Luchs (Lynx lynx)

Die Rückkehr des durch internationale Übereinkommen und nationalen Gesetzgebungen geschützten Beutegreifers Luchs nach Thüringen ist ein Erfolg für den Artenschutz. Erklärtes Ziel der Thüringer Landesregierung ist es, die Akzeptanz des Luchses zu verbessern und gleichzeitig von Rissen betroffene Tierhalter finanziell zu unterstützen.

Der Luchs in Thüringen

Zwischen dem Jahr 2000 und 2006 wurden im niedersächsischen Teil des Harzes 24 Luchse ausgewildert. Diese Population reproduziert seitdem und breitete sich auch über den Harz hinaus aus. Im Jahr 2004 wurde dokumentiert, dass diese Luchse erstmals wieder thüringischen Boden betraten, seitdem traten sie in Thüringen hin und wieder auf. Am 2. Februar 2015 wurde zudem ein Luchs bei Gräfenthal (Thür. Schiefergebirge) nachgewiesen, welcher aus Bayern zugewandert sein könnte.

Ausrottung

Mit Beginn der großen Rodungswellen infolge der zunehmenden Kultivierung der Landschaft durch den Menschen verringerte sich der Lebensraum des auf größere Waldgebiete angewiesenen Luchses schon im Mittelalter zunehmend. In der früheren Gesellschaft hatte dieser große Beutegreifer einen schlechten Stand und wurde als „Schädling“ für Nutztiere und Jagd betrachtet. Die Intensität der Nachstellung begründete sich jedoch auch durch den früheren, hohen Wert seines Fells, welches sich selbst bis in die Türkei teuer verkaufen ließ. Auch das Fleisch des Luchses wurde in elitären Kreisen als Delikatesse geschätzt.

Lebensraumverlust und Nachstellung führten zur allmählichen Verdrängung des Luchses in die noch reichlich bewaldeten mitteleuropäischen Gebirge. Doch auch hier währte der Luchs nicht mehr lange. So wurde u. a. der letzte Luchs des Harzes am 17. März 1818 bei Lautenthal erlegt. Am 14. März 1819 wurde im Rahmen einer großangelegten, mehrtägigen Verfolgung der letzte Luchs in Thüringen bei Luisenthal (Thür. Wald) geschossen. Bei diesem Luchs dürfte es sich nach Auswertung der historischen Literatur, Fehlen von Luchsbestätigungen in den Jahren zuvor, allerdings schon nicht mehr um einen „eingeborenen Luchs“ sondern um einen aus dem Osten zugewanderten Luchs gehandelt haben.

Auswilderungen und Rückkehr nach Thüringen

Alle derzeitigen Luchsvorkommen in Deutschland, den angrenzenden südlichen und weiter westlichen, europäischen Ländern sowie im Böhmerwald gehen auf Auswilderungsinitiativen zurück. Zwischen dem Jahr 2000 und 2006 wurden im niedersächsischen Teil des Harzes 24 Luchse ausgewildert. Diese Population reproduziert seitdem und breitete sich auch über den Harz hinaus aus. Im Jahr 2004 wurde dokumentiert, dass diese Luchse erstmals wieder thüringischen Boden betraten, seitdem traten sie in Thüringen hin und wieder auf. Am 2. Februar 2015 wurde zudem ein Luchs bei Gräfenthal (Thür. Schiefergebirge) nachgewiesen, der aus Bayern zugewandert sein könnte.

Erste Reproduktion in Thüringen und das tragische Ende

Im Mai 2015 wurde nach zwei Jahrhunderten erstmals wieder die Reproduktion von Luchsen in freier Wildbahn in Thüringen nachgewiesen. Die der Harzpopulation entstammende, besenderte Luchsin "F 5" gebar in der Nähe von Silkerode (Nordthüringen) 5 Jungtiere. Allerdings fand die Luchsfamilie ein tragisches Ende. Am 5. Dezember 2015 fanden Spaziergänger die skelletierten Überreste von Luchsin "F 5". Da die Jungtiere zum Todeszeitpunkt des Muttertieres noch nicht selbstständig waren, muss von ihrem Ableben ausgegangen werden. Die sterblichen Überreste von Luchsin "F 5" wurden unter Hinzuziehung renommierter Experten und Verfahren eingehend untersucht.

