im Falle von Ereignissen mit möglichen nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit der Intensivbetrieb angeordnet.
    In den jeweiligen, den Betriebsarten zugeordneten Messprogrammen ist festgelegt,

    • welche Umweltbereiche,
    • an wie vielen Standorten,
    • in welchen Zeitabständen,
    • worauf zu untersuchen sind.

    Zu überwachen sind alle Umweltbereiche, die bei einer Kontamination der Umwelt Einfluss auf die Strahlenexposition des Menschen haben können. Dazu wurden die Probennahmeorte in Thüringen so verteilt, dass alle für den jeweiligen Umweltbereich relevanten Regionen (z. B. Hauptanbaugebiete, Ressourcenschwerpunkte usw.) in der Überwachung berücksichtigt sind. Außerdem wurde auf eine möglichst engmaschige Verteilung von Probennahme- bzw. Messpunkten über das ganze Land geachtet, damit jeder Landkreis einbezogen und stets ein repräsentativer Überblick über die Umweltradioaktivität im Freistaat gegeben ist.
    Die Probennahmen werden unter Einsatz amtlicher Probennehmer der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei, des Thüringer Landesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz, der kommunalen Lebensmittel- und Veterinär- Untersuchungsämter, der Mitarbeiter der Thüringer Fernwasserversorgung und der Fernwasserversorgung Südthüringen durchgeführt.

    Weiterhin werden importierte Produkte im Handel beprobt:
    (Freilandgemüse, Getreide, Obst, Kartoffeln, Rindfleisch, Schweinefleisch, Kalbfleisch,
    Geflügel, Wildbret, Milchprodukte, Einzelfuttermittel, Fisch)

    Für die Landesmessprogramme werden Oberflächenwasser aus Trinkwassertalsperren, Böden
    aus Agrar- und Waldökosystemen und Wildpilze beprobt.

    Folgende Messverfahren kommen zur Anwendung:
    Gamma-Spektroskopie
    Alpha-Spektroskopie
    Messung von Beta-Strahlern
    In-Situ-Gamma-Spektroskopie
    Messung der Gamma-Ortsdosisleistung

    Die Überwachung der Radioaktivität konzentriert sich auf Radionuklide wie z. B. Strontium-90, Iod-131, Cäsium-134, Cäsium-137, Plutonium-239, die insbesondere als Folge der langfristigen Auswirkungen der oberirdischen Kernwaffenversuche und des Betriebs kerntechnischer Anlagen in der Umwelt häufig vorkommen.
    Alle Proben werden in den Landesmessstellen auf gammastrahlende Radionuklide, ein Teil der Proben zusätzlich auf beta- und alphastrahlende Radionuklide untersucht. Im folgenden sind die, nach AVV-IMIS, zu bestimmenden Nuklide insgesamt aufgeführt (kursiv – zusätzlich im Intensivbetrieb):

    gamma-Spektroskopie
    40K, 60Co, 134Cs, 137Cs, 103Ru, 131I, 144Ce
    alpha-Spektroskopie
    234U, 235U, 238U, 238Pu, 239/240Pu, 241Am
    Messung von beta-Strahlern
    90Sr, 89Sr, 3H

    Die nachfolgende Tabelle zeigt das seit 01.01.2007 gültige Mengengerüst für Thüringen, mit den entsprechenden zu beprobenden Umweltbereichen unter Berücksichtigung der jeweiligen Messverfahren.

    IMIS-Mengengerüst des Landes Thüringen für 2007
    Größe: 158.4 kB

    Zusätzlich, zu den oben aufgeführten Messungen, ermittelt das Land an ausgewählten Standorten mit hoher Bevölkerungsdichte bzw. im Einflussbereich von deutschen Kernkraftwerken kontinuierlich die Gamma-Ortsdosisleistung (ODL). Das Messnetz umfasst inzwischen 11 Messpunkte in den Stadtzentren von Erfurt, Nordhausen, Suhl, Greiz, Eisenach, Altenburg, Weimar, Gera, Meiningen/Dreißigacker und Wintzingerode sowie Jena als Messnetzzentrale.
    Es ist so konzipiert, dass relative Veränderungen des Strahlungspegels durch die Freisetzung von radioaktiven Stoffen z. B. bei Unfällen in kerntechnischen Anlagen in kürzester Zeit erkannt, abgeschätzt, zeitlich verfolgt und bewertet werden können.

