Siegesmund: „Die Investitionen in Wasserstoff und Elektromobilität sind Investitionen in die Zukunft“ Nachhaltige Mobilität: Konzeptstudie Wasserstoffmodellregion Schwarzatal / Wasserstofftankstelle für Lkw im Erfurter Güterverkehrszentrum / Ausbau der EMobilitäts-Infrastruktur (LISS)


Erstellt von Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Unter reger Beteiligung bundesweiter Akteure, von Bundesverkehrsministerium bis Bauhaus-Universität Weimar, Fachhochschule Erfurt und Fraunhofer-Institut Dresden, ging heute die Konferenz „Impulse für Nachhaltige Mobilität“ auf der Erfurter Messe zu Ende.

Wort-Bild-Marke mit dem Motto: Impulse für Nachhaltige Mobilität in Thüringen
Impulse für Nachhaltige Mobilität in Thüringen
Elektrobus steht vor der Messe
Ministerin spricht zu den Konferenzteilnehmern
Ministerin wird interviewt

Auf der zu großen Teilen digitalen Konferenz spielte insbesondere das Thema Wasserstoff eine große Rolle, neben den Plänen für den Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur der E-Autos.

Dazu erklärt Umweltministerin Anja Siegesmund: „Die Investitionen in Wasserstoff und Elektromobilität sind Investitionen in die Zukunft. Hier werden wir weiterhin stark fördern und unterstützen. Denn hier verbinden sich Klimaschutz und regionale Wertschöpfung. Vor Ort produzierter Wasserstoff aus Sonnen- und Windenergie bringt saubere Energie auf die Straße und die Schiene. Wir bekommen in Erfurt eine der ersten Lkw-Wasserstofftankstellen Deutschlands. Und für die Ladesäulen flossen binnen 4 Jahren rund 800.000 EUR Fördermittel in den Ausbau unserer öffentlichen Ladeinfrastruktur. Aktuell teilen sich rund 7,3 E-Autos eine Ladesäule. Damit wird die Zielvorgabe der EU, nach der sich maximal 10 Fahrzeuge eine Ladesäule teilen sollten, deutlich übertroffen. Thüringen ist damit top unter den Bundesländern.“

Wasserstoffmodellregion Schwarzatal:

Im Auftrag des Umweltministeriums wurde von der Fachhochschule Erfurt und weiteren Partnern ein Konzept erarbeitet, wie die saubere Produktion von grünem Wasserstoff und der anschließende Einsatz in der Modellregion Schwarzatal aussehen kann.

Die Modellregion umfasst neun Gemeinden rund um die Schwarzatalbahn. Dort sollen alle Fahrzeugarten, die derzeit mit H2 angetrieben werden können, modellhaft zum Einsatz kommen.
Das betrifft Fahrräder, Pkw als Carsharing-Fahrzeuge, Kommunalfahrzeuge bis zu Brennstoffzellen-Bussen (und die Triebwagen). Es wird auch vorgeschlagen, einen schmalen Touristenbus mit Anhängern, der auf untergeordneten Straßen und auf Wegen fährt, anzuschaffen. Als besonderes High-Light soll der erste Fernbus Europas mit H2BZ-Antrieb zwischen Berlin und dem Schwarzatal zum Einsatz kommen.

  • Im Schwarzatal sollen, so die Empfehlung der Studie, fünf H2-Tankstellen errichtet werden. Die wichtigste wird für die Betankung von Bussen am ÖPNV-Betriebshof in Mellenbach entstehen, wo sich eine Buswendeschleife und auch die Talstation der Oberweißbacher Bergbahn befindet.
  • Es wurden Vorschläge ausgearbeitet, wo und wie EE-Strom in der Region für die H2-Erzeugung produziert werden kann. Beispielsweise sollen über dem Pkw-Parkplatz an der Talstation der Bergbahn PV-Module installiert werden. Es wurden zudem mehrere Vorschläge zur Optimierung des ÖPN-Netzes und zur besseren Auslastung der Schwarzatalbahn vorgelegt.
  • Es soll ein Informations- und Bildungszentrum für die Modellregion geschaffen werden. Darin soll die H2-Technoöogie mit modernen Medien erläutert werden und es soll dargestellt werden, welche High-Lights es in der Modellregion zu besichtigen und auszuprobieren gibt.