Der skelettierte Kadavers ließ keine eindeutige Klärung der Todesursache zu. Als Todesursache wird eine Kachexie (Unterernährung mit Folge des Verhungerns) des Muttertieres nicht ausgeschlossen. Knochenfettanalysen und die starke Beanspruchung des Muttertieres durch die Versorgung ihrer außergewöhnlich vielen Jungtiere sprechen für diese These. Eindeutig lässt sich die Todesursache von Luchsin "F 5" jedoch nicht mehr klären.

Artporträt

  • Charakteristische Merkmale: Pinselohren, Stummelschwanz, Backenbart, Hochbeinigkeit
  • Kopf-Rumpf-Länge: ca. 85 cm bis ca. 110 cm
  • Schulterhöhe: ca. 50 cm bis 75 cm
  • Gewicht: ausgewachsene männliche Luchse: ca. 20 bis 25 kg (max. 40 kg); ausgewachsene weibliche Luchse: ca. 15 bis 20 kg
  • Nahrungsbedarf: durchschnittlich 1 kg bis 1,5 kg Fleisch pro Tag
  • Beute: Kleinsäuger bis Jungtiere vom Rotwild, Vögel, Insekten
  • Jagdmethode: Auflauern des Beutetieres oder Anpirschen. Beutetiere werden durch kurze Sprints oder kräftige Sprünge verfolgt. Die Katze nutzt hierbei auch ihre scharfen Krallen zum Überwältigen der Beute und tötet größere Tiere durch Biss in die Drossel oder kleinere Tiere auch durch Biss in den Nacken. Größere Tiere, z. B. ausgewachsene Rehe, werden nicht auf einmal gefressen, sondern der Luchs zehrt mehrere Tage davon.
  • Fortpflanzung: Luchsinnen sind ab dem 22 Lebensmonat geschlechtsreif, die männlichen Tiere (Kuder) ab 33 Lebensmonaten
  • Paarungszeit: Februar/ März
  • Tragzeit: 63 bis 75 Tage
  • Gebärzeit: April bis Juni
  • Wurfgrößen: i. d. R. 2 bis 3 Jungtiere
  • Aufzucht: Die Jungtiere öffnen nach 7 bis 17 Tagen die Augen und nehmen ab der 5.Lebenswoche feste Nahrung zu sich. Im Alter von 3 Monaten begleiten sie die Mutter auf den Jagdausflügen. Väterliche Tiere beteiligen sich nicht an der Aufzucht. Mit Eintreten der Paarungszeit löst sich der Familienverband auf
  • Lebensweise: Einzelgänger (außerhalb der Ranz und Aufzuchtzeit)
  • Sinne: Hör- und Sehvermögen sind ausgezeichnet und übertreffen die des Menschen bei weitem
  • Alter: in Gefangenschaft bis 25 Jahre, in freier Wildbahn bis deutlich unter 20 Jahre
  • Reviergrößen: mehrere 100 qkm bis über 1000 qkm

Schutzstatus

Der Luchs unterliegt sowohl dem Naturschutz- als auch dem Jagdrecht. Nach dem Jagdrecht ist er ganzjährig geschont bzw. darf nicht bejagt werden. Naturschutzrechtlich ist der Luchs international nach der Berner Konvention und dem Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. In einzelnen Ländern mit einer robusten Population darf er kontrolliert bejagt werden.

In der EU-Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) wird der Luchs im Anhang II (Arten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und im Anhang IV (auch außerhalb von Schutzgebieten streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse) geführt. Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt den Luchs nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 Buchstabe b)  zu einer streng geschützten Art.

Ausblick

Im Gegensatz zum Wolf ist der Luchs kein Lebensraumgeneralist, sondern an größere Waldkomplexe gebunden. Der jährliche Populationszuwachs ist im Vergleich zum Wolf deutlich geringer. Er liegt jährlich bei maximal 0,6 Jungtieren pro Weibchen. Die Weitwanderer unter den Luchsen sind i.d.R. nur die männlichen Tiere. Die Art ist in Deutschland hohen Gefahren durch den Verkehr, aber auch durch die illegale Nachstellung ausgesetzt. Auch Krankheiten (z. B. Räude) können den kleineren Luchspopulationen empfindlich zusetzen. Langfristig bedarf es einer Vernetzung der Luchspopulationen innerhalb Deutschlands und der Nachbarländer, um einer genetischen Verarmung und dem dadurch erhöhten Aussterberisiko zu begegnen.

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