    Die zusammengefassten Messergebnisse werden im Umweltbericht des jeweiligen Jahres veröffentlicht.

  • Information der Bevölkerung über ein Konzept zur Verwendung / Verteilung von Jodtabletten zur Jodblockade der Schilddrüse bei einem kerntechnischen Unfall

    Inhalt

    1             Allgemeines / Einleitung

    1.1          Verwendung von Jodtabletten zur Jodblockade

    1.2          Planung von Katastrophenschutzmaßnahmen im Umfeld von Kernkraftwerken in Deutschland

    1.3          Für Thüringen relevante Kernkraftwerksstandorte und Planungsgebiete

    1.4          Prognose und Entscheidungsfindung

    2             Verteilung der Jodtabletten im Ereignisfall im Freistaat Thüringen

    3             Literatur und weiterführende Quellen

    4             Ansprechpartner

     

    1          Allgemeines / Einleitung

    Deutsche Kernkraftwerke (KKW) verfügen über Sicherheitseinrichtungen sowie vorgeplante Maßnahmen, die das Eintreten eines kerntechnischen Unfalls mit relevanten radiologischen Auswirkungen in der Umgebung praktisch ausschließen sollen. Zu einem solchen Ereignisablauf könnte es nur dann kommen, wenn die vorhandenen, mehrfach gestaffelten Sicherheitsmaßnahmen nicht greifen sollten und die zusätzlichen Maßnahmen zur Verhinderung schwerer Kernschäden und zur Eindämmung ihrer radiologischen Folgen nicht erfolgreich wären [1].

    Obwohl solche Ereignisabläufe für Deutschland als höchst unwahrscheinlich gelten, müssen dennoch Vorsorgemaßnahmen im Katastrophenschutz und zur Strahlenschutzvorsorge konzipiert werden.

    Grundlage von Maßnahmen des Katastrophenschutzes sind die entsprechenden Gesetze der Länder, die Planung und Durchführung derartiger Maßnahmen erfolgt in Anlehnung an die "Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen" [2]. Der Vollzug des Strahlenschutzvorsorgegesetzes wird durch die Länder in Bundesauftragsverwaltung durchgeführt, soweit nicht, z.B. im Bereich großräumiger Überwachung der Umweltradioaktivität (Bundeswasserstraßen) bundeseigene Behörden tätig werden [1].

     

    1.1       Verwendung von Jodtabletten zur Jodblockade

    Bei einem Reaktorunfall kann neben anderen Substanzen auch radioaktives Jod freigesetzt und über ein großes Gebiet verbreitet werden. Durch die rechtzeitige Einnahme von hochdosierten Jodtabletten kann die Aufnahme des Radiojods in die Schilddrüse mit seiner schädlichen Wirkung verhindert werden.

     

    Die Verteilung von Jodtabletten in der Bevölkerung bei kerntechnischen Unfällen war in Deutschland in der Vergangenheit nur innerhalb einer 25 km-Zone um die Kernkraftwerke vorgesehen. Für diese Bereiche verfügen die Betreiberländer von Kernkraftwerken seit längerem über geeignete Organisationssysteme. Die Auswertung des Unfalls in Tschernobyl hat jedoch gezeigt, dass die unfallbedingte Aufnahme radioaktiven Jods auch im Fernbereich eines Kernkraftwerks zu einer erhöhten Häufigkeit bösartiger Schilddrüsenerkrankungen führen kann. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse hat die Deutsche Strahlenschutzkommission empfohlen, auch im 25 bis 100 km-Fernbereich die Einnahme von Jodtabletten bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre und Schwangeren bei entsprechenden Unfallsituationen zu veranlassen. Dieser Vorschlag wurde in die "Rahmenempfehlung für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen“ übernommen und von der Innenministerkonferenz bestätigt [2].

    Die Thüringer Landesregierung hat deshalb ein Konzept erarbeitet, das im Ereignisfall insbesondere die Alarmierung und Information der Bevölkerung sowie die Logistik für die Verteilung von Jodtabletten enthält. Hierbei ist für Thüringen die Verteilung von Kaliumjodidtabletten an Personen bis zum 18. Lebensjahr und Schwangere für den Entfernungsbereich 25 bis 100 km vom Unfallort vorgesehen. Die Kaliumjodidtabletten werden in Verantwortung des Bundesumweltministeriums zentral gelagert und im Ereignisfall in die betroffenen Gebiete transportiert.

    Kriterium für die Entscheidung zur Einnahme der Jodtabletten ist die Überschreitung einer Schilddrüsenorgandosis durch das inhalierte Radiojod von 50 mSv.

    Die Bevölkerung wird im Ereignisfall über Presse, Funk und Fernsehen über die Gefahrenlage, Schutzmöglichkeiten und die Ausgabemodalitäten der Tabletten und deren Einnahme informiert.

    Ärzte, Apotheker und das öffentliche Gesundheitswesen sind im Ereignisfall Ansprechpartner bei Fragen zur Einnahme der Jodtabletten. Im Bedarfsfall ist eine medizinische Versorgung über die regulären Strukturen des Gesundheitswesens gegeben.

    Die Jodtabletten sollten von der betroffenen Altersgruppe möglichst unmittelbar vor der Aufnahme des radioaktiven Jods aus der kontaminierten Wolke eingenommen werden, zumindest sollte die Aufnahme des Radiojods weniger als zwei Stunden zurück liegen.

    Die Kaliumjodidtabletten mit 65 mg oder 130 mg Kaliumjodid sind nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und können auch zur Eigenvorsorge von jedermann in Apotheken gekauft und zu Hause gelagert werden. Die Einnahme soll jedoch generell nur nach Aufforderung durch die Behörden erfolgen.

    Im Freistaat Thüringen werden keine Kernkraftwerke (KKW) betrieben, so dass keine Thüringer Gebiete im Nahbereich eines KKW bis 25 km liegen. Lediglich im Fernbereich bis 100 km kann der Freistaat Thüringen durch einen Unfall in einem Kernkraftwerk eines benachbarten Bundeslandes betroffen sein.

    Für Personen über 18 Jahre ist eine Verabreichung dieser Jodtabletten nicht vorgesehen, da für Personen von 18 bis 45 Jahre der Eingreifrichtwert bei einer Schilddrüsendosis von 250 mSv liegt. Nach Einschätzung der Deutschen Strahlenschutzkommission wird dieser Wert im 25 bis 100 km-Fernbereich, d. h. auf Thüringer Gebiet, voraussichtlich nicht erreicht werden. Personen über 45 Jahre wird die Einnahme von Jodtabletten generell nicht empfohlen, da das Risiko von Nebenwirkungen durch die Jodtabletteneinnahme größer als der Schutz vor möglichen Strahlenschäden ist.


    [1] Für "Jod" wird heutzutage vielfach die aktuelle wissenschaftliche Schreibweise "Iod" verwendet.

     

     1.2       Planung von Katastrophenschutzmaßnahmen im Umfeld von Kernkraftwerken in Deutschland

    Die Planung der erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung bei einem kerntechnischen Unfall erfolgt in Thüringen nach bundesweit geltenden Rahmenempfehlungen und Konzepten [2, 3].

    Hierfür wird die Umgebung der Kernkraftwerke (KKW) bis zu einer Entfernung von 100 km in 12 Sektoren zu je 30° und so genannte Zonen im Nah- und Fernbereich eingeteilt. Dabei ist der Nahbereich der 25-km-Umkreis des KKW, während der Fernbereich als ein Kreisring mit einem Radius von 25 bis 100 km um das KKW beschrieben werden kann. Auf diese Weise können schnell und einheitlich notwendige Handlungen und Anweisungen regional zugeordnet werden.