Lkw-Wasserstofftankstelle Güterverkehrszentrum Erfurt:

Eine der ersten bundesweiten Wasserstoff-Tankstellen für Lkw soll in den kommenden Jahren im Erfurter Güterverkehrszentrum (GVZ) entstehen. Darauf haben sich das Thüringer Umweltministerium, die Stadt Erfurt und die Stadtwerke Erfurt (SWE) verständigt.

Das Ministerium wolle für die Investition bis zu 7 Mio. EUR bereitstellen, bestätigte Siegesmund. Das Pilotprojekt im Erfurter GVZ soll ab 2023 zeigen, wie Energie- und Verkehrswende in der Logistik gelingen können. Derzeit laufen die Gespräche über Bau und Betrieb durch ein Unternehmen der Stadtwerke-Gruppe. Die Stadt Erfurt hat bereits ein geeignetes Grundstück im größten Logistik-Zentrum Thüringens vorgeschlagen.

Die vom Thüringer Umweltministerium beauftragte Studie zeigt am Beispiel des GVZ Erfurt einen Weg auf, wie der fossile Kraftstoff Diesel durch Wasserstoff ersetzt werden kann. Basis für die lokale H2-Produktion sind Windenergie und Photovoltaik. Die Wertschöpfung für die Stromerzeugung soll damit in der Region verbleiben. Unmittelbar neben der Tankstelle soll laut Konzept zudem ein dringend benötigter Lkw-Parkplatz entstehen, der mit PV-Modulen "überdacht" ist. Leichte Elektro-Lkw können dort künftig den vor Ort erzeugten Strom "tanken".

Fachleute sind sich einig, dass insbesondere für schwere Nutzfahrzeuge der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb in Zukunft Standard sein wird. Das setzt eine leistungsfähige Infrastruktur mit marktreifen und finanzierbaren Fahrzeugen voraus.

E-Mobilität: Ausbauoffensive für Ladeinfrastruktur geht in neue Phase:

Das Thüringer Umweltministerium will den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Thüringen weiter unterstützen. Dafür liegen nun die Empfehlungen der neuen Ladesäuleninfrastruktur-Strategie/LISS2030 vor. Bis zum Jahr 2030 müssten laut Studie 1.700 weitere öffentliche Normal-Ladesäulen oder 760 Schnelllader mit je 4 Ladepunkten hinzukommen, um den Bedarf für den geschätzten Anteil an batterieelektrischen Elektrofahrzeugen auf Thüringens Straßen zu decken.

Für ein dichtes Ladenetz hat die Studie des Bauhaus-Mobility-Labs vier Schwerpunkte identifiziert:

  • Schnelllade-Hubs in Wohngebieten
  • Ladesäulen auf Parkflächen des Einzelhandels
  • Ladesäulen an herkömmlichen Tankstellen
  • Ladesäulen beim Arbeitgeber

Nach Prognosen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur entfallen im Jahr 2030 rund ein Drittel der Ladevorgänge auf öffentliche Ladestationen, 27 Prozent auf Ladevorgänge am Arbeitsplatz und 41 Prozent auf private Stellplätze. Nach Abschluss der ersten Ausbaustufe gibt es in Thüringen aktuell mehr als 800 Ladepunkte an 390 öffentlichen Ladesäulen. Damit hat sich ihre Zahl in knapp 5 Jahren mehr als verzehnfacht. Zum Start des gemeinsamen Ausbauprogramms mit der Thüringer Energie AG und den Thüringer Stadtwerken Anfang 2016 gab es lediglich 40 öfftl. Ladesäulen. Damit existiert in Thüringen ein flächendeckendes Grundnetz an öffentlicher Ladeinfrastruktur, mit der die nach wie vor häufig geäußerten Reichweitenangst zusätzlich zur technologischen Entwicklung von Elektrofahrzeugen der Vergangenheit angehört.

 

Das Thüringer Umweltministerium in den sozialen Netzwerken: