Siegesmund: „Wir sichern unseren Schatzkammern der Artenvielfalt eine Zukunft“ Neues Leben für alte Obst-Bäume: Erstes Schutz- und Pflegekonzept für Thüringens Streuobstwiesen


Erstellt von Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Umweltministerin Anja Siegesmund hat heute einen Handlungsleitfaden für Streuobstwiesen in Thüringen vorgestellt. Damit liegt erstmals ein fachlicher Standard für naturnahe Pflege und Erhalt der wertvollen Biotope vor.

Angehende Baumwarte in der Krone eines Kirschbaumes.
Ministerin präsentiert den neuen Handlungsleitfaden zur Pflege von Streuobstwiesen
Fachgespräche mit Obstbaum-Experten

„Thüringen ist ein Land der Streuobstwiesen, sie prägen auf einzigartige Weise unsere Kulturlandschaft. Hier kann man Tiere beobachten, dem Summen der Bienen lauschen oder einfach im Schatten der alten Bäume verweilen. Die Wiesen sind ein Kleinod der Artenvielfalt und versorgen uns zudem mit köstlichem Obst aus biologischem Anbau. Mit unserer neuen Strategie für Pflege und Sanierung wollen wir diesen Naturschatz bewahren und den Streuobstwiesen eine langfristige Perspektive geben“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund am Rande einer Veranstaltung der Obstbaumschnittschule auf dem Obstwiesenhof Köhler in Kleinromstedt.

In Thüringen gibt es rund 10.000 Hektar Streuobstwiesen. 75 Prozent davon sind in ihrem Bestand bedroht. Hauptgrund dafür ist oftmals fehlende Wirtschaftlichkeit bei der Nutzung. Viele Flächen werden daraufhin aufgegeben. Aber auch falsche Pflege- und Schnittmaßnahmen setzen den schützenswerten Arealen zu.

Dabei übernehmen die teils sehr alten Baumbestände wichtige Funktionen in der Thüringer Kulturlandschaft. Sie bieten Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere. Bis zu 5.000 Arten finden auf einer Streuobstwiese ihre Nische. Die Baumwiesen schützen Boden und Wasserhaushalt und wirken positiv auf das lokale Klima. Die alten Bäume sind eine unwiederbringliche Gen-Reserve für alte Obstsorten, die in keinem Supermarkt zu finden sind. Nicht zuletzt sorgen die unbelasteten Früchte für den reinen Genuss von Saft, Marmelade oder Kuchen.

Um dem negativen Trend bei den Streuobstwiesen zu begegnen, legt das Thüringer Umweltministerium nun ein Handlungskonzept vor. Mit diesem fachlichen Leitfaden liegen erstmals einheitliche Standards für den Umgang mit den wertvollen Biotopen vor. Diese richten sich in erster Linie an die Thüringer Naturschutzbehörden. Es wird zudem den Landschaftspflege- und Naturschutzverbänden, Natura 2000-Stationen und Vorhabenträgern als Grundlage für Planungen und Projekte empfohlen. Auch interessierte Laien und Hobby-Baumwirte finden wertvolle Informationen.

Das Handlungskonzept

Gemeinsam mit der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)“ und der „Grünen Liga Thüringen“ sowie der Obstbaumschnittschule und dem Pommologenverein haben Naturschutzexperten des Umweltministeriums auf 80 Seiten Tipps und Empfehlungen zusammengetragen. Dabei wird der gesamte Lebenszyklus einer Streuobstwiese betrachtet. Ein Kapitel widmet sich der Neuanlage von Streuobstwiesen und der Auswahl geeigneter Obstsorten und –arten.

Der Fokus in Thüringen wird zukünftig jedoch nicht mehr auf der Neuanlage liegen, sondern zur dauerhaften Pflege und Sanierung vorhandener Flächen wechseln. Diese Neuausrichtung spiegelt sich in den umfangreichen Kapiteln zu Bestandspflege, Sanierung und Revitalisierung.

Abschließend betrachten die Autoren die Förderrichtlinien für Streuobstwiesen aus dem Thüringer Umweltministerium. Zukünftig fließen Fördergelder nur noch, wenn ausgebildete Baumwarte mit Fachkenntnissen in der naturnahen Pflege zu Säge und Schere greifen.

Hintergrund

Streuobstbestände wurden seit den 1980er Jahren in keinem nennenswerten Umfang mehr neu angelegt. Ihre Nutzung und Bewirtschaftung ist unter den heutigen Marktbedingungen nicht mehr kostendeckend abzusichern. Aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege besteht jedoch ein erhebliches öffentliches Interesse am Erhalt dieses Kulturlandschaftsbiotops.

Das Thüringer Umweltministerium hat sich daher zum Ziel gesetzt, dem negativen Entwicklungstrend entgegenzuwirken. Prioritär liegt dabei der Fokus der Bemühungen auf der Verbesserung des Zustandes der Streuobstwiesenbiotope, die dem gesetzlichen Schutz unterliegen.

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