    Während im Nahbereich der Kernkraftwerke (bis 25 km Entfernung – s.o.) eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig werden kann, konzentriert man sich auf Grund der geringen Auswirkungen im Fernbereich (25 bis 100 km – s.o.) vor allem auf die Verteilung von Jodtabletten an Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Schwangere.

     

    1.3      Für Thüringen relevante Kernkraftwerksstandorte und Planungsgebiete

    Obwohl im Freistaat Thüringen selbst keine Kernkraftwerke betrieben werden, liegen Teile von Thüringen im Fernbereich von Kernkraftwerken. In diesen Bereichen muss im Ereignisfall eine Verteilung von Jodtabletten nach einem bundesweit geltenden Konzept erfolgen.

    Im Einzelnen handelt es sich dabei um die folgenden Kernkraftwerke [4]:

    • Kernkraftwerk Grohnde (Niedersachsen)

    Betreiber:             Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH & Co. oHG

    Gesellschafter:      E.ON Kernkraft, Stadtwerke Bielefeld

    Reaktortyp:           Druckwasserreaktor

    Nettoleistung:        1.360 MW

    Inbetriebnahme:    1985

     

    • Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (Bayern)

    Betreiber:              E.ON Kernkraft

    Eigentümer:          E.ON Kernkraft

    Reaktortyp:           Druckwasserreaktor

    Nettoleistung:       1.275 MW

    Inbetriebnahme:    1981

    Im Fernbereich des Kernkraftwerkes Grohnde liegen in den Sektoren 5 und 6 Teile der Landkreise Eichsfeld und Nordhausen.

    Im Fernbereich des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld liegen in den Sektoren 1 bis 3 die Landkreise Sonneberg, Hildburghausen, Schmalkalden-Meiningen und die kreisfreie Stadt Suhl sowie Teile der Landkreise Saalfeld-Rudolstadt, Gotha, Ilm-Kreis und des Wartburgkreises.

    Die nebenstehenden Abbildungen zeigen die Sektoreneinteilungen im Fernbereich des Kernkraftwerkes Grohnde bzw. des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld.

     

    1.4      Prognose und Entscheidungsfindung

    Kernkraftwerke in Deutschland unterliegen einem stringenten Sicherheitssystem technischer und rechtlicher Vorgaben. Insofern sind Störungen und Unfälle selten und werden durch sicherheitstechnische Maßnahmen wirksam bekämpft.

    Kommt es dennoch zu einem kerntechnischen Unfall mit einer Freisetzung von Radioaktivität, sind zeitnahe Entscheidungen und Handlungen notwendig. Damit engt sich der Zeitraum, der den radiologischen Fachberatern aus dem Geschäftsbereich des Thüringer Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz für Prognosen und Lageeinschätzungen zur Verfügung steht, dramatisch ein.

    Durch die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie wurden deshalb die technischen Voraussetzungen geschaffen, unmittelbar auf das Prognosesystem RODOS*) des Bundes und der Betreiberländer zuzugreifen, damit auch für den Freistaat Thüringen die schnellst mögliche Einleitung der erforderlichen Maßnahmen gewährleistet ist.

    *)Prognosen zur Notwendigkeit der Einleitung von Maßnahmen nach kerntechnischen Unfallereignissen werden mit dem „Realtime Online Decision Support System for nuclear emergency management“ (Programmsystem RODOS) erstellt

     

    2          Verteilung der Jodtabletten im Ereignisfall im Freistaat Thüringen

    Für die betroffenen Gebiete hält der Bund in 8 zentralen Lagern (ZL) die erforderlichen Jodtabletten bereit.

    Im Falle eines Unfalls fordert der Freistaat Thüringen die notwendigen Tabletten an. Diese werden durch den Bund von den zentralen Lagern an festgelegte Hauptanlieferungspunkte (HAP) nach Thüringen gebracht. Im Freistaat Thüringen sind dafür im Süden vier Hauptanlieferungspunkte (Bad Salzungen, Suhl, Hildburghausen, Sonneberg) und im Norden ein Hauptanlieferungspunkt (Wintzingerode, Stadt Leinefelde-Worbis) vorgesehen.

    Von diesen Hauptanlieferungspunkten aus verteilen die Bundesländer in eigener Zuständigkeit die Tabletten ggf. über weitere Zwischenstationen (Lokale Anlieferungspunkte LAP) an so genannte Ausgabestellen (Ast), die in allen betroffenen Gemeinden in Thüringen inzwischen festgelegt worden sind. In Thüringen erfolgt der Transport überwiegend durch die Feuerwehren und Einheiten des Katastrophenschutzes.

    Die Ausgabestellen dienen der direkten Tablettenausgabe an die Bevölkerung. Sie sind i. d. R. zu Fuß innerhalb von 30 Minuten erreichbar und in allgemein bekannten Objekten (Schulen, Wahllokale, o. ä.) untergebracht. Von dort kann die betroffene Bevölkerung (Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren und Schwangere) zeitnah mit Jodtabletten versorgt werden.

    Ob Ihre Gemeinde im Planungsgebiet gelegen ist und wo sich die für Sie zuständige Ausgabestelle befindet, erfahren Sie durch Ihre Gemeindeverwaltung. Diese wird im Falle eines Unfalles auch die Ausgabestelle einrichten und parallel zu den Informationen über Presse, Rundfunk und Fernsehen die Einwohner zur Abholung aufrufen.

    An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass die Aufforderung zur Abholung der Tabletten keinesfalls als gleichzeitige Aufforderung zur Einnahme zu verstehen ist. Letzteres erfolgt in jedem Fall gesondert, da eine optimale Wirkung der Tabletten nur bei Einnahme zum richtigen Zeitpunkt erreicht werden kann.

     

    3          Literatur und weiterführende Quellen

    [1]        Radiologische Grundlagen für Entscheidungen über Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung bei unfallbedingten Freisetzungen von Radionukliden, Empfehlungen der Strahlenschutzkommission (Stand: 2008)

    [2]        Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen (Stand: 2008)

    [3]        Konzept der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Verteilung von Kaliumjodidtabletten zur Jodblockade der Schilddrüse bei kerntechnischen Unfällen" (12. Mai 2004)

    [4]        E.ON Kernkraft GmbH (Stand: 13.10.2008)

    [5]        Internet-Seiten der Strahlenschutzkommission

                http://www.ssk.de und http://www.jodblockade.de

     

    4          Ansprechpartner

    Maßnahmeplanung und Logistik Thüringer Innenministerium, Referat 45
    Medizinische FragestellungenThüringer Ministerium für Soziales Familie und Gesundheit, Referat 41; Gesundheitspolitik, Pharmaziewesen
    Radiologische Fachberatung
    und Entscheidungsfindung
    Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz Referat 48; Bergbau, Strahlenschutz

     

     

  • Allgemeines

    Der Uranerzbergbau durch die SAG Wismut in Ostthüringen begann 1948 mit Erkundungsschürfen und ab 1949 mit Tagebauaufschlüssen. In der Folgezeit kam es auch im Tiefbau zu einer starken Ausweitung der Uranerzförderung. Ab 1960 begann die Wismut im Raum Seelingstädt in großem Maßstab mit der Aufbereitung von Uranerzen. Seit 1991 saniert nach Einstellung des aktiven Bergbaus die bundeseigene Wismut GmbH mit Finanzmitteln des Bundes (für Thüringen und Sachsen 6,5 Mrd. Euro) die Hinterlassenschaft des Uranerzbergbaues und der Uranerzaufbereitung.

    Aufgaben der TLUG

    Per Erlass des TMLNU vom 29.01.1996 wurde das Referat Altlasten und Wismut der TLUG mit den fachtechnischen Belangen zu wasserwirtschaftlichen Fragen und der Koordinierung der Stellungnahmen zwischen den Fachgebieten innerhalb der TLUG und anderer Fachbehörden betraut. Die Fachstellungnahmen zu wasserrechtlichen Anträgen der Wismut oder zu Planfeststellungsverfahren im Zusammenhang mit der Sanierungstätigkeit der Wismut GmbH erfolgen im Auftrag des Thüringer Landesverwaltungsamtes oder des Landesbergamtes zu folgenden Schwerpunkten:

    • Flutung der Grubenbaue,

    • Monitoring von Grund- und Oberflächenwassermengen und -qualitäten,

    • Halden- und Betriebsflächensanierung,

    • Verfüllung des Tagebaus Lichtenberg,

    • Verwahrung der Industriellen Absetzanlagen Trünzig und Culmitzsch,

    • Betrieb der Wasserbehandlungsanlagen Ronneburg und Seelingstädt.

    Einen detaillierteren Überblick zu aktuellen Zahlen, Daten und Fakten der Sanierungstätigkeit der Wismut GmbH gibt die Homepage der Wismut GmbH www.wismut.de

Bergbaubedingte Umweltradioaktivität

Begleitend zur Sanierung der radioaktiv kontaminierten Hinterlassenschaften im ehemaligen Ostthüringer Uranerz-Abbaugebiet durch die Wismut GmbH wird die bergbaubedingte Umweltradioaktivität überwacht. Die gesetzlichen Vorgaben für die erforderliche Emissions- und Immissionsüberwachung der Wismut-Anlagen enthält §118 der Strahlenschutzverordnung. Die Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung bei bergbaulichen Tätigkeiten - (REI-Bergbau) vom 11.08.1997 untersetzt diese Regelungen für den gesamten Bereich der bergbaulichen Tätigkeiten in den neunen Bundesländern.

  • Überwachung der bergbaubedingten Umweltradioaktivität in Ostthüringen

    Jeder Bergbau und seine Hinterlassenschaften führen zu einer Beeinträchtigung der Umwelt, von der Natur und Mensch gleichermaßen betroffen sind. Insbesondere durch die mehr als 40jährige intensive Gewinnung und Verarbeitung von Uranerz in Sachsen und Thüringen kam es in den Bergbaugebieten zu einer Kontamination von Luft, Wasser und Boden und zu einer zusätzlichen Strahlenexposition der dort lebenden Bevölkerung.

    Nach Einstellung des Uranerzbergbaus Ende 1990 wurden die umfassenden Sanierungsmaßnahmen mit dem Ziel begonnen, die Umweltbelastungen zu beseitigen bzw. auf ein zulässiges Maß zu mindern. Bergwerke wurden stillgelegt, Gruben geflutet, kontaminierte Gebäude und Anlagen demontiert und abgebaut, Halden und Schlammteiche saniert und Betriebs- und sonstige Flächen wieder nutzbar gemacht.
    Da es auch bei diesen Tätigkeiten zu einer zeitweise erhöhten Freisetzung von radioaktiven Stoffen kommen kann, ist zum Schutz von Mensch und Umwelt eine konsequente Überwachung der Radioaktivität unabdingbar. Um den Ausgangszustand erfassen, die Sanierungsprozesse steuern und den Sanierungserfolg quantifizieren zu können, werden Luft, Wasser und Boden kontinuierlich vor, während und nach der Sanierung überwacht.

    Der zuständigen Aufsichtsbehörde des Landes, in Thüringen dem Thüringer Landesbergamt, ist vom Betreiber Wismut GmbH nachzuweisen, dass die im Rahmen von Genehmigungsverfahren erteilten, dem Sanierungsstand angepassten Auflagen, z. B. zulässige Höchstwerte für die Ableitung radioaktiver Stoffe mit den Abwässern und Abwettern, eingehalten werden.
    In die in der REI-Bergbau festgelegten Messaufgaben teilen sich der Betreiber und eine vom Land bestimmte, unabhängige Messstelle. Mit der Wahrnehmung der Aufgaben der unabhängigen Messstelle wurde die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie vom Thüringer Landesbergamt beauftragt.

    Für die Durchführung der Emissionsüberwachung ist der Betreiber verantwortlich. Stichprobenartig werden die Betreibermessungen durch die unabhängige Messstelle kontrolliert.

    Für die Immissionsüberwachung werden zwei Messprogramme aufgestellt, ein Programm für
    den Betreiber und ein ergänzendes und kontrollierendes Programm, das die unabhängige Messstelle im Auftrag der zuständigen Landesbehörde durchführt. Dabei hat der Betreiber bevorzugt den Nahbereich der Umgebung und die Primärmedien (Luft, Wasser, Boden) und die unabhängige Messstelle die weitere Umgebung und jene Medien, die am Ende der ökologischen Kette stehen (landwirtschaftliche Produkte, Trinkwasser) zu überwachen. Darüber hinaus sind aus Gründen der Kontrolle und zum Vergleich ausgewählte Medien von beiden zu beproben und zu messen.

    Die Überwachung erfolgt durch Messungen der Aktivitätskonzentrationen der maßgeblichen Radionuklide (bei Uran auch der Elementkonzentration). Bei der Emissionsüberwachung durch den Betreiber sind in begründeten Fällen, mit Zustimmung der zuständigen Landesbehörde, auch Abschätzungen zulässig. Zur Bewertung der radiologischen Auswirkungen von Ableitungen sind die notwendigen Daten zu den Ausbreitungsverhältnissen zu erfassen. Die Messungen gemäß REI-Bergbau sind sowohl vor Aufnahme einer bergbaulichen Tätigkeit (Vergleichsmaßstab für später Messungen) als auch während deren Durchführung vorzunehmen.

    Radioaktivitätsmessungen finden in folgenden Umweltbereichen und für folgende
    Expositionspfade (soweit relevant) statt:

    • Luft
    • Wasser
    • Ernährungsketten
    • Inhalation
    • Ingestion

    Hierfür sind die Wege der radioaktiven Stoffe von der Emission bis zu einer Strahlenexposition so zu berücksichtigen, dass relevante Expositionspfade erkennbar und im Falle eines außergewöhnlichen Ereignisses ermittelbar sind. Messungen sind besonders an Stellen, an denen sich bevorzugt radioaktive Stoffe anreichern können sowie an Referenzstandorten durchzuführen. Die zu überwachenden Radionuklide sind die relevanten Radionuklide der Uran- und Thoriumzerfallsreihe (nur wenn von Bedeutung). Die erforderlichen Nachweisgrenzen orientieren sich am Niveau der natürlichen Umweltradioaktivität und sind so festgelegt, dass für die Expositionspfade:

    • Bodenstrahlung
    • externe Gamma-Strahlung
    • Inhalation (ohne Radon)
    • Ingestion

    jeweils eine Dosis von 100 µSv/a nachgewiesen werden kann.
    Die Ergebnisse der Überwachung werden aufgezeichnet, in Jahresberichten zusammengestellt und 30 Jahre lang aufbewahrt. Die Berichte werden dem Bundesamt für Strahlenschutz übergeben und hier in den jährlichen Bericht "Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung" der Bundesregierung an den Bundestag und den Bundesrat eingearbeitet. Die unabhängige Messstelle hat Messungen in den nachfolgend aufgeführten Umweltmedien abzusichern und dabei Verfahren und Methoden, welche die geforderten Nachweisgrenzen gewährleisten, zu benutzen.

    Emissions- und Immissionsüberwachung

    Das Messprogramm berücksichtigt dabei die ständigen Veränderungen der Situation infolge der fortschreitenden Sanierung und geht auf aktuelle Veränderung ein. So variieren sowohl die Anzahl als auch die zu überwachenden Messpunkte von Jahr zu Jahr. Allgemein ist zu beobachten, dass sich der Schwerpunkt der Überwachung von Messungen im Luftpfad in Richtung einer stärkeren Gewichtung des Wasserpfades verschiebt.
    Obwohl nach wie vor Messungen im Bereich Luft und Boden (Radon, Radon-Zerfallsprodukte, Schwebstaub, Bodenoberfläche) durchgeführt werden, gewinnt vor allem der Bereich der Grundwasserüberwachung an Bedeutung.

    Dies ist insofern verständlich, als dass mit Abschluss der Sanierungsarbeiten nennenswerte Strahlenexpositionen (von speziellen Einzelstandorten abgesehen) über den Luft- und Bodenpfad beseitigt sein werden, mögliche Einträge von Radioaktivität ins Wasser jedoch nur sehr langsam vonstatten und auch in der Folgezeit weitergehen werden.
    Die Überwachung des Grundwassers und ausgewählter oberirdischer Gewässer wird deshalb noch Jahrzehnte notwendig sein.

    Die zusammengefassten Messergebnisse werden im Umweltbericht des jeweiligen Jahres veröffentlicht.

  • Richtlinie für die Emissions- und Immissionsüberwachung bei bergbaulichen Tätigkeiten (REI-Bergbau)

    Wann und warum wird die REI-Bergbau benötigt?

    Im Einigungsvertragsgesetz vom 23. September 1990 wurde festgelegt, dass in den neuen Bundesländern für bergbauliche und andere Tätigkeiten, soweit dabei radioaktive Stoffe, insbesondere Radonfolgeprodukte, anwesend sind, die strahlenschutzrechtlichen Regelungen der früheren DDR fort gelten.
    Dieser Schritt war notwendig geworden, da in der bundesdeutschen Strahlenschutzverordnung zu diesem Zeitpunkt entsprechende Instrumentarien fehlten.

    Die "Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung bei bergbaulichen Tätigkeiten - REI Bergbau", die den neuen Bundesländern von der Bundesregierung am 27. November 1997 zur Anwendung übergeben wurde, enthält ergänzende Festlegungen zur konkreten Umsetzung.
    Im grundsätzlichen Aufbau hat man sich hierbei an den entsprechenden Richtlinien für kerntechnische Anlagen orientiert. Die speziellen Verhältnisse bei bergbaulichen Tätigkeiten gegenüber kerntechnischen Anlagen spiegeln sich in anderen Messgrößen, Bestimmungsverfahren, Überwachungszyklen und der Flexibilität der Messprogramme wegen der sich ständig ändernden Bedingungen z.B. vor, während und nach Sanierungsmaßnahmen wieder.
    Mit der Neufassung der Strahlenschutzverordnung vom 20. Juli 2001 wurden die erforderlichen Regelungen für die Emissions- und Immissionsüberwachung für den Sonderfall der Stilllegung und Sanierung der Betriebsanlagen und Betriebsstätten des Uranbergbaus in den Verordnungstext übernommen (§ 118 Abs. 3 i. V. m. § 48 Abs. 1, 2 und 4).

    Damit besitzen die Strahlenschutzbehörden der betroffenen Länder für die radiologische Emissions- und Immissionsüberwachung an Bergbauanlagen ein Länder übergreifendes, fachlich abgestimmtes Instrumentarium.

    Was beinhaltet die REI-Bergbau?

    Insbesondere enthält das Regelwerk konkrete Vorgaben

    • zum Zeitpunkt der Überwachung
    • zu Art, Umfang und Häufigkeit der erforderlichen Probenahmen und Messungen
    • zu Anforderungen an eingesetzte Messmethoden und
    • zur Berichterstattung.

    Aus Sicht der Strahlenschutzbehörden ist damit die Möglichkeit gegeben, die
    Umgebungsüberwachung bei bergbaulichen Tätigkeiten (z.B. der Wismut) insgesamt zu
    vereinheitlichen und aktuellen Erfordernissen anzupassen.
    Für die Zukunft wird angestrebt, die Gültigkeit der REI-Bergbau auf das gesamte Bundesgebiet zu erweitern.

    Datenfluss im Rahmen der REI-Bergbau